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Steht Internationale Walfangkommission vor feindlicher Übernahme?

Die japanische Regierung hat am Donnerstag bei der Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im südkoreanischen Ulsan eine Verdoppelung des Walfangs in antarktischen Gewässern angekündigt. Im kommenden Dezember sollen annähernd tausend Wale getötet werden, darunter die bedrohten Finnwale. Und das, obwohl die zentralen Anträge der Japaner von der IWC abgelehnt wurden.

Außerdem hat Japan angedroht, sich bei der Tagung im kommenden Jahr eine Stimmenmehrheit zu sichern. Einige Mitgliedsstaaten hatten an dem Treffen nicht teilgenommen. Nach der Abstimmung über eine Wiederaufnahme des Walfangs tat ein Mitglied der japanischen Delegation kund, dass Japan sich Unterstützung einholen will: Im nächsten Jahr werden sie teilnehmen - der Wendepunkt, die Umkehr der Geschichte wird bald kommen.

Eine Wiederaufnahme des Walfangs spiegelt nicht eine veränderte Meinung der Welt zum Walfang, sagte John Frizell, Meeres-Experte bei Greenpeace International. Es zeigt vielmehr, dass sich die Mitgliedschaften bei der IWC durch die Anwerbung Verbündeter durch Japan geändert haben. Eine feindliche Übernahme der IWC steht bevor, und es ist dringend geboten, etwas dagegen zu unternehmen.

Greenpeace erkennt die Bemühungen der gegen Walfang eingestellten Staaten an, fordert sie aber auf, jenseits der politischen Diskussion konkrete Schritte für die Wale zu unternehmen: Die Regierungen müssen verstehen, dass der Schutz der Wale eine Vollzeitbeschäftigung ist, nicht nur ein Fall von Rhetorik während der IWC, so Frizell.

Die Bedrohungen, denen die Wale weltweit ausgesetzt sind, müssen behandelt werden, fordert Frizell. Derzeit kratzt dieses Forum nicht einmal an der Oberfläche der Probleme. Jeden Tag sterben tausend Wale in Fischernetzen, und weitere sind von chemischen Vergiftungen und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen.

Die japanische Delegation hat gestern ein klares Signal empfangen, nachdem ihr Antrag auf wissenschaftlichen Walfang von der Kommission abgelehnt wurde, berichtet Frizell weiter. Die Japaner wurden deutlich aufgefordert, ihr Programm auszusetzen, das die Tötung der hoch gefährdeten Finn- und Buckelwale beinhaltet. Doch sie ignorieren die Entscheidung der Kommission und fahren mit ihrem Programm fort.

Island, das ebenfalls wissenschaftlichen Walfang betreibt, wird voraussichtlich nach dem Ende der IWC ebenfalls seine Fangquote bekannt geben. Greenpeace ist mit dem Schiff Arctic Sunrise derzeit in Island unterwegs, um auf Alternativen zum Walfang aufmerksam zu machen - zum Beispiel Walebeobachtung.

Die IWC muss unabhängig arbeiten und darf sich nicht einem Land beugen, das dieses Forum zu seinen eigenen Zwecken manipulieren will. Die Wale der Welt verdienen mehr Respekt.

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