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Sonne, die durch Bäume fällt, im Lübecker Stadtwald
Karolina Doleviczenyi / Greenpeace

Greenpeace Waldexperte Martin Kaiser im Interview

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Martin Kaiser arbeitet seit sechs Jahren für Greenpeace Deutschland. Er setzt sich besonders für die internationale Zusammenarbeit zu den Themen Wälder und Artenvielfalt ein. Außerdem ist er leidenschaftlicher Fußballspieler.

Greenpeace Online: Martin du arbeitestet bei Greenpeace als Wald-Experte, stelle deine Arbeit bitte kurz vor.

Martin: Die Urwälder der Erde sind tagtäglich von der indurstriellen Abholzung bedroht. Bei Greenpeace versuche ich, zusammen mit meinem Kolleginnen und Kollegen, Strategien zu entwickeln, wie wir große Unternehmen dazu bringen, mit der Urwaldzerstörung aufzuhören. Zusätzlich versuche ich mit der Politik gemeinsame Wege zu finden, wie Regierungen heute wieder Verantwortung für die Urwälder übernehmen können, um diese langfristig zu schützen.

Ohne die Regierungen geht es nicht. Deswegen erarbeiten wir beispielsweise Gesetzesentwürfe. Erst kürzlich legten wir auf einem parlamentarischen Abend einen Vorschlag für ein Urwaldschutzgesetz vor. Mit Hilfe dieses Gesetzes könnte der Import von Holz aus Urwaldzerstörung bei uns verboten werden. Deutschland ist als einer der großen Verwender von Holz aus Urwaldzerstörung und mitverantwortlich für deren Zerstörung. Deswegen versuchen wir auch hier in Deutschland Kampagnen zu entwickeln, die Industrie und Politik zum Einlenken bewegen.

Greenpeace Online: Du fährst auf die UN-Konferenz zum Schutz der Urwälder und Meere, CBD, nach Kuala Lumpur. Was wirst du dort machen?

Martin: Auf der UN-Konferenz zum Schutz von Wäldern und Meeren soll ein so genanntes Arbeitspogramm zur Einrichtung eines Netwerkes von Schutzgebieten weltweit verabschiedet werden. Die Arten und Lebensräume weltweit verschwinden in einem dramatischen Ausmaß. Die Regierungen müssen jetzt handeln, damit dieser Arten- und Lebensraumverlust überhaupt noch eingedämmt werden kann.

Ich fahre auf die CBD und werde dort mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus Südamerika, Afrika, Asien und Europa gemeinsam versuchen die Regierungen zu überzeugen, das sie ein verbindliches Abkommen treffen. Hierüber sollen beispielsweise Schutzgebiete im Amazonas, im Kongobecken, wo die großen Affen leben, garantiert werden.

Länder wie Deutschland werden wir darüber hinaus auffordern, Geld auf den Tisch zu legen. Denn ohne Geld werden es die Entwicklungsländer nicht schaffen, dort Schutzgebiete einzurichten, wo die letzten Urwälder tätsächlich noch stehen.

Ich selber werde das Greenpeace-Team und die politische Arbeit in Kuala Lumpur koordinieren und gemeinsam mit anderen Nicht-Regierungs-Organisationen versuchen, öffentlichen Druck aufzubauen. Die Beamten sollen nicht ohne Ergebnisse nach Hause fahren.

Greenpeace Online: Was erwartest du von der Konferenz?

Martin: Die UN-Konferenz zum Schutz der Urwälder und Meere muss ein verbindliches Abkommen zum Schutz der Arten und Lebensräume auf dieser Erde treffen. Urwälder und Meere sind in einer Krise. Tagtäglich sterben tausende von Arten und verschwinden Quadratkilometer von Urwäldern für immer von dieser Erde.

Die Regierungen müssen diesmal die Verantwortung übernehmen und gemeinsam ein Netzwerk von Schutzgebieten einrichten, das den Artenschwund und Lebensraumverlust eindämmt. Die Entwicklungsländer müssen sich bereit erklären solche Gebiete im Amazonas, im Kongobecken, auf Indonesien und anderswo einzurichten. Reiche Länder wie Deutschland müssen für diese globale Umweltaufgabe viel Geld auf den Tisch legen.

Ich erwarte, dass es auf dieser Konferenz erhebliche Widerstände dagegen geben wird. Zum einen von den reichen Ländern, die kein Geld für den Umwelt- und Naturschutz ausgeben wollen. Zum anderen aber auch von den Entwicklungsländern, die eher ein Wirtschaftswachstum in ihren Ländern anstreben als den Schutz der Biodiversität.

Zusätzlich ist es für uns wichtig deutlich zu machen, dass der Schutz der Lebensräume mit der Armutsbekämpfung in den Entwicklungsländern zu tun hat. Häufig profitieren die Menschen vor Ort von großen Naturschutzgebieten.

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