Der Kalevalski-Urwald in Russland wird Nationalpark

Am 30. November 2006 hat Russlands Regierung die Einrichtung des Kalevalski-Nationalparks in der Republik Karelien beschlossen, nachdem deren Gouverneur der Einrichtung bereits im August 2002 zugestimmt hatte. Der seit 1995 ununterbrochene Einsatz zum Schutz des Urwaldes an der finnischen Grenze wird nun belohnt, seine Existenz gesichert.
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Die Fläche des neu geschaffenen Nationalparks erstreckt sich über 74400 Hektar - nicht sehr groß, wenn man sich die ausgedehnten Landschaften Russlands vor Augen führt. Aber immerhin dreimal größer als der Nationalpark Bayrischer Wald und eines der letzten verbliebenen intakten Urwaldgebiete des europäischen Kontinents.

Darüber hinaus ist der Kalevalski-Nationalpark ein kleines Juwel: 70% Urwaldgebiete, 20% Feuchtgebiete und 10% Wasserfläche sorgen dafür, dass zahlreiche seltene Pflanzen und Tiere hier ihre, teilweise einzigartigen, Lebensräume finden. Außerdem sollen weitere 8000 Hektar Urwald in der Umgebung zu regionalen Schutzzonen erklärt werden.

1996 strich Thomas Henningsen, heute Leiter des Wald- und Meeresbereichs bei Greenpeace, zusammen mit weiteren Aktivisten durch das Gebiet, um die finnischen Papierhersteller Enso, der heute Stora Enso heißt, und UPM Kymmene davon abzuhalten, Rohholz in deren finnische Sägewerke und Zellstofffabriken zu schaffen. Nach der Greenpeace-Kampagne mit Aktionen im Urwald, russisch-sprachigen Bannern und vielen tausend Protestpostkarten an und Protestaktionen bei Enso in Düsseldorf, beendeten die Urwaldzerstörer den Holzeinschlag und unterzeichneten ein Einschlagmoratorium. Gemeinsam mit anderen Umweltschutzgruppen schlug Greenpeace daraufhin die Einrichtung des Nationalparks vor.

Dauerhafter Schutz durch Hartnäckigkeit

Seit damals findet im Kalevalski kein Holzeinschlag mehr statt. Aber wer kann schon wissen, wann sich so etwas wieder ändert? Das Einverständnis der russischen Regierung, das Urwaldgebiet durch den Nationalpark-Status endgültig und umfassend zu schützen, hatte bislang gefehlt. Die Einrichtung des Nationalparks zeigt einmal mehr, wie wichtig es für den Schutz der Wälder, der Meere und ihrer Bewohner ist, dass Greenpeace und alle anderen Umweltschützer einen langen Atem beweisen und ihre Ziele auch über Jahre nicht aus den Augen verlieren. Denn es sind die wirklich dauerhaft geschützten Lebensräume, die - anders als befristete Moratorien, Nutzungsquoten oder Richtlinien - dem Leben abseits menschlicher Zivilisation Raum und Zeit geben, zu regenerieren und sich weiter zu entwickeln.

Ein bedeutsamer Lebensraum im Norden Europas

Das geschützte Gebiet ist für den Erhalt der Artenvielfalt im Norden Europas sehr wichtig: Große Säugetiere wie Braunbären, Wölfe und Luchse oder auch Vögel wie Dreizehenspecht und Uhu sind auf die unberührten Wälder zum Überleben angewiesen. In anderen europäischen Ländern sind deren Lebensräume bereits zerstört.

Dauerhaft geschützte Urwälder regen darüber hinaus die Bildung von Infrastrukturen an, die zukünftig zur nachhaltigen und alternativen Nutzung ökologisch bedeutsamer Regionen immer wichtiger werden - beispielsweise durch sanften Tourismus.

So weit ist es im Kalevalski-Urwald allerdings noch lange nicht: Hier wird es zunächst darum gehen, den Nationalpark gut zu betreuen. So müssen nun überhaupt erst einmal Förster gefunden werden, die sich für das Wohlergehen des Parks einsetzen möchten. Oliver Salge, Greenpeace-Waldkampaigner, denkt schon an den nächsten Schritt: Jetzt muss die finnische Regierung nachziehen und die restlichen Urwälder im Norden Finnlands unter Schutz stellen. Dann wäre wirklich ein großer Wurf für die letzten Urwälder Europas gelungen.

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