Petersberger Klimadialog: Greenpeace-Aktivisten protestieren in Berlin für Kohleausstieg

Eine Frage des Überlebens

Für die Energiewende werben, den Kohleausstieg verschleppen: Die Bundesregierung verstrickt sich in Widersprüche. Das treibt Greenpeace-Aktivisten heute in Berlin auf die Straße.

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Die Welt retten, wenn auch erst einmal nur symbolisch: Greenpeace-Aktivisten haben einem vier Meter großen Abbild der Erdkugel heute eine überlebenswichtige Schwimmweste umgelegt. Die mahnende Installation steht in Berlin vorm Brandenburger Tor. Kaum 100 Meter entfernt treffen sich zur gleichen Zeit auf Einladung vom Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) Vertreter aus 35 Ländern zum Petersberger Klimadialog. Ihnen sagen die Umweltschützer: Die Welt ist in Not – und braucht Hilfe.

Die Bundesregierung stellt das nicht in Frage, Kanzlerin Angela Merkel gab an gleicher Stelle vor einem Jahr zu Protokoll, der Schutz des Klimas sei „eine Frage des Überlebens“. Heute wirbt sie vor den Teilnehmern des Klimadialogs mit der OECD-Studie „Investing in Climate, Investing in Growth“ für den Ausbau Erneuerbarer Energien. Salopp gesprochen: Wer auf klimafreundliche Technologien setzt, hat seine Schäfchen im Trockenen.

Leuchtturmprojekt ohne Strahlkraft

Doch so sehr sich die Bundesregierung nach wie vor damit zu profilieren versucht: Das einstige deutsche Leuchtturmprojekt Energiewende hat in den vergangenen Jahren stark an Strahlkraft verloren. Deutschlands CO2-Ausstoß ist im Jahr 2016 erneut gestiegen und liegt mit 906 Millionen Tonnen nun wieder so hoch wie 2009. Die Bundesregierung droht ihr Versprechen deutlich zu verfehlen, den Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken.

Schuld ist die Kohle. Statt konsequent aus dem schmutzigen Energieträger auszusteigen, verschleppt die Bundesregierung diesen zwingend notwendigen Schritt. Laut Weltklimarat müssen 80 Prozent der Kohlereserven im Boden bleiben, um den Temperaturanstieg unter der kritischen Grenze von zwei Grad zu stabilisieren.

Dabei wird der Strom aus Kohlekraftwerken in Deutschland immer seltener gebraucht. Der Anteil sauberen Stroms aus Erneuerbaren Energien liegt in der Bundesrepublik mittlerweile bei fast einem Drittel, Tendenz steigend. Dennoch stagniert der Kohlestromanteil auf hohem Niveau; der nicht benötigte Strom wird zunehmend ins Ausland verkauft. Das hilft der Bilanz der Konzerne, dem Klima aber schadet es. „Deutschlands Kohleproblem bringt uns um die Erfolge der Energiewende und macht die Klimapolitik der Bundesregierung international unglaubwürdig“, sagt Karsten Smid, Greenpeace-Experte für den Klimawandel.

Das Klima hat sich bereits verändert

So stark die Erneuerbaren Energien wachsen, so schnell muss die Kohle aus dem Energiemix verschwinden. „Sonst bleibt die Energiewende auf halbem Weg stecken“, sagt Smid. Die Verbrennung von Kohle ist hauptverantwortlich für steigende Temperaturen weltweit. Schon jetzt kann man beobachten, dass Stürme stärker und häufiger auftreten: Kleine Inselstaaten wie Fidschi sind dadurch in ihrer Existenz bedroht.

Fidschi hat zwar den Vorsitz der UN-Klimakonferenz, die im November in Bonn stattfindet, doch das Land braucht entschiedene Verbündete – Deutschland sollte so ein Mitstreiter sein. Denn nur wenn die Industrieländer handeln, steigen die Überlebenschancen der Inselstaaten: Auf Fidschi liegt der CO2-Ausstoß pro Kopf bei 1,94 Tonnen, in Deutschland sind es 9,22 Tonnen.

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