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Sozialverhalten der Pottwale. Juni 1999
Ralf Kiefner / Greenpeace

Wale - bewundert und bedroht

Seit Jahrtausenden geben die Wale den Menschen Rätsel auf. Sie spielen in zahlreichen Mythen, Sagen und Geschichten der ganzen Welt eine besondere Rolle. Ihr Schicksal aber spiegelt den zerstörerischen Umgang der Menschen mit der Natur wider. Allein im letzten Jahrhundert wurden fast zwei Millionen Großwale von Menschen getötet. Viele Walarten wurden an den Rand der Ausrottung gebracht. 

Bis heute sind die Menschen fasziniert von der Intelligenz der Delfine, von der Eleganz und Schnelligkeit, mit der sie sich im Wasser bewegen. Die munteren kleinen Wale werden bewundert und verehrt. Die Großwale wiederum beeindrucken den Menschen schon allein durch ihre gigantischen Ausmaße. Sie sind die größten Tiere dieser Erde.

Trotz der Faszination, die sie auf uns ausüben, ist ihr Leben und Überleben bedroht. Hunderttausende Wale sterben Jahr für Jahr durch Menschenhand - sie werden harpuniert, ersticken in Ringwadennetzen von Thunfischflotten, verfangen sich in Treib-, Schlepp- und Stellnetzen oder gehen an der schleichenden Vergiftung und Verlärmung der Meere zugrunde.

Große und kleine Wale sind Säugetiere, die sich nahezu vollkommen an ihren Lebensraum Wasser angepasst haben. Sie leben in allen Ozeanen und Meeren, auch in der Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer. Es gibt sogar einige Arten, die in großen Flüssen vorkommen. Bisher sind ungefähr 80 Walarten bekannt. Ihre Größe reicht vom rund einen Meter langen Hector-Delfin bis zum über 30 Meter langen Blauwal, dem größten Tier, das jemals auf diesem Planeten gelebt hat. Er wiegt bis zu 170 Tonnen. Das entspricht dem Gewicht von rund 5000 Schulkindern oder 2500 Erwachsenen. Allein seine Zunge ist so schwer wie ein ausgewachsener Elefant.

Vom Huftier zum Schnellschwimmer

Die Ahnen der Wale lebten auf dem Land und waren Huftiere, wahrscheinlich Verwandte der heutigen Flusspferde. Vor etwa 50 Millionen Jahren, als die wasserlebenden Saurier längst ausgestorben waren, eroberten sie die Ozeane als neuen Lebensraum, vermutlich zur Erschließung besserer Nahrungsquellen.

Während eines etwa 20 Millionen Jahre dauernden Anpassungsprozesses bildeten sich ihre Hinterbeine zurück, wandelten sich die Vorderextremitäten in Flossen (Flipper) um und entwickelte sich eine Schwanzflosse (Fluke) für den Schwimmantrieb. Das wärmende Fell wich einer im Wasser viel besser isolierenden Fettschicht, und die Nasenöffnung wanderte von der Vorderseite des Kopfes zur Oberseite.

Was sind Bartenwale?

Heutige Wale werden in zwei Gruppen eingeteilt: Bartenwale und Zahnwale. Alle Großwale, mit Ausnahme des Pottwals, gehören zu den Bartenwalen. Bartenwale haben statt Zähnen lange, vom Oberkiefer herabhängende Hornplatten. Auf der Suche nach Nahrung filtern sie durch dieses Bartensieb Wasser und Sand vom Meeresboden. Eine Untergruppe der Bartenwale bilden die vier Glattwalarten Grönlandwal, Nordkaper, Norpazifischer und Südlicher Glattwal. Sie gleiten sehr langsam mit geöffnetem Maul durchs Wasser und durchkämmen es regelrecht nach kleinsten Planktonkrebsen.

