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Wasserprobe wird in ein Testgefäß umgefüllt
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Zu viel Nitrat in unserem Wasser? Greenpeace misst in Bayern nach!

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Landwirtschaftsminister Rainer und weitere hochrangige CSU-Politiker durchlöchern das Düngerecht und schwächen so den Wasserschutz. Greenpeace nimmt Proben in ihrer Heimat.

Bayern hat ein Nitratproblem. Denn die industrielle Landwirtschaft belastet die Ökosysteme im Freistaat mit einem Übermaß an Düngemitteln. Von Äckern und Wiesen gelangen diese ins Oberflächen- und Grundwasser. Dadurch steigen die Nitratwerte. In Bayern wurde nach den zuletzt offiziell verfügbaren Daten der EU-Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter an mehr als jeder fünften Grundwasser-Messstelle überschritten. Auch Oberflächengewässer sind in einem ökologisch bedenklichen Maße belastet. Der Zielwert für Flüsse von elf Milligramm pro Liter wurde zuletzt in zwei Drittel aller Messstellen in Bayern überschritten. Greenpeace nimmt das zum Anlass, in vier Regionen in Bayern Proben aus Oberflächengewässern zu nehmen und die Nitratkonzentration vor Ort mit einem mobilen Messlabor zu dokumentieren.

Die Auswahl der Regionen ist – im Gegensatz zu den Entnahmestellen der Wasserproben – kein Zufall: Greenpeace beginnt die Bayern-Tour im Landkreis Straubing-Bogen, den Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) im Bundestag vertritt. Denn es ist Rainer, der seit seinem Amtsantritt 2025 den Grundwasserschutz schwächt und das Düngerecht verwässert. Er hat am Bundestag vorbei die Stoffstrombilanzverordnung aufgehoben. Diese verpflichtete landwirtschaftliche Betriebe, Buch zu führen über alles, was an Nährstoffen in den Hof hineingeht (z. B. Futter, Mineraldünger, Tiere) und was wieder herauskommt (z. B. Milch, Fleisch, Pflanzen, Gülle). Aus der Differenz – dem Nährstoffüberschuss – ließ sich feststellen, welche Höfe zu viel Stickstoff und Phosphor in die Umwelt leiten. Genau darum geht es beim Verursacherprinzip im Düngerecht.

Nitrat-Schwellenwert in Straubing-Bogen überschritten

Dass auch im Landkreis Straubing-Bogen zu viel Stickstoff in die Umwelt gelangt, zeigen die zuletzt erhobenen Daten: An allen neun Messstellen dort wurde der Nitrat-Zielwert für Flüsse von elf Milligramm pro Liter überschritten. Greenpeace hat für diese Angaben die Daten des Gewässerkundlichen Dienstes ausgewertet und sich an den Güteklassen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser orientiert. Beim Grundwasser ergab sich eine Überschreitung des EU-Schwellenwerts von 50 Milligramm pro Liter bei mehr als einem Drittel der Messstellen. Hier war das Jahresmittel 2024 der ausschlaggebende Wert.

Da die offiziellen Messnetze lückenhaft sind, die Werte je nach Netz variieren und wie im oben genannten Fall nicht immer aktuell sind, misst Greenpeace nach: Am 19. Oktober 2026 waren Aktive mit einem mobilen Messlabor in Straßkirchen bei Straubing und haben an sieben Stellen Proben aus Oberflächengewässern entnommen. Das Ergebnis: An allen sieben Bächen und Flüssen war der Zielwert von 11,1 Milligramm pro Liter überschritten. Wir stufen daher die Gewässer als in einem ökologisch bedenklichen Maße belastet ein. Zudem nehmen Greenpeace-Aktive – mit Unterstützung aus der Bevölkerung – bis Ende November Proben aus Flüssen, Bächen und Seen sowie privaten Grundwasserbrunnen in ganz Deutschland. Durch diese sogenannte Crowd-Recherche entsteht Stück für Stück eine Karte, die die Nitratbelastung aufdeckt.

Aufgeweichte Düngeregeln gefährden das Trinkwasser

Unsere Messungen und die interaktive Deutschlandkarte zeigen belastete Stellen und schaffen Transparenz. Und das ist auch nötig: Denn bis vor kurzem waren die sogenannten Roten Gebiete Anhaltspunkte für eine hohe lokale Belastung. Sie markierten Landstriche, in denen das Grundwasser besonders nitratbelastet ist. Doch im Herbst 2025 hob Bayern die Ausweisung infolge eines Gerichtsurteils auf. Die Folgen: Die verschärften Düngeregeln, die dort zuvor galten, entfallen. Und das bedroht nach Greenpeace-Recherchen auch Wasserschutzgebiete, in denen unser Trinkwasser gewonnen wird.

Staff Portrait - Vera Baumert in Germany
Vera Baumert

Naturschutz-Expertin von Greenpeace Bayern

„Diese organisierte Verantwortungslosigkeit muss aufhören. Wir brauchen im Düngerecht eine verpflichtende Hoftorbilanz – also eine belegbasierte Nährstoffbilanz des Gesamtbetriebs – mit der die Überdüngung verursachergerecht erfasst und kontrolliert werden kann.“
Staff Portrait - Vera Baumert in Germany
Zitat
„Diese organisierte Verantwortungslosigkeit muss aufhören. Wir brauchen im Düngerecht eine verpflichtende Hoftorbilanz – also eine belegbasierte Nährstoffbilanz des Gesamtbetriebs – mit der die Überdüngung verursachergerecht erfasst und kontrolliert werden kann.”
Zitatinhaber, Vorname Nachname
Vera Baumert
Position des Zitatinhabers
Naturschutz-Expertin von Greenpeace Bayern
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Es ist die CSU, die im Bund und in Bayern verhindert, dass die Verursacher der Überdüngung erfasst werden und die Überdüngung abgebaut wird. Deswegen misst Greenpeace in den Wahl- und Stimmkreisen einflussreicher CSU-Politiker die Nitratbelastung in den dortigen Oberflächengewässern. Nach dem Wahlkreis des Bundelandwirtschaftsministers macht die Messtour in Weißenburg in Mittelfranken Station. Den dortigen Wahlkreis vertritt der agrarpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe, Artur Auernhammer, im Bundestag. Danach messen Greenpeace-Aktive in der Heimat von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach – in Behringersdorf bei Nürnberg. Und zuletzt gastiert das Greenpeace-Messmobil im Landkreis Main-Spessart, den der CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann im Bundestag vertritt.

Wie gefährlich ist Nitrat?

Nitrat im Trinkwasser kann die Gesundheit von Säuglingen gefährden. Und es steht in Verdacht, das Darmkrebsrisiko zu erhöhen. Zu hohe Nitratwerte machen eine Wasser-Aufbereitung nötig. Das verteuert unser Trinkwasser. Zudem reagieren auch Ökosysteme sehr sensibel auf die Überdüngung, was das Artensterben befeuert. Nitrat- und Phosphatüberschüsse führen in Seen zur sogenannten Algenblüte. Bei Badenden kann das zu Hautreizungen und Magen-Darm-Beschwerden führen, Hunde können an den freigesetzten Giften sogar sterben. Die Algenblüte lässt Seen „kippen“ und Fische sterben.

Nitrat – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko

Nitrat – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko

Die Studie liefert erste Hinweise auf Gesundheitskosten durch die Nitratbelastung im Trinkwasser und macht mögliche Dimensionen für Deutschland sichtbar.

Anzahl Seiten: 56

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