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Frankreich etablierte sich mit der Revolution von 1789 als eine Willensnation. Franzose ist nach der Verfassung, wer die französische Staatsbürgerschaft besitzt. Um die französische Staatsbürgerschaft zu bekommen, sollten Herkunft oder (Mutter-)Sprache keine Rolle spielen.

Deshalb war es für viele ein Skandal, als Zinédine Zidane, Weltfußballer des Jahres 1998, 2000 und 2003, anlässlich des allerersten offiziellen Freundschaftsspiels zwischen der algerischen und der französischen Nationalmannschaft ein Interview gab: Ich hoffe, es wird ein schönes Ereignis für uns Franzosen und für uns Algerier. Es wurde kein schönes Ereignis: Das Spiel wurde in der 79. Spielminute wegen Zuschauerausschreitungen abgebrochen.

Geografie, Politik, Fußball

  • Fläche: 543.965 Quadratkilometer (672.352 Quadratkilometer mit überseeischen Gebieten)
  • Hauptstadt: Paris
  • Amtssprache: Französisch
  • Staatsform: Präsidialrepublik mit Mehrparteiensystem
  • Frankreich hat sich zum dreizehnten Mal für eine Fußball-WM qualifiziert. Im Entscheidungsspiel gegen Irland war dazu allerdings ein irreguläres Tor notwendig: Henry hatte den Ball gleich zwei Mal mit der Hand gespielt.

Wirtschaft und Politik

Die französische Wirtschaft ist - anders als die deutsche - immer noch weitgehend staatlich kontrolliert. Vor allem die Schlüsselindustrien befinden sich unter staatlicher Kontrolle. Das gilt vor allem für die Atomwirtschaft, die mit 18 Kernkraft-Standorten fast 80 Prozent des französischen Strombedarfs produziert. Deutschland ist nicht nur ein wichtiger Kunde für französischen Atomstrom, sondern nutzt auch die Wiederaufbereitungsanlagen, um das Problem des in den eigenen Atommeilern anfallenden Atommülls in die Zukunft zu verschieben.

Präsident Sarkozy ist zwar stolz auf sein Frankreich, er findet aber, es habe nicht genug Gewicht in der Welt. Ökonomisch und politisch fordert er deshalb eine Renaissance. Den Staatsapparat möchte er verschlanken, die staatlichen Regeln aufweichen und vor allem die Gewerkschaften entmachten durch geschmeidige Arbeitsverträge.

Runter von der Reservebank sollen auch die Rentner, die sich für Sarkozy viel zu früh zur Ruhe setzen.

Unzufriedenheit herrscht in Frankreich: Die Fans halten nichts mehr von ihrem Trainer, der nach der WM abgelöst werden soll. Und der Wähler hält auch nicht mehr viel von Sarkozy.

Natur und Umwelt

Frankreichs höchste Erhebung ist der Montblanc in den französischen Alpen mit 4.808 Metern, der Tiefstpunkt liegt im Delta der Rhone mit zwei Metern unter Normal Null. Alle Formen von Landschaften, vom Hochgebirge über Mittelgebirge, fruchtbare Ebenen, bis hin zu Küstenlandschaften sind in Frankreich anzutreffen. 7,8 Prozent der Landesfläche sind Naturschutzgebiete. Auch heute noch ist Frankreich das Land mit dem größten Anteil an landwirtschaftlich genutzten Flächen (56 Prozent). Innerhalb der EU ist Frankreich der größte Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Überdüngung durch die Landwirtschaft und die Abwässer der großen Städte beeinträchtigen bereits große Teile der französischen Süßwasserreserven.

Ausgerechnet bei der Trinkwasserversorgung verzichtet der französische Staat auf seine Kontrollinstrumente: Zwei große Wasser-Konzerne teilen sich den privaten Wassermarkt im größten Teil Frankreichs und sind auch überall auf der Welt zur Stelle, wo die öffentliche Trinkwasserversorgung in eine private umgewandelt werden soll.

Menschenrechte und Korruption

Die Franzosen fühlen sich auf der einen Seite als Erfinder der Menschenrechte, müssen sich aber inzwischen vorhalten lassen, dass sie nicht nur in ihrer Kolonialgeschichte Folter und Mord angewendet haben, um die Machtverhältnisse zu stabilisieren.

Die französische Rechte hetzt gegen die zweite Generation der maghrebinischen Einwanderer, der sie mangelndes Bemühen um eine echte Integration vorwirft. Die französische Polizei schießt auf sie. So kommt es immer wieder zu gewaltsamen Protesten und Demonstrationen. Als französische Staatsbürger werden sie gleichzeitig als immigrés diskriminiert. Abgeschoben in die tristen Vorstädte, ohne Job, ohne Aussicht auf eine berufliche Zukunft sowie staatlicher Law und Order-Politik ausgesetzt, entlädt sich immer wieder ihr Zorn.

Besonderheiten

Robert Rochefort, Direktor des staatlichen Forschungsinstituts zum Studium der Lebensbedingungen (Crédoc), sagt den Franzosen nicht nur, dass harte Zeiten auf sie zukommen. Er gibt ihnen auch Ratschläge, wie sie die Härten zu ihrem eigenen Vorteil nutzen können. Sie sollen mehr auf die Qualität achten, wenn sie über weniger Geld verfügen. Um zu erklären, was er mit Qualität meint, hat er auch ein Beispiel parat: Um Mietkosten zu sparen, kann man in eine billigere Wohnung umziehen.

(Autor: Harald Mörking)

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