Blauwal, Finn-, Sei-, Bryde-, Buckel- und Minkewal gehören zur Untergruppe der Furchenwale. Sie tragen diesen Namen, da ihr Kehlbereich tiefe Furchen aufweist, mit deren Hilfe sie das Volumen ihrer Mundhöhle um ein Vielfaches vergrößern können. Bei der Nahrungssuche stoßen sie geradezu durchs Wasser und nehmen es dabei tonnenweise in ihrer Mundhöhle auf. Mit Hilfe der Zunge pressen sie es durch ihre Barten wieder aus, in denen dann der Krill - ein nur wenige Zentimeter langer Schwarmkrebs - oder auch kleine Fische und Tintenfische hängenbleiben. Krill ist die Hauptnahrungsquelle vieler Furchenwale. Ein Blauwal frisst täglich bis zu vier Tonnen davon.

Der Grauwal, ebenfalls ein Bartenwal, schaufelt sich riesige Mengen Meeresboden ins Maul und siebt mit seinen relativ harten, kurzen Barten Würmer, Schnecken und Muscheln aus dem Sediment. Viele Bartenwale unternehmen jährlich Wanderungen über Tausende von Kilometern. Im Sommer leben sie in den arktischen und antarktischen Gewässern, um sich dort in den reichen Nahrungsgründen ihre dicke Fettschicht anzufressen.

Zur Paarungszeit ziehen sie dann in die nahrungsärmeren, aber wärmeren subtropischen und tropischen Gebiete. Dort gebären sie auch ihre Jungen. Die neugeborenen Wale müssen in wenigen Monaten mächtig an Gewicht gewinnen. Die sehr fettreiche Milch ihrer Mütter hilft ihnen dabei, sich eine dicke Speckschicht zuzulegen, um noch im ersten Lebensjahr die Wanderung in die kalten Nahrungsgründe zu überstehen. Ein Blauwaljunges nimmt in seinen ersten Lebensmonaten rund 80 Kilogramm täglich zu. Die Elterntiere dagegen nehmen während der Aufzucht oft monatelang keine Nahrung zu sich.

Was sind Zahnwale?

Zur zweiten Gruppe der Wale, den Zahnwalen, gehören die drei Pottwalarten, die Schnabelwale, die sechs kleinen Schweinswal- und zwei Gründelwalarten, die große Gruppe der echten Delfine sowie einige Flussdelfine, von denen der chinesische Yangtse-Delfin wohl ausgestorben ist. Echte Delfine sind Orca, Großer Tümmler und noch über 20 andere Arten. Sie können bis über 200 Zähne haben (Spinner-Delfin). Bei Weibchen von Narwalen und Schnabelwalen sieht man hingegen meist gar keine Zähne. Die Zahnwale ernähren sich fast ausschließlich von Fischen und Tintenfischen. Einige wenige Arten fressen gelegentlich auch Krebse oder sogar Quallen und Seesterne.

Die Zahnwale haben eine fantastische Fähigkeit entwickelt: Ähnlich wie Fledermäuse in der Luft finden sie sich im Wasser mit Hilfe von Echoortung zurecht. Sie senden hochfrequente, für Menschen nicht hörbare Töne aus - sogenannte Klicks - und orientieren sich anhand der zurückgeworfenen Schallwellen. Damit entsteht quasi ein akustisches Bild ihrer Umgebung. Selbst in tiefer Dunkelheit können sie so noch Beute orten.

Die Pottwale, weltbekannt durch Hermann Melvilles Roman Moby Dick, sind von allen Säugetieren die Meister des Tieftauchens: Bis auf 3000 Meter hinab, und über zwei Stunden lang können sie tauchen. Gerade in den großen Tiefen suchen sie ihre Nahrung, hauptsächlich Tintenfische, darunter auch die über zehn Meter langen Riesenkalmare.

