Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Nach 20 Jahren erster Sieg für Japan

Seit Jahren hat Japan versucht, die Internationale Walfangkommission (IWC) zu dominieren, um das Walfangmoratorium zu kippen und Wale weltweit zu kommerziellen Zwecken töten zu dürfen. Die Gegner des Walfangs konnten das bislang verhindern. Doch in diesem Jahr setzten sich die Japaner erstmals gegen die Anti-Walfangnationen durch.

  • /

Seit Jahren kauft Japan die Stimmen armer afrikanischer, karibischer und pazifischer Länder, damit diese in die IWC eintreten und anschließend ihre Stimme für den Walfang abgeben. Die Abstimmungsergebnisse in der IWC wurden deshalb von Jahr zu Jahr knapper. Jetzt ist es der japanischen Delegation im Karibikstaat St. Kitts und Nevis gelungen, das Lager der Walschützer zu überstimmen.

Das ist ein rabenschwarzer Tag für die Wale und für den Meeresschutz, sagt Greenpeace-Walexpertin Stefanie Werner. Und ein Weckruf an alle Nationen, die sich für den Schutz der Wale engagieren. Vor 20 Jahren wurden die Wale nach dem maßlosen Schlachten des letzten Jahrhunderts endlich unter Schutz gestellt. Da war es für viele Arten schon fast zu spät.

Nun werden wir Zeuge, wie das Flaggschiff internationaler Umweltbemühungen, der Walschutz, durch Bestechung und Korruption zu kentern droht, warnt Werner. Der Vorwurf, dass Wale den Küstenbewohnern den Fisch wegfressen, ist vollkommen unbegründet. Das größte Raubtier in den Ozeanen ist der Mensch.

Dass einige Tausend Wale für den Schwund der Fischbestände in den Weltmeeren verantwortlich sind, wie in der Resolution festgehalten, glauben wohl selbst die Japaner und ihre gekauften Parteigänger nicht. Doch konnten sie die Wale mit 33 zu 32 Stimmen als Fischvernichter diskreditieren. Genauso verlogen ist die Behauptung, dass der kommerzielle Walfang die Armut in küstennahen Regionen bekämpfe, da die Walbestände klein gehalten würden.

Vorausgegangen war eine Reihe von Abstimmungen, in denen Japan versucht hatte, sein Ziel, die IWC zu kontrollieren, durch die Hintertür zu erreichen. So scheiterte der Versuch, geheime Abstimmungen einzuführen. Dann aber folgte der Angriff der Walfänger: Die Deklaration von St. Kitts, in der Japan alle seine eingekauften Länder in Stellung gebracht hatte. Japan brachte eine Stimme mehr mit zur Abstimmung, als die anderen. Es war die Stimme Dänemarks wegen der Walfängerinteressen Grönlands.

Das seit 20 Jahren bestehende Walfangmoratorium selbst ist nicht unmittelbar gefährdet, da es nur mit einer Zweidrittelmehrheit abgeschafft werden kann. Doch die Walfanggegner sind sich sicher, dass Japan Schritt für Schritt versuchen wird, die Inhalte der IWC zu bestimmen und den kommerziellen Walfang wieder einzuführen.

(Autorin: Beate Steffens)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Das Wegwerfprinzip

„Bioplastik“, „Chemisches Recycling“ – so was klingt erst mal gut, ist es aber nicht. Der Report „Das Wegwerfprinzip“ beschreibt, mit welchen Tricks multinationale Konzerne die Öffentlichkeit täuschen.

Mehr zum Thema

Übles Mehr in Meeresfrüchten

Plastik ist überall. Erst im Supermarktregal, dann im Meer – und wieder auf dem Teller: Eine Greenpeace-Untersuchung belegt Mikroplastik-Funde in vielen Fischeinkäufen.

Tiefseeparadies im Atlantik

Die Tristan Languste galt als ausgerottet am Tiefseeberg Vema. Eine Greenpeace-Expedition konnte jetzt ihre Rückkehr dokumentieren – dank  eines 2007 verhängten Fischereiverbots.

Dreckiges Ölgeschäft

Shell will alte Plattformen mit 11.000 Tonnen Öl in der Nordsee verrotten lassen. Dagegen protestieren seit heute Morgen Greenpeace-Aktivisten und kletterten auf zwei Plattformen.