„Life after Corona“ - Kinder-Thementag

Licht und Schatten

„Corona ist 'ne Nervensäge“, aber auch: „Ich habe gemerkt, wie schön es zu Hause sein kann“. Kinder erzählen, wie sie bislang durch die Corona-Krise gekommen sind.

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Wie sind Kinder bislang durch die Corona-Krise gekommen? Welche Zukunftswünsche haben sie – für sich selbst und die Welt? Gestern ließ Greenpeace Kinder und Jugendliche auf den Social Media-Kanälen zu Wort kommen. Der Kinder-Thementag war Teil der „Leben nach Corona“-Regenbogentour.

Kilian hatte sich zum Video-Chat mit Merle (19) verabredet. Der 15-jährige ist Mitglied im Greenteam „Kooperation Anti-Plastik“ aus Norderstedt. Seit drei Jahren engagiert sich die Freundesgruppe für den Schutz der Umwelt, den Fokus hat das Team - der Name verrät es - auf den Kampf gegen das allgegenwärtige Plastik gelegt.

„Hast du einen Wandel in der Corona-Zeit feststellen können, gesellschaftlich, in der Natur oder an dir selbst“, fragt Merle, FÖJler*in bei Greenpeace. Seit März ist sie im Homeoffice, zurück bei ihren Eltern in Bad Segeberg.

„An mir selbst habe ich definitiv gemerkt, dass sich einiges geändert hat“, antwortet Kilian. „Ich bin durch diese ganze Zeit viel ruhiger geworden, einfach, weil ich mehr Zeit für alles hatte. Außerdem habe ich gemerkt, wie schön es auch zu Hause sein kann, was das nähere Umfeld eigentlich zu bieten hat, auch die Natur. Ich habe ganz neue Ecken kennengelernt, die ich sonst nie entdeckt hätte, und ich bin viel mehr draußen gewesen als sonst“. Gesellschaftlich, meint Kilian, hätte er den Eindruck, dass jetzt alle vorsichtiger und rücksichtsvoller miteinander umgehen. „Ich glaube, dass wir als Gesellschaft aufmerksamer geworden sind“.

Licht und Schatten – die vielen Seiten der Corona-Krise

Nicht nur Kilian kann in der Corona-Krise auch Gutes erkennen. Die Einsendungen zum Kinder-Thementag zeigen viele gemeinsame Nenner: Saubere Luft, weniger Flugverkehr, Tiere, die sich ihren Lebensraum zurückerobern, mehr Radfahrer*innen und dass die Menschen wieder rücksichtsvoller miteinander umgehen, sind die positiven Nennungen der Kinder. In zahlreichen Bildern, mit Videos, Songs, Gedichten und Briefen erzählen sie von den vergangenen Wochen. Ein bunter Reigen an Eindrücken, mit viel Licht, aber natürlich auch Schatten.

„Corona ist 'ne Nervensäge“, rappt Gabriel (12). „Denn sie macht mich nur noch träge. Verbote kann ich gar nicht leiden, trotzdem muss ich alles meiden.“ Nicht raus zu können, kein Sport, keine Freizeitaktivitäten mit Freunden, Homeschooling mit den Eltern, nicht zu wissen, wie es weitergeht und die Sorge, dass Familienmitglieder erkranken könnten, gehören zu den Hauptbelastungen der Kinder und Jugendlichen. In Gabriels Refrain klingt das so: „Corona, Corona, es macht mich Game over.“

Corona und das Leben danach

„Viele Menschen sterben!“, schreibt Pauline (11). Auch Jim (15) spricht über die Toten in seinem Gedicht, die an dem Virus gestorben sind; über die leeren Straßen und die Gier der Menschen, die  die Botanik zerstörten und jetzt alles daran setzen, dass es vor allem der Wirtschaft schnell wieder gut geht. Mattis (12) hat eine Playmobil-Installation gebaut. Zu sehen ist ein Covid-19 Patient mit Atemschutzmaske auf der Intensivstation. Er wird von zwei Mediziner*innen in Schutzanzügen betreut.

Augenfällig sind auch die vielen kritischen Töne in den Beiträgen der 5 bis 15-jährigen; auch bei ihren Wünschen für die Zukunft. „Ich wünsche mir, dass der Klimawandel nach Corona wieder genauso präsent ist wie davor, schreibt Mathilda (13) vom Greenteam „Die Seeigel“.

„Ich wünsche mir, dass nach Corona die Menschen alles Mögliche dafür tun, um unsere Welt zu bewahren. Ich wünsche mir, dass wir Kinder mehr gehört werden. Ich wünsche mir, dass die Menschen aus Corona lernen und deshalb verstehen, dass es auch mit weniger geht: weniger Klamotten, weniger shoppen, weniger Flüge….“

Luis (13) aus Ahrensburg ergänzt: „Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Luft so sauber bleibt, dass weiter weniger Autos fahren und vor allem wenig Flugzeuge fliegen. Ich wünsche mir, dass die Menschen die Umwelt schützen.“

Greenpeace hat die Beiträge der Kinder am Sonntag unter #LifeafterCorona und #KidsafterCorona auf Instagram, Twitter, YouTube und auf der Kinder-Internetseite www.Kids.Greenpeace.de gestellt. Und die Einsendungen mit Interviews und Bildern von der  Regenbogen-Tour am 21. Juni in Köln ergänzt.

Autorin: Simone Wiepking

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