Über die 21 bisher entdeckten Arten der Schnabelwale ist nur sehr wenig bekannt. Sie leben - entfernt von der Küste - in kleinen Gruppen oder als Einzeltiere und ernähren sich überwiegend von kleinen Tintenfischen. Die sechs Schweinswalarten zählen zu den kleinsten aller Wale und sind sehr eng mit den echten Delfinen verwandt. Zu ihnen gehört auch die in deutschen Gewässern einzig heimische Walart, der Schweinswal oder Kleine Tümmler.

Die echten Delfine bilden die größte Gruppe der Wale. Der Orca oder Schwertwal ist der Riese unter den Delfinen. Er wird bis zu neun Meter lang und vier Tonnen schwer. In Familienverbänden, die ein Leben lang zusammenbleiben, ziehen Orcas durch kühle, küstennahe Gewässer. Die Rückenflosse der Männchen - auch Finne oder Schwert genannt - kann bis zu zwei Meter hoch werden. Orcas leben von Fischen, Pinguinen, Robben und greifen sogar andere Delfine und große Wale an.

Die Hauptrolle in der bekannten Fernsehserie Flipper spielten Große Tümmler. Diese Delfinart ist in allen Weltmeeren beheimatet, arktische Regionen ausgenommen. Es gibt sie sogar in der Nordsee. Sie sind die am besten erforschten Delfine überhaupt. Ihre stark nach oben gebogenen Mundwinkel lassen sie aussehen, als würden sie ständig lächeln - auch wenn sie traurig, voller Angst oder sogar aggressiv sind.

Große Tümmler leiden in Delfinshows

Durch ihr Lächeln avancierten die Großen Tümmler unfreiwillig zu den berühmtesten Showtieren. Die meisten der rund 1000 Delfine, die weltweit in Delfinarien und Zoos ein eintöniges Dasein fristen, sind Große Tümmler. Aber auch rund 50 Orcas leben in Gefangenschaft. Viele der Delfine sterben bereits beim Fang und Transport oder aber in den ersten Jahren ihrer Gefangenschaft. Die beliebten Shows spiegeln vom Wesen der Tiere kaum etwas wider, denn die Delfine werden zu Handlungen gezwungen, die sie in freier Natur nie ausüben würden. Mit andressierten Kunststücken müssen sie sich ihr Futter erarbeiten. Diese Arbeit ist die einzige Abwechslung, die sich den Tieren bietet, um der krankmachenden Langeweile der Betonbecken zu entfliehen.

Delfinarien, so argumentieren deren Betreiber, böten die meist einzige Möglichkeit, Delfine kennen zu lernen. Menschen würden durch einen Besuch dazu gebracht, sich für den Schutz dieser Meeressäuger einzusetzen. Doch wirklich kennen lernen und schützen lassen sich Delfine nur in ihrem natürlichen intakten Lebensraum. Oft wird auch behauptet, gefangene Delfine könnten kranke Kinder heilen. Doch es gibt keinen Beleg, dass die sogenannte Delfin-Therapie besser wirkt als andere Methoden.

Die Jagd auf die großen Wale

Für die Menschen in den Küstenregionen stellten Wale schon vor Jahrhunderten eine wichtige Beute dar. Ein gestrandeter Pottwal oder ein erlegter Beluga bedeuteten für ein ganzes Dorf Nahrung für viele Wochen. Im 11. Jahrhundert begannen die Basken von Frankreich aus, im Golf von Biscaya große Wale mit kleinen Booten und Handharpunen zu jagen. In den ersten Jahrhunderten des Walfangs, als es noch zahlreiche dieser großen Tiere in allen Meeren gab, konzentrierten sich die Walfänger auf die langsam schwimmenden Nordkaper. Die Jagd war besonders grausam: Erst wurden die Walbabys harpuniert und in flaches Wasser gezogen, um dann die Mütter, die stets bei ihrem verwundeten Nachwuchs blieben, zu erlegen.

