Eine Stellungnahme zu strukturellem Rassismus in der Klimabewegung

Ein Vorwurf, der uns trifft

Zu den Meinungsbeiträgen von Tonny Nowshin im Onlinemagazin Klimareporter am 17.06.2020 und der taz am 18.06.2020.

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Klimareporter.de und taz online haben am 17. und 18. Juni Gastbeiträge der Klima-Aktivistin Tonny Nowshin veröffentlicht. Darin wirft sie vor allem Greenpeace und der deutschen Klimabewegung strukturellen Rassismus vor. Konkreter Anlass für Tonny Nowshin ist ein Greenpeace-Tweet anlässlich der Aktion am Kohlekraftwerk Datteln 4 am 20. Mai. Ihr Vorwurf: Greenpeace habe sie als einzige nicht-weiße Teilnehmerin auf den Fotos des Tweets bewusst unsichtbar gemacht – ein aus ihrer Sicht rassistisches Vorgehen. 

Greenpeace Deutschland nimmt diesen Vorwurf sehr ernst. Daher möchten wir an dieser Stelle dokumentieren, was passiert ist, und welche Bedeutung das für unsere zukünftige Arbeit hat.

Am 20. Mai haben wir auf unserem Twitter-Account einen Tweet über eine Aktion gegen die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks Datteln 4 gepostet. An der Aktion haben neben weiteren Frauen die Klimagerechtigkeits-Aktivistin Tonny Nowshin und die Greenpeace-Kampaignerin Lisa Göldner teilgenommen. Für den Tweet wurden vier Fotos ausgewählt. Auf keinem der Fotos ist Tonny Nowshin erkennbar zu sehen. Obwohl es andere Bilder der Aktion auch in unserer eigenen Greenpeace Fotodatenbank gibt, die Tonny Nowshin zeigen und die wir der Presse angeboten haben, wurde unter anderem ein Foto von der Pressekonferenz im Vorfeld der Aktion ausgewählt, auf dem sie und zwei weitere Teilnehmerinnen fehlen. Der Grund, weshalb dieses Foto ausgewählt wurde ist, dass es die beiden bekannten Fridays For Future-Aktivistinnen Carla Reemtsma und Luisa Neubauer und die Greenpeace-Kampaignerin Lisa Göldner zeigt. 

Indem wir uns hier selber in den Fokus gestellt haben, wurde Tonny Nowshin als einzige nicht-weiße Sprecherin und Teilnehmerin der Aktion unsichtbar gemacht. Noch immer ist die Klimabewegung in Deutschland mehrheitlich weiß, aber es gibt Menschen of Color in unseren Reihen. Indem wir für den Tweet Fotos ausgewählt haben, die nur weiße Menschen zeigen, wurden Menschen of Color in der Klimabewegung ausgegrenzt.

Wichtig ist uns an dieser Stelle aber auch: Es wurde von uns kein Foto beschnitten, noch haben wir ein Foto übernommen, das beschnitten wurde. Wir haben weder Tonny Nowshin noch eine andere Person nachträglich aus einem Foto entfernt!

Die Auswahl der Fotos in dem Tweet sehen wir als einen Fehler, für den wir uns schon vor der Veröffentlichung des Beitrages bei Tonny Nowshin entschuldigt haben. Auf den Bildern der Aktion, die an diesem Tag in unserer Fotodatenbank abgelegt wurden und die wir der Presse an dem Tag angeboten haben, ist Tonny Nowshin aber selbstverständlich auch als Teil der demonstrierenden Gruppe zu finden. Als zehn Tage später am gleichen Ort eine Folge-Aktion mit Pressekonferenz stattfand, wurden wiederum mehrere Fotos mit Tonny als Sprecherin in der Datenbank abgelegt

Wir lernen aus unseren Fehlern

Wir sind dankbar, dass Tonny Nowshin uns auf unseren Fehler aufmerksam gemacht hat. Wir sind dankbar, dass sie uns als vornehmlich weiße Menschen damit schonungslos vor Augen führt, dass auch wir nicht frei von unbewussten Rassismen sind. Dass wir uns bei der Auswahl der Fotos nur darüber Gedanken gemacht haben, wer abgebildet ist - aber nicht, wer darauf eben nicht sichtbar ist. Auch das ist Weiß-sein. 

Wir bedauern zutiefst, dass der Tweet für Tonny zu einer Erfahrung von Rassismus in der deutschen Klimabewegung geworden ist. Sie und andere Klimaaktivist*innen of Color auf diese Weise zu diskriminieren war nicht unsere Absicht. Der Vorfall führt uns, als vornehmlich weiße Personen unsere unbewussten Rassismen und Privilegien vor Augen. Und genau damit müssen und wollen wir uns auseinandersetzen. 

Wir können den Vorfall nicht ungeschehen machen. Aber wir versprechen daraus zu lernen. Wir möchten ihn zum Anlass nehmen, uns schonungslos mit unseren unbewussten Rassismen auseinanderzusetzen und unsere Privilegien als vornehmlich weiße Personen zu reflektieren. 

Noch immer ist die Klimabewegung in Deutschland eine vornehmlich weiße Bewegung. Beim Umgang mit Rassismus und auf dem Weg zu einer diversen und inklusiven Bewegung hat die Klimabewegung viel nachzuholen. Das gilt auch für Greenpeace. Wir wollen aus unseren Fehlern lernen. Wir können als Umweltorganisation nur dann erfolgreich sein, wenn wir inklusiver und diverser werden und entschlossen jeder Form von Rassismus und Diskriminierung entgegentreten. Es gibt noch viel zu tun, aber wir sind bereit es anzupacken. 

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