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Interview mit Ailun Yang, Energie-Kampaignerin aus China

Die Welt würde dann ganz anders aussehen

Vom 3. bis zum 5. Juni findet in Hamburg der Globalisierungskongress McPlanet.com statt. Teilnehmen werden weit über 1.000 Personen. Mit dabei auch Ailun Yang. Die Greenpeace-Energieexpertin kommt aus Guangzhou in der Provinz Guangdong in Süd-China.
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Greenpeace-Online: Wie viele Büros mit wie vielen Mitarbeitern gibt es in China?

Ailun: Wir haben drei Büros in China. Das erste war und ist in Hongkong. Es arbeitet seit 1997 und gegenwärtig sind dort über 20 Personen tätig. Seit 2001 gibt es auch in der Hauptstadt Peking ein Büro. Ein drittes wird in Guangzhou der Hauptstadt der südlichen Provinz Guangdong betrieben. Dort arbeiten zusammen 40 Personen. Alle drei Büros sind gemeinsam koordiniert.

Greenpeace-Online: Welches sind die Schwerpunkte der Greenpeace-Arbeit in China?

Ailun: In China arbeiten wir zu vier wichtigen Themen: 1. Klima und Energie, 2. Wälder, 3. Gen-Food und 4. Chemie und Giftstoffe.

Greenpeace-Online: Was hat dich nach Hamburg geführt?

Ailun: Ich werde an dem Globalisierungskongress McPlanet.com teilnehmen. Dort bin ich bei zwei Diskussionsforen dabei. Dem Klima-Panel, wo über Klimapolitik und den Klimawandel gesprochen wird und darüber, wo das alles hinführt. Und dann bin ich auf dem Late-Night-Talk. Dort lautet das Thema: Was wäre, wenn alle Chinesen ... Das ist sehr merkwürdig für mich, weil ich eine Chinesin bin. Ich habe sehr gemischte Gefühle, über so etwas zu reden - vor lauter Nicht-Chinesen.

Ich gehe aber davon aus, dass es nicht eine ausschließliche Diskussion über Chinesen geben wird. Gesprochen wird bestimmt auch über die Menschen aus den Entwicklungsländern und über die Folgen der Globalisation.

Ich kann mir vorstellen, was die Sache für die Zuhörer sehr interessant machen wird, ist der Umstand, dass ich eine lebende Person bin. China ist so etwas wie eine weit entfernte, abstrakte Idee, aber ich bin ein Mensch, den man berühren könnte und der direkt vor ihnen steht.

Greenpeace-Online: Und Du hast den Insider-Blick.

Ailun: Ich weiß nicht, inwieweit ich für andere Chinesen sprechen kann, ich bin hier als Privatperson.

Greenpeace-Online: Was erwartest du von dem Kongress?

Ailun: Persönlich erwarte und wünsche ich mir, dass es für jeden der dabei ist, eine schöne Erfahrung wird, die man genossen hat. Ich hoffe, Interessantes zu hören oder etwas Hilfreiches - das ist für mich schon ein ganze Menge. Ansonsten verknüpfe ich mit dem Kongress keine übertriebenen Erwartungen. Auch wenn ich weiß, dass da über 1000 Menschen teilnehmen.

Für mich wird es das erste Mal sein, dass ich vor so vielen Menschen reden werde. Das habe ich zuvor noch nie getan. Außerdem weiß ich, dass ich mit einer durchaus anderen Sichtweise teilnehme, als viele andere Menschen - weil ich eine Chinesin bin. Ich bin aber überzeugt, dass es Menschen geben wird, die mit mir übereinstimmen.

Ich hoffe, dass das, was ich sagen werde, meine Zuhörer überzeugt. Und ich bin zuversichtlich, dass wir eine gemeinsame Sicht der Dinge erreichen können. Auch wenn wir vor ganz verschiedenen Hintergründen an die Sache herangehen. Es wird sehr interessant, diesen Vorgang bei dem Panel mitzubekommen.

Den Eindruck, den ich vermitteln werde, wird sehr persönlich geprägten sein, so dass die Zuhörer durchaus erkennen werden, das er sich deutlich von ihrem Leben unterscheidet. Aber die Menschen werden sehen, dass wir zu ganz ähnlichen Schlussfolgerungen kommen bei denselben Themen.

Darin sehe ich meinen Beitrag, dass klar wird, das die Menschen in China, den Entwicklungsländern und in Europa viele Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte haben. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass dieses Aha-Erlebnis immer dann am schnellsten eintritt, wenn man eine lebende Person vor sich hat.

Greenpeace-Online: Kannst du in einem Satz ausführen, was wäre, wenn alle Chinesen ...

Ailun: Das ist eine sehr schwere Aufgabe. Was ich sagen kann, ist: Die Welt würde dann ganz anders aussehen.

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