Die Nordkaper wurden - und werden bis heute - Right Whales, die richtigen Wale genannt. Sie waren nicht nur leicht erlegbar, sondern trieben auch aufgrund ihres hohen Fettgehaltes nach dem Tod an der Wasseroberfläche. Nachdem die Glattwale, zu denen die Nordkaper und die Grönlandwale gehören, nahezu ausgerottet waren, begann mit Erfindung der Harpunenkanone und Einführung des Dampfschiffes Mitte des 19. Jahrhunderts auch die Jagd auf die schnelleren Furchenwale. Die neue Technik führte zu einem wahren Gemetzel auf den Weltmeeren, allein im vergangenen Jahrhundert wurden über zwei Millionen Großwale getötet.

Früher wurden Wale hauptsächlich wegen ihrer Speckschicht gejagt. Das aus dem Speck herausgekochte Öl wurde für Lampenöl, Seife und Margarine verwendet. Die Walfänger konzentrierten sich solange auf die größte Walart, bis von dieser kaum noch Tiere vorhanden waren, dann wechselten sie zur nächst kleineren Art. So sind heute von 250.000 Blauwalen, die einst in den südlichen Meeren lebten, wahrscheinlich nicht mehr als 1000 bis 2000 übrig. Nach den Blauwalen kamen die Finnwale an die Reihe. Von ihnen soll es einmal eine halbe Million in den südlichen Ozeanen gegeben haben, heute sind sie bis auf wenige Zehntausend reduziert. Nach den Finnwalen ging man über zu den Seiwalen, danach zu den Minkewalen.

So sind fast alle großen Walarten nahezu ausgerottet worden. Selbst die Antarktischen Minkewale, die erst seit den siebziger Jahren systematisch bejagt werden, haben einen schweren Einbruch des Bestandes erlitten. Die Nördlichen Minkewale vor der Küste Europas waren schon 1985 durch die starke Bejagung - vor allem norwegischer Walfänger - auf etwa die Hälfte des Ursprungsbestandes zurückgegangen.

Was bringt die Internationale Walfangkommission?

Bereits in den dreißiger Jahren wurde auch den Walfängern klar, dass sie die Wale nicht weiter hemmungslos in beliebigen Mengen erlegen konnten. Um die "angemessene und wirksame Erhaltung und Nutzung der Walbestände zu gewährleisten", gründeten die 14 Walfangnationen 1948 die Internationale Walfangkommission (IWC). Die Nutzung der Walbestände betrieben sie gründlich, die Erhaltung aber blieb auf der Strecke. In den ersten Jahrzehnten nach Gründung der IWC starben allein nach offiziellen Angaben der Walfänger mehr als 1,7 Millionen Großwale - soviel wie nie zuvor.

1972 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution, welche die IWC aufforderte, ein zehnjähriges Walfangverbot zu erlassen. Die IWC lehnte ab. Es wurden stattdessen einige Walarten unter Schutz gestellt und für andere Fangbegrenzungen beschlossen. Zudem erließ man ein neues, angeblich verbessertes Bewirtschaftungssystem. Es zeigte sich jedoch sehr bald, dass dies neue System die Ausrottung der Wale nur weiter vorantrieb. Als schließlich die Weltöffentlichkeit auf das Desaster aufmerksam und der Ruf nach einem Ende des Walfangs immer lauter wurde, beschloss die IWC 1982 endlich ein vorläufiges Verbot des kommerziellen Walfangs, ein weltweites Moratorium. Es trat 1986 in Kraft. Seither arbeitet die IWC an einem wiederum neuen Bewirtschaftungssystem für Wale. Das Walfangverbot kann aufgehoben werden, sobald dieses Bewirtschaftungssystem verabschiedet wird.

1994 gelang den Umweltverbänden ein großer Erfolg zum Schutz der Wale: Die IWC beschloss ein Walschutzgebiet im Südpolarmeer, rings um die Antarktis. Dieses Meeresgebiet stellt die Nahrungsgründe für nahezu 90 Prozent aller noch auf der Welt lebenden Großwale dar. Selbst wenn das Walfang-Moratorium aufgehoben wird, sind dadurch die meisten Wale vor der Jagd rechtlich geschützt.

