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Amazonas-Reisetagebuch Teil 10

Amazonas-Reisetagebuch Teil 10 - Donnerstag, 20. November. 14 Uhr: Aktion! Wir tauschen das Schild von Madenorte gegen ein Schild von Greenpeace aus. Madenorte ist eine Holzfirma, die sich schon oft hervor getan hat durch illegalen Holzeinschlag. Die Gebiete, die sie einnimmt, markiert sie mit einem Schild: Eigentum von Madenorte. Auf unserem Schild steht auf portugiesisch Reserviert fürs Reservat - grün für immer. Wenn das Land jemandem gehört, dann dem Staat - oder, noch besser, den Menschen, die in ihm leben.

Auf dem Weg zum Aktionsort passiert es: Unser Schnellboot macht eine zu enge Kurve und kippt beinahe um. Im letzten Moment bringen wir es wieder in die Balance. Für Michael, unseren Kameramann, war es richtig knapp. Sein Rucksack mit der Ausrüstung ist nass geworden. Er wollte sie retten und liegt am Boden vom Boot, zwischen den Sitzbalken. Finger geprellt.

17 Uhr: Es ist Badezeit nach einem langen Tag. Alle springen vom Flussschiff ins Wasser - Kinder aus dem Dorf Apeí und wir. Heute Morgen hatten wir ein Treffen der Dorfgemeinschaft. Sie kennen Greenpeace. Seit drei Jahren arbeiten wir mit Dorfgemeinschaften im Amazonas zusammen. Es zahlt sich aus. Hier sind wir gern gesehene Gäste, suchen gemeinsam nach Lösungen. Während die Erwachsenen ihre Sorgen äußern, spielen die Kinder mit Lehm. Merel, Kids-for-Forests-Beauftragte, bastelt mit ihnen Schätze. Die letzten Schatzkammern der Erde sind bedroht - im Wald, aber auch im Meer. Im Februar findet der internationale Artenschutzgipfel in Malaysia statt. Dann gehen alle Schätze, die Kinder auf der ganzen Welt erstellt haben, dorthin.

Plötzlich entdeckt Ted eine Schlange. Er ist einer der Journalisten, die unsere Tour durch den Amazonas dokumentieren. Die Schlange ist wunderschön, klein und rot-weiß geringelt. Wir wollen sie uns aus der Nähe ansehen - die Dorfbewohner jedoch weichen zurück und ziehen uns mit sich. Es ist eine Korallenschlange, hochgiftig. Einer der Männer tritt mit seinen Stiefeln auf sie und wirft sie in eine der schwelenden Feuerstellen. Zu viele Kinder, die barfuss herumlaufen und gebissen werden könnten.

Unsere Ärztin Paula hatte gestern ein gruseliges Erlebnis. Ihr Fuß tat an einer Stelle weh. Zuerst dachte sie, es sei ein Holzsplitter. Sie versuchte ihn mit einer Nadel zu entfernen, doch keine Chance. Als sie daran herumdrückte, kam ein kleiner, schwarzer Käfer heraus.

22.00: Crew Meeting. Während der nächtlichen Fahrt planen wir den nächsten Tag. Die Arctic Sunrise ist inzwischen auf dem Weg nach Santarem, auftanken. Plötzlich leuchtet der Nachthimmel rot. Ein riesiger Waldbrand an Land. Dunkle Umrisse von Palmen und Ufervegetation vor lodernden Flammen, grotesk, wie ein Schattenspiel. Die Luft ist voller Rauch. An Deck wird es still. Wir können nichts tun. Mit dem Wald verbrennen Tausende von Tieren.

Nach brasilianischem Recht darf jeder Grundbesitzer 20 Prozent seines Gebietes abholzen - doch an diese Vorgaben hält sich kaum jemand. Auch hier müsste die IBAMA eigentlich überprüfen, ob eine Erlaubnis vorliegt, den Wald abzubrennen. Doch jetzt ist es eh zu spät. Wird der Boden erst einmal landwirtschaftlich genutzt, hat der Wald keine Chance mehr.

 

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