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Neuer Greenpeace-Elektronikratgeber

Greenpeace International hat eine neue Ausgabe des Ratgebers Grüne Elektronik veröffentlicht. Ein schlechtes Ergebnis erzielen darin vor allem die Unternehmen HP, Lenovo und Dell. Die drei PC-Hersteller haben ihre Zusage, Polyvinylchlorid (PVC) und bromierte Flammschutzmittel (BFR) bis Ende 2009 aus ihren Produkten zu verbannen, wieder zurückgezogen und dafür einen Strafpunkt kassiert.

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Von den fünf führenden PC-Herstellern halten nur Apple und Acer an ihrer Zusage fest, aus der Verwendung dieser Umweltgifte auszusteigen. Apple wollte bis Ende 2008 sämtliche Produkte von PVC und BFR befreien. Dieses Vorhaben wurde bis auf eine Ausnahme umgesetzt: Der Hersteller ist noch auf der Suche nach zertifizierten PVC-freien Netzkabeln.

Dell produziert derweil einen Desktop-PC, ein Notebook und mehrere Bildschirm-Modelle mit reduziertem Anteil an PVC und BFR. Einige Bildschirm-Modelle von Dell kommen sogar ganz ohne diese Schadstoffe aus. Eine genaue Frist gibt es von Dell noch nicht.

Lenovo hingegen hat zwei PVC- und BFR-freie Modelle im Angebot. Das Unternehmen hat die Frist für den vollständigen Verzicht auf diese Chemikalien auf Ende 2010 verschoben. Nur HP hat noch kein PVC- und BFR-freies Produkt herausgebracht und hinkt somit hinterher. Auch HP hat noch keine neue Frist gesetzt.

Einen Schritt nach vorn macht Philips

Den größten Sprung im Ranking macht Philips, und zwar von Platz 15 auf Platz vier. Der Hersteller hat dem Druck von Greenpeace nachgegeben und seinen Umgang mit Elektronikschrott deutlich verbessert. Er übernimmt jetzt die finanzielle Verantwortung für das Recycling des von ihm produzierten Elektronikschrotts, muss aber erst ein entsprechendes System einführen.

Wenn Unternehmen wie Philips für das Sammeln und das Recycling der von ihnen produzierten Geräte selbst aufkommen, haben sie einen zusätzlichen Anreiz, möglichst schadstofffreie und recyclingfreundliche Produkte zu entwickeln, sagt Iza Kruszewska, Chemie-Kampaignerin bei Greenpeace International. Die Recyclingkosten hängen nämlich unmittelbar davon ab, wie viele schädliche Chemikalien in den Geräten stecken und wie einfach man sie recyceln kann. Die individuelle Herstellerverantwortung ist ein entscheidender Schritt zu mehr Umweltfreundlichkeit in der Elektronikbranche.

Minus bei Chemikalien, Plus in den Energiekriterien

Während alle Hersteller bei der Vermeidung gefährlicher Chemikalien schlechter abschneiden als beim letzten Mal, konnten sie ihre Punktzahl in den Energiekriterien steigern. Samsung folgt dem Beispiel von Philips und bekennt sich öffentlich zum Klimaschutz und zum Ziel, die Treibhausgasemissionen weltweit zu senken.

Dell und Nokia folgen dem Beispiel von HP und Philips und verpflichten sich selbst zu einer deutlichen Senkung klimaschädlicher Emissionen. Mehrere Hersteller setzen nun stärker auf erneuerbare Energien. Nokia deckt bereits ein Viertel seines Strombedarfs mit Energien aus nachhaltigen Quellen.

Im Dezember werden politische Entscheidungsträger aus aller Welt in Kopenhagen zusammenkommen, um ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls und weltweite Maßnahmen gegen den Klimawandel zu vereinbaren. Viele einflussreiche Branchen lobbyieren stark gegen weltweite Vorschriften zur Bekämpfung des Klimawandels. Deshalb sind engagierte Klimaschutz-Vorreiter mehr denn je gefragt.

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