Der "Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken"

Schon mit Inkrafttreten des Walfangmoratoriums 1986 trat Ernüchterung ein: Japan, Norwegen und die UdSSR missachteten das Verbot und fingen weiter Wale. Island und Korea setzten ebenfalls ihren Walfang fort - unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Zu diesem Trick griff dann auch Japan. Die IWC setzte nun erstmals Kriterien fest, die Minimalanforderungen an so genannte wissenschaftliche Walfangprogramme stellten. Keines der Länder, die wissenschaftlichen Walfang betreiben, konnte diese Kriterien erfüllen. Dennoch setzte Japan seinen Walfang im Südpolarmeer fort, selbst nachdem die IWC dieses zum Walschutzgebiet erklärt hatte.

Zugleich begann Japan 1994 auch im Nordpazifik wissenschaftlichen Walfang. Ziel waren zunächst Minkewale, ab 2000 auch Pott- und Brydewale, und seit 2002 zusätzlich Seiwale. Das Artenspektrum wurde auch im Südpolarmeer 2005 auf Finnwale und nun sogar Buckelwale erweitert. Seit Inkrafttreten des Moratoriums fielen dem Walfang Japans rund 14.000 Großwale zum Opfer. Auch Island begann nach langer Pause 2003 wieder wissenschaftlichen Walfang. Zum Ziel wurden hier Minkewale im Nordatlantik. Seit 2009 werden in Island auch wieder Finnwale geschossen.

Japan, Norwegen und Island fordern schon seit Jahren die Aufhebung des Fangverbots und drängen auf Wiederzulassung des kommerziellen Walfangs. Heutzutage gilt das Interesse an den Walen nicht mehr ihrer Speckschicht, sondern dem Fleisch.

Walfangmoratorium missachtet

Norwegen und 2006/07 auch Island gehen trotz Verbots durch die IWC ganz offen auf kommerzielle Waljagd und berufen sich auf eine Einspruchsklausel, mit der sich IWC-Regelungen aushebeln lassen. Norwegen begann 1993 wieder mit der kommerziellen Jagd auf Minkewale im Nordostatlantik und in der Nordsee. Aber gerade dieser Bestand wurde von der IWC 1985 als schützenswert eingestuft, da er unter 54 Prozent der Ursprungsgröße lag. Verantwortlich dafür ist Norwegen: Allein in den letzten 60 Jahren haben norwegische Walfänger über 100.000 Minkewale im Nordostatlantik getötet.

Norwegens Regierung verteidigte den Walfang mit einer gesicherten wissenschaftlichen Grundlage. 1995 stellte sich heraus, dass die verwendeten Bestandszahlen falsch berechnet waren und korrigiert werden mussten. Dennoch setzte Norwegen - gegen die Proteste der IWC - seinen Walfang fort und schraubte seine jährlichen Fangquoten bis auf derzeit 1.286 Tiere hoch.

Doch auch das ist nur ein Schritt zu einer noch höheren Quote. Verschiedene norwegische Politiker haben öffentlich erklärt, dass sie eine Quote von ca. 2.000 Tieren jährlich anstreben. Das ist die Quote, die zur Halbierung des Bestandes führte.

  • Ein Schwertwal vor der Küste. Juni 1993

    Ein Schwertwal vor der Küste

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  • Buckelwal nahe der Pazifikinsel Tonga

    Buckelwal

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  • Japanischer Walfang im Südpolarmeer. Dezember 2001

    Waljagd im Südpolarmeer

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  • Japanische Walfänger zerlegen Zwergwal, Dezember 1999

    Walfänger zerlegen Minkewal

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Das Massensterben der kleinen Wale

Die Situation der Kleinwale ist noch dramatischer. Der kommerzielle Delfinfang, der - oftmals unbemerkt - in vielen Ländern der Welt betrieben wird, hat inzwischen ein nahezu unglaubliches Ausmaß erreicht. Weltweit werden jedes Jahr mehrere zehntausend kleine Wale getötet.

