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Maisfeld mit Maiskolben in Süddeutschland.
Eberhard Weckenmann/Greenpeace

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In der EU ist der Genmais derzeit nicht erlaubt, weil die Genehmigung für den Anbau 1998 auf zehn Jahre begrenzt wurde. Daher kann der Mais seit 2007 nur noch auf Grundlage einer Ausnahmeregel kultiviert werden. Mon810 ist für viele Kleinstlebewesen gefährlich. Wegen dieser Gefahren für die Umwelt hat Deutschland Mon810 Mitte April 2009 nach langen Diskussionen verboten. Paradoxerweise darf Mon810 aber in anderen europäischen Ländern so lange angebaut werden, bis die Neubewertung vorliegt. Anfang Juli 2009 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine positive Bewertung von Mon810 veröffentlicht. Damit ist der erste Schritt in der Neubewertung des Gen-Maises getan - wenn auch mit einem fraglichen Ergebnis.

Schlecht recherchierte EFSA-Studie

Auf ihrer Homepage bezeichnet sich die EFSA selbst als Grundpfeiler der EU im Bereich der Risikobewertung der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit. Weiter gibt sie an, vorhandene und aufkommende Risiken deutlich und verständlich zu kommunizieren. Für den Greenpeace-Gentechnik-Experten Alexander Hissting eine fast absurde Behauptung auf wackeligem Fundament.Die heute veröffentlichte Studie von Greenpeace und Friends of the Earth Europe zeigt ein erschreckendes Ergebnis. Die EFSA scheint wichtige wissenschaftliche Forschungsergebnisse ignoriert zu haben und widerspricht sich in ihrer Beurteilung selbst. Auch jegliche wissenschaftlichen Unsicherheiten in Bezug auf Mon810 lässt sie einfach links liegen.

Beim Gen-Mais Mon810 handelt es sich um einen so genannten Bt-Mais. Das bedeutet, dass ihm ein Gen des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) eingebaut wurde. Die Pflanze produziert durch diese Veränderung permanent ein Insektengift. Dieses soll eigentlich nur tödlich auf die Raupen des Maiszünslers wirken, die Maispflanzen schädigen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass sich der Gen-Mais auch negativ auf andere Tiere auswirken kann, beispielsweise Mäuse, Schmetterlinge, Honigbienen, Spinnen, Schlupfwespen und Florfliegen. Das Gleiche gilt für Bodenorganismen wie Regenwürmer.

Die EFSA war in ihrer Bewertung zu dem Schluss gekommen, dass es keine größeren Auswirkungen auf natürliche Feinde des Maiszünslers durch Mon810 gibt. Auch die Folgen auf den Boden durch das Bt-Toxin sind nicht geklärt worden. Laut EFSA wären mögliche Auswirkungen auf Bodenorganismen höchstens temporär. Weder die EFSA noch der Agrarriese Monsanto, der die Patente für Mon810 besitzt, bezogen geographische Besonderheiten und die unterschiedlichen daraus resultierenden Konsequenzen für einzelne euorpäischen Regionen mit ein. Außerdem werden in der EFSA-Bewertung Studien nicht korrekt zitiert oder Aussagen gänzlich ohne wissenschaftliche Quellenangabe benutzt. Jeder Student würde damit an einer Universität wegen schwerer Mängel durchfallen.

Es entsteht der Eindruck, als hätte die EFSA erst ihre Zusammenfassung geschrieben und alle wisschenschaftlichen Bedenken dann ignoriert, mutmaßt Hissting. Neben Österreich und Frankreich haben sich bereits im Mai zehn weitere EU-Länder über die Qualität der EFSA-Arbeit beschwert. Aus Deutschland kamen von Regierungsseite noch keine Klagen - obwohl die Bundesrepublik den riskanten Gen-Mais im April verboten hat. Hissting: Landwirtschaftsministerin Aigner verhält sich extrem passiv in der aktuellen Diskussion. Wir fordern sie auf, sich gegen die erneute Zulassung genau wie gegen weitere Zulassungen von gefährlichen Gen-Pflanzen einzusetzen. Gemeinsam mit ihren europäischen Kollegen muss sie sich jetzt für ein Moratorium von Gen-Pflanzen in der EU stark machen.

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