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Waljagd für Hundefutter

Während die japanische Walfangindustrie ihre Fangquoten trotz weltweiter Proteste erhöht, bleibt das Fleisch der getöteten Wale in den Kühlhallen liegen. Tokio sitzt auf einem Berg aus Walfleisch. Um diesen abzubauen, scheint jedes Mittel recht: Walfleisch als Burger, Walfleisch als Delikatesse, Walfleisch als Hundefutter.

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Doch das Bild vom regelmäßig Walfleisch essenden Japaner, ist verzweifelte Propaganda. Nur noch vier Prozent der japanischen Bevölkerung geben an, regelmäßig Walfleisch zu konsumieren. Rund 4.800 Tonnen Walfleisch haben sich angehäuft und lassen sich nicht unter die Bevölkerung bringen.

Der Walfang ist also ein Verlustgeschäft und kann nur noch über finanzielle Zuschüsse am Leben erhalten werden. Zur Legitimierung wurde im letzen Jahr in einigen Gegenden Japans der Verkauf von Wal-Burgern in Schulkantinen eingeführt. Um das unbeliebte Fleisch geschmacklich aufzuwerten, wird der Mittagstisch bezuschusst.

Auch das Walforschungsinstitut, hinter dem sich die Walfanglobby und -industrie versteckt, wird von der japanischen Fischereibehörde jährlich mit etwa einer Milliarde Yen subventioniert. Das sind fast 7,5 Millionen Euro. Mit diesen Geldern werden die Arbeiter der Walfangflotte wie auch die Miete für die Jagdschiffe bezahlt.

Was treibt die japanische Regierung eigentlich zu einem Handeln gegen jede ökonomische Vernunft? Das Vorgehen erinnert eher an das Verhalten eines trotzigen Kindes als an das überlegte Vorgehen eines souveränen Staates. Wir wünschen den Japanern für die Zukunft mehr staatliche Souveränität und erfolgreichere ökonomische Entscheidungen. Dass sie es besser können, haben sie in anderen Industriezweigen ja längst gezeigt.

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