Die Gründe für das oft grausame Abschlachten der Delfine sind vielfältig: Heute sind nahezu alle Großwalarten so dezimiert, daß sich die Jagd auf sie nicht mehr lohnt. Zudem sind sie inzwischen durch das Walfang-Moratorium der IWC unter Schutz gestellt. Für die kleinen Wale gilt das Moratorium jedoch nicht.

Wenn keine großen Wale mehr gefangen werden dürfen, so etwa das Motto der japanischen Walfänger, fangen wir eben mehr kleine. Die Zahlen sprechen für sich: Jedes Jahr tötet Japan unter dem Deckmantel der Tradition mehr als 15.000 Delfine und Schweinswale. 

Fischerei oft rücksichtslos auf Masse bedacht

Zu einem der größten Probleme für alle Meeressäuger hat sich die gnadenlose Überfischung der Weltmeere entwickelt. Immer mehr und immer größere Schiffe beuten die Meere mit zerstörerischen Fangmethoden aus. Wale und Robben leiden gleich mehrfach unter diesem Raubbau. Sie verlieren ihre Nahrungsgrundlage, werden selbst gejagt oder sterben als Beifang. Was früher Nahrungsquelle für die Meeressäuger war, landet heute als Fischstäbchen im Kühlregal oder als Fischmehl im Schweinetrog. Die Bestände von Stellerschen Seelöwen beispielsweise gehen drastisch zurück, seitdem riesige Fabrikschiffe im Nordpazifik jedes Jahr rund vier Millionen Tonnen Alaska-Seelachs fischen. Dieser wandert unter anderem auch in deutsche Fischstäbchen.

In Kanada, Norwegen und Namibia suchen Fischindustrie und Regierungen Sündenböcke für die schwindenden Fischbestände. Statt die Fangmengen zu reduzieren, wollen sie sich lästiger Konkurrenten entledigen. Weil Robben und Wale Fisch fressen, werden sie getötet - damit mehr Fisch für Menschen bleibt.

Leben im Giftcocktail

Die Verschmutzung der Flüsse und Meere ist ein großes Problem aller großen und kleinen Wale. Eingeleitete Gifte - etwa Pestizide und Schwermetalle -, versenkter Atommüll sowie die Verschmutzung durch Öl können dramatische Folgen besonders für die Wale haben, denn sie stehen am Ende der Nahrungskette und reichern Gifte in ihrem Körper an.

Massensterben wie das der Großen Tümmler 1988 an der Ostküste der USA sowie 1990 und 1992 im Golf von Mexiko sind keine Einzelfälle. Weitere Beispiele: 1991 und 1992 sterben Tausende von Streifen-Delfinen im Mittelmeer, 1994 war der gemeine Delfin im Schwarzen Meer betroffen.

Ende 1995 sterben im Mittelmeer auch Finnwale an einem Virus. Vermutlich schwächen industrielle Giftstoffe das Immunsystem der Tiere - beispielsweise polychlorierte Biphenyle (PCBs, Flammschutzmittel in Transformatoren und Kondensatoren), polybromierte Biphenyle (PBBs, Flammschutzmittel einer neuen Generation) und Pestizide wie DDT. Auch Tributylzinn (TBT, verwendet in Antifouling-Schiffsanstrichen) ist äußerst gefährlich für die Meereslebewesen.

