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Japaner erreichen wahrscheinlich nicht ihr Fangziel

Das japanische Fischereiministerium, verantwortlich für den Walfang in der Antarktis, hat am Donnerstag erstmals bestätigt, dass die Greenpeace-Aktionen ihre Jagd beeinträchtigen. Sie brächten zwar das Programm nicht zum Erliegen, aber es sei fraglich, ob die vorgesehene Anzahl Wale gefangen werden könne, hieß es aus Tokio. Für unsere Aktivisten in der Antarktis, die dort sei Mitte Dezember die illegale Jagd der Japaner behindern, ist das ein großes Lob.

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Auch am Donnerstag behinderten Sie die Übergabe von gefangenen Walen an das Fabrikschiff Nisshin Maru. Am Tag zuvor waren über viele Stunden keine Wale zum Mutterschiff der Flotte gebracht worden, vielleicht auch ein Erfolg der Anwesenheit der Greenpeace-Aktivisten. Trotzdem wurden sie wieder Zeugen brutaler Jagdszenen, die sie erneut im anhängenden Video dokumentierten. Ein Wort der Warnung: Der Film ist nichts für schwache Nerven und sensible Mägen!

Lügen

Die Japaner, die international wegen der Brutalität der von Greenpeace veröffentlichten Bilder zunehmend unter Druck geraten, versuchen inzwischen, Greenpeace für das Leiden der Wale verantwortlich zu machen. Die Anwesenheit von Greenpeace sei Schuld daran, dass das Sterben der Tiere sich bisweilen 30 Minuten und länger hinziehe.

Das japanische Institut für Walforschung (ICR) erzählt inzwischen eine Lüge nach der anderen, um ihre Wilderei im antarktischen Walschutzgebiet zu rechtfertigen, sagt Shane Rattenbury, Walexperte an Bord des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise. Es ist falsch, dass der Fang ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken dient und ebenso wenig wird er - wie behauptet - von der Internationalen Walfangkommission unterstützt. Die Behauptung, Greenpeace ramme ihre Schiffe ist genau so gelogen wie die Darstellung, dass Greenpeace jetzt Schuld am Leiden der Wale sei. Das Leiden der Wale lässt sich leicht beenden: Indem die Japaner aufhören, Harpunen mit Sprengköpfen in ihre Körper zu feuern.

Sobald ein Wal durch eine Harpune getroffen wird, drehen die Greenpeace-Schlauchboote ab, um sein Leiden nicht unnötig zu verlängern. Sie behindern anschließend jedoch die Übergabe des Kadavers an das Fabrikschiff, wo der Wal gewogen und gemessen und anschließend filetiert und marktgerecht verpackt wird.

Das ICR beschuldigt Greenpeace auch der Behinderung ihrer nicht-tödlichen Forschungsaktivitäten. Rattenbury: Ehrlich, wenn ein Schiff voll mit Explosivharpunen auf einen Wal zuhält, sind wir im Zweifel lieber im Wasser und versuchen ihn mit unseren Schlauchbooten zu beschützen, auch wenn es natürlich sein kann, dass die Japaner zur Abwechslung mal einen Biopsie-Pfeil verschießen anstelle einer Harpune. Wir stellen aber gerne unsere Schiffe und Schlauchboote in den Dienst der Forschung, wenn Japan dafür verspricht, keine weiteren Wale zu töten.

Zusammenstoß vom Sonntag absichtlich herbeigeführt

Ein australischer Schifffahrtsexperte hat unterdessen bestätigt, dass die Kollision zwischen der Nisshin Maru und dem Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise absichtlich vom Kapitän des japanischen Fabrikschiffes herbeigeführt worden ist. Durch die Wendung der Nisshin Maru zu genau dem Zeitpunkt, hat er eine Situation geschaffen, die zu der Kollision führen musste, sagt Dr. Eric Wilson von der Monash Universität, Melbourne. Der Skipper hat künstlich ein Hindernis geschaffen, in das Greenpeace hineinfahren musste.

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