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Baitball on Ningaloo Reef
© Greenpeace / Lewis Burnett

UN-Verhandlungen für Hochseeschutzgebiete

Nur ein Hundertstel der Hohen See ist geschützt. Die UN verlangt mehr Meeresschutz und erarbeitet darum ein internationales Abkommen. Doch dessen Abschluss vertagt sich immer wieder.

Die am 26. August geendete fünfte Verhandlungsrunde zum UN-Hochseeschutzabkommen (BBNJ) in New York führte erneut zu keinem Abkommen. Dieses sollte Voraussetzungen schaffen, um Schutzgebiete außerhalb der nationalen Gewässer auszuweisen und damit die Artenvielfalt zu schützen und der Klimakrise entgegenzuwirken. Damit sind die seit mehreren Jahren andauernden zähen Verhandlungen weiter ohne Einigung vertagt worden. Ohne ein globales Meeresschutzabkommen ist es kaum möglich, das 30x30 Ziel zu erreichen: eine internationale Vereinbarung, um bis 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Greenpeace setzt sich bereits seit über 15 Jahren für eine weltweite Regelung zum Schutz der Hohen See ein.

 

Fünfte Verhandlungsrunde zu Hochseeschutz ohne Ergebnis

Greenpeace-Projektion bei Verhandlungen zu Hochseeschutz in New Work

Greenpeace-Aktive werfen anlässlich der Verhandlungen zum Hochseeschutzabkommen eine Projektion ans Gebäude.

Die zweiwöchigen Verhandlungen der Regierungen und internationalen Delegationen auf der IGC 5 bei den Vereinten Nationen sollen nach internen Angaben in einigen Punkten zwar Fortschritte gebracht haben, in vielen Bereichen gab es jedoch keine Einigung. Eines der schwierigsten Themen scheint die Aufteilung möglicher Gewinne durch genetische Ressourcen aus internationalen Gewässern zu sein, die für die Pharma-, Chemie- und Kosmetikindustrie von Interesse sind. Deren Suche können sich nur reiche Nationen oder große Unternehmen leisten, ärmere Länder wollen aber an möglichen Gewinnen angemessen beteiligt werden.

Neben anderen NGOs war auch Greenpeace mit einer internationalen Delegation, unter anderen mit Aktivist:innen aus dem Globalen Süden, vertreten. Die Verhandlungen werden zu einem noch nicht bekannt gegebenen Zeitpunkt fortgesetzt.

Greenpeace sieht akuten Handlungsbedarf beim Hochseeschutz

„Meeresschutz ist Klimaschutz – beides kann und darf nicht länger warten! Die Weltmeere nehmen den größten Teil des menschengemachten CO2 und der Erderhitzung auf “, so Till Seidensticker, Meeresexperte von Greenpeace. "Es ist empörend und auch traurig, dass die UN immer noch kein Abkommen zum Schutz der Hohen See beschlossen hat. Unsere Meere brauchen dringend Schutzgebiete, um unsere Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise zu sein. Das Ziel vieler Staaten, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Hohen See unter Schutz zu stellen, wird jetzt schwieriger zu erreichen sein. Die deutsche Regierung sollte daher dringend mit anderen ambitionierten Staaten auf anderen Wegen die Meere vor Überfischung, Tiefseebergbau und anderen menschlichen Eingriffen schützen. Es müssen Gebiete auf der Hohen See geschaffen werden, die von diesen Eingriffen verschont bleiben.“

 

Till Seidensticker

Greenpeace-Meeresexperte Till Seidensticker

Globaler Weltozeanvertrag als Rettungsplan für die Meere dringend notwendig

Ozeane machen rund 43 Prozent des Planeten aus, sie produzieren Sauerstoff, bieten Lebensräume und Nahrung und regulieren das Klima. Doch Ausbeutung und die Klimakrise haben sie bereits massiv verändert, weshalb es dringend einen verbindlichen globalen Rettungsplan braucht. Das weltweite Abkommen soll ähnlich wie der Pariser Klimaschutzvertrag für alle Staaten gelten, um die Klimakrise einzudämmen und Ökosysteme sowie die Biodiversität unter Wasser zu schützen. Es bleibt daher zu hoffen, dass die nächste Verhandlungsrunde noch in diesem Jahr stattfindet und es zu einer Einigung kommt.

Das UN-Meeresschutzabkommen ist von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Meere, die außerhalb der nationalen Gerichtsbarkeit liegen (BBNJ). Denn: Rechtlich gesehen hat auf einen großen Teil der Weltmeere niemand Anspruch – nur im küstennahen Teil des Meeres, das heißt, bis zu 200 Seemeilen vom Land entfernt, hat der angrenzende Staat gewisse Hoheitsrechte. Hinter dieser sogenannten „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ beginnt die Hohe See. Sie umfasst zwei Drittel der gesamten Ozeane und gehört niemandem – und damit letztlich allen.

Das ist ein Problem, aber auch eine Verpflichtung. Wenn in Hochseegebieten, dem größten und tiefsten Lebensraum der Erde, die Industrie nicht ungehindert Lebewesen und Bodenschätze ausbeuten soll, braucht es viele Schutzzonen fernab der Küsten. Bislang ist lediglich ein Hundertstel der Hohen See auf diese Weise geschützt.

Ozeane unter Stress

Chinstrap Penguins in Antarctica

Zügelpinguine auf einem Eisberg vor der Küste von Elephant Island in der Antarktis. Die Auswirkungen der Klimaerhitzung auf die Zügelpinguin-Kolonien in der Antarktis werden untersucht.

Tatsächlich ist der Meeresgrund weniger erforscht als die Mondoberfläche. Die Ozeane außerhalb staatlicher Hoheitsgebiete sind riesig und wimmeln vor Leben: von winzigem Plankton hin zu majestätischen Buckelwalen; hier leben Schildkröten, Haie und Delfine, Korallenriffe bieten Lebensräume am Boden des Ozeans. Dieses Leben gilt es zu schützen – und unser eigenes. Winzige Algen und Bakterien im Meer produzieren rund 50 Prozent des Sauerstoffs in der Atmosphäre – mit jedem zweiten Luftholen atmen wir ein, was die Ozeane produzieren. Umso wichtiger ist es sicherzustellen, dass die Weltmeere ein gesundes Ökosystem bilden.

Dafür müssen aber umgehend Maßnahmen in Kraft treten. Die Ozeane sind bereits schwer angeschlagen, durch Plünderung und Verschmutzung durch den Menschen; Kohlenstoffdioxid, das aus der Atmosphäre aufgenommen wird, versauert die Meere. Mit einem knappen Drittel der Weltmeere unter Schutz könnte die Menschheit Schlimmeres verhindern, besser wären 40 Prozent. „Nur so können sich Flora und Fauna erholen und ganze Ökosysteme in ihrer Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel gestärkt werden“, sagt Seidensticker von Greenpeace. Was die Erderhitzung mit dem empfindlichen Lebensraum Meer anstellt, ist dabei nicht restlos geklärt – aber steigende Temperaturen sind für die Ozeane gewiss schlechte Nachrichten: „Was es letztlich bedeutet, wenn beispielsweise an den Polkappen Eisschilde aus Süßwasser schmelzen, Kaltwassermassen nicht mehr richtig absinken können, und sich so die globalen Meeresströmungen verändern, können wir nur erahnen.“

Korallenriff in Papua

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