Seit einigen Jahren macht die Wissenschaft verstärkt auf diese neue Gefahrenquelle für die Meere und seine Bewohner aufmerksam: Zahllose Giftstoffe gelangen über Flüsse, durch Niederschläge und Lufteintrag in die Ozeane und reichern sich dort an. Umweltgifte wie Phthalate (etwa als Weichmacher im PVC), Alkyphenole, PCB und Dioxine greifen schon in geringen Konzentrationen in das Hormonsystem von Tieren ein und können zum Beispiel Unfruchtbarkeit hervorrufen. Die Weißwale oder Belugas des St. Lorenz-Stroms im östlichen Grenzgebiet zwischen Kanada und den USA sind dadurch inzwischen vom Aussterben bedroht.

Auch die Flussdelfinarten sind von der Verschmutzung ihres Lebensraumes stark bedroht. Der chinesische Baiji oder Yangtse-Delfin wurde Ende 2006 bereits für ausgestorben erklärt.

In die Flüsse des Amazonasbeckens - der Heimat des Amazonas-Delfins - haben illegale Goldschürfer alljährlich bis zu 2000 Tonnen Quecksilber gewaschen.

Quecksilber aus Walen und Delfinen bedroht auch die Gesundheit von Menschen, die das Fleisch solcher Tiere essen. Auf den Färöer-Inseln leiden Kinder an Nervenschäden, wenn ihre Mütter in der Schwangerschaft Walfleisch verzehrten. In Japan gibt es Protest gegen den Verkauf von verseuchtem Delfinfleisch. Wenn Menschen nicht schonend und respektvoll mit der Natur und ihren Bewohnern umgeht, holen die Folgen sie unweigerlich ein.

Internationale Abkommen - sowohl für kleine wie große Wale - müssen an den Wurzeln ansetzen: Ein auf Vorsorge basierendes Fischereimanagement und drastische Maßnahmen gegen die Zerstörung und Verschmutzung des Lebensraumes Wasser - auf dessen Qualität letztlich alles Leben beruht - sind unabdingbare Voraussetzungen für einen wirkungsvollen Schutz der Meeressäuger.

Greenpeace-Aktionen zum Schutz der Wale

1975 manövrierten Greenpeace-Aktive zum ersten Mal ihre Schlauchboote zwischen fliehende Wale und die Harpunen der Walfänger. Seither versuchten Aktive immer wieder, Wale durch Aktionen vor dem Harpunentod zu bewahren. Dies geschieht auch durch Mitarbeit in nationalen und internationalen Gremien.

Seit 1977 erhält Greenpeace offiziellen Beobachterstatus in der Internationalen Walfangkommission (IWC). Seit Anfang der 80er Jahre kämpft Greenpeace gegen die Treibnetzfischerei. Es gelang schließlich, 1992 ein Verbot dieser Fischerei durch die Vereinten Nationen durchzusetzen.

1988 und 1989 rief Greenpeace zum Boykott isländischer Fischereiprodukte auf, um den Inselstaat zur Einstellung des illegalen Walfangs zu bewegen. Der Boykott hatte Erfolg. Island stellte den Walfang für viele Jahre ein.

Im Januar 1989 traf das Greenpeace-Schiff Gondwana in der Antarktis auf die japanische Walfangflotte. Tagelang behinderten Greenpeace-Schlauchboote den illegalen Walfang - mit Erfolg: 51 Minkewale wurden vor den Harpunen gerettet.

Sommer 1990: Die verheerende Ringwadenfischerei im tropischen Ostpazifik wurde - in Zusammenarbeit mit anderen Umweltschutzverbänden - aufgedeckt und öffentlich gemacht. Damit wurde der Tod vieler hunderttausend Delfine verhindert. Anfang Dezember 1990 versuchten acht Aktive der Gondwana-Crew, das japanische Walfangfabrikschiff Nisshin Maru No.3 auf seinem Weg in die Antarktis zu stoppen. Immer wieder sprangen sie vor den Bug des 23.000-Tonnen-Schiffes. Nach einer Verfolgungsfahrt von über tausend Seemeilen konnte das Töten der Wale tagelang erfolgreich verhindert werden. In dieser Zeit fiel kein Wal den Harpunen zum Opfer.

1993 besetzten Greenpeace-Aktive auf den Lofoten drei Walfangschiffe und hinderten sie am Auslaufen. Im Juli 1994 war Greenpeace gleich mit zwei Schiffen, der Solo und der Sirius, gegen norwegische Walfänger im Einsatz. Obwohl die norwegische Marine drei Kriegsschiffe aussendete, gelang es Aktiven in Schlauchbooten, die Walfänger über drei Wochen lang am Walfang zu hindern - bis beide Greenpeace-Schiffe beschlagnahmt und die Crew verhaftet wurden.

Anfang 1995 behinderten Schlauchboote und die Hubschrauberpilotin der MV Greenpeace japanische Walfänger, die in antarktischen Gewässern jagten. Die Weltöffentlichkeit wurde aufmerksam gemacht, dass Japan trotz des Walschutzgebietes weiter Wale tötet. Im April 1995 deckte Greenpeace auf, dass die von Norwegen seit Jahren verwendeten Bestandszahlen viel zu hoch sind. Die norwegische Regierung bestätigte den Fehler und reduzierte die Abschussquote um 69 Tiere. Im Juni 1995 blockierten Aktive das Schiff des Sprechers der norwegischen Walfänger, Steinar Bastesen. Er hatte gefordert, die Abschussquote von 232 Minkewale auf 1.800 Tiere zu erhöhen und auch Finnwale und Orcas schießen zu dürfen.

Juni 1996: 40 Aktive behindern nahe der südnorwegischen Hafenstadt Kristiansand das Auslaufen von vier Walfangschiffen. Die norwegische Regierung hatte die Abschussquote 1996 auf 425 Wale erhöht, fast doppelt so viele wie 1995. Getötet wurden schließlich 382 Wale, obwohl sich Walfleisch in Norwegen immer schlechter verkaufen lässt und sich in Kühlhäusern stapelt.

Im Dezember 1998 protestierten Aktive gegen die japanische Walfangflotte im Hafen von Noumea, Neukaledonien. Den Hafen hatte die Flotte angelaufen, nachdem an Bord des Fabrikschiffes Nisshin Maru ein Brand ausgebrochen war.

1999 überfährt die norwegische Küstenwache ein Schlauchboot von Greenpeace und verletzt den Aktivisten Mark Hardingham schwer. Ein Walfänger des norwegischen Fangboots Kato schießt mit dem Gewehr auf ein Greenpeace-Schlauchboot.

1999 und 2001 trifft das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise auf die japanische Walfangflotte.

2003 präsentiert Greenpeace auf der IWC-Tagung in Berlin tote Schweinswale. Die IWC beschließt, sich um alle Probleme aller großen und kleinen Walarten kümmern zu wollen.

2005/06 behindert Greenpeace mit der Esperanza und der Arctic Sunrise den Walfang Japans in der Antarktis. In dieser Saison erweitert Japan das Artenspektrum seiner Jagd auf Finnwale. Greenpeace demonstriert mit einem tot aus der Ostsee geborgenen Finnwal vor der japanischen Botschaft in Berlin.

Im Februar 2007 bietet Greenpeace mit der Esperanza vor Ort Schlepphilfe an, als das japanische Fabrikschiff Nisshin Maru nach einem Brand manövrierunfähig im Eismeer treibt. Die Hilfe wird von Japan aus abgelehnt. Da die Nisshin Maru keinen Eisschutz hat, hätte sie leckgeschlagen werden können. Öl und giftige Chemikalien hätten die empfindliche Umwelt der Antarktis verseucht. Die Havarie des Schiffes bedeutet das vorzeitige Ende der Walfangsaison.

Im Februar 2008 verfolgt die Esperanza das Walfang-Fabrikschiff zwei Wochen lang. Während dieser Zeit wird kein einziger Wal geschossen.

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