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IWC muss Walschutzorganisation werden!

Einmal im Jahr treffen sich die gegenwärtig 75 Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC), um über alle Belange rund um den Walfang zu reden. Dieses Jahr findet die 59. Jahrestagung in Anchorage/Alaska statt. Greenpeace darf seit langem an den Tagungen als Beobachter teilnehmen. Der Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack wird vom kommenden Montag an in Anchorage dabei sein. Mit ihm haben wir über die Situation, seine Erwartungen und unsere Forderungen an die IWC gesprochen.

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Greenpeace Online: Was wird deine Aufgabe sein bei dem Jahrestreffen in Anchorage?

Thilo Maack: Ich fahre als Greenpeace-Beobachter dorthin. Im Vorfeld habe ich schon sehr viel mit der deutschen Delegation zu tun gehabt. So war ich beteiligt an dem Entschließungsantrag, der bereits durch den deutschen Bundestag gegangen ist. Durch diesen Entschließungsantrag wird der Walschutzgedanke noch fester verankert. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Außerdem erhält die Bundesregierung dadurch ein ganz klares Mandat, sich in Anchorage für den Walschutz stark zu machen. Ich werde also sehr genau schauen, wie sich da die deutsche Delegation unter Führung des beauftragten Staatssekretärs, Gert Lindemann, vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verhält.

Greenpeace Online: Was erwartest du von der 59. Tagung?

Thilo Maack: Wir hoffen, dass zum Beispiel eine starke Resolution gegen den wissenschaftlichen Walfang zustande kommt. Die Japaner sagen, sie betreiben Waljagd zu wissenschaftlichen Zwecken, aber das hat mit Wissenschaft herzlich wenig zu tun, sondern das ist im Grunde kommerzielle Waljagd.

Wenn man sich zum Beispiel das Fabrikverarbeitungsschiff der Japaner anguckt, da ist unten eine ganze Verarbeitungsstraße drin, um die geschossenen Wale in Dosen und Pappkartons zu verpacken. Und die einzige Wissenschaft, die auf diesem riesigen Schiff stattfindet, ist in zwei kleinen Labors. Trotzdem läuft das Ganze unter wissenschaftlicher Waljagd.

Greenpeace Online: Welche Wale werden von den Japanern gejagt?

Thilo Maack: In der Regel vor allem Minke-Wale. Seit kurzem auch gefährdete Finn- und Seiwale. Und in der Saison 2007/2008 wollen die Japaner das Artenspektrum der Wale, die sie jagen, nochmals ausweiten. Sie nehmen dann auch Buckelwale ins Visier, eine stark gefährdete Walart.

Greenpeace Online: Gibt es denn in Japan eine nennenswerte Nachfrage nach Walfleisch?

Thilo Maack: Die Kids in Japan wollen lieber Pommes und Burger essen als Walfleischsushi. Das ist ganz offensichtlich, wenn man sich die Verkaufszahlen von Walfleisch anschaut. Sie sind im Sinken begriffen. Zum Teil wird Walfleisch deshalb verschenkt. Zum Teil wird es zu Hundefutter verarbeitet. Und zum Teil wird es einfach weggeschmissen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Hühner- und Rindfleisch in Japan. Das heißt, es wird mit vielen Millionen Subventionsgeldern in Japan eine völlig anachronistische Sache aufrecht erhalten, die eigentlich überhaupt keinen Platz im 21. Jahrhundert haben sollte - Walfang.

Greenpeace Online: Mit unser Aktion am Montag in Berlin haben wir darauf hingewiesen, dass den Walen und Delfinen neben der Jagd noch andere Missstände zusetzen. Stichwort Beifang. Wo kommt da die IWC ins Bild?

Thilo Maack: Das ist eine unserer Kernforderungen, dass die Internationale Walfangkommission sich eben nicht nur der Waljagd widmet, sondern alle Bedrohungsfaktoren für Wale berücksichtigt. Durch die Waljagd sterben offiziell etwas mehr als 2000 Tiere - die Dunkelziffer liegt sehr viel höher. Aber die Beifänge in der Weltfischerei, also Wale, die mitgefangen werden, in den Netzen ertrinken und dann einfach weggeschmissen werden, liegt mit 300.000 Walen und Delfinen wesentlich höher. Hinzu kommt der Unterwasserlärm, der auch noch seine Opfer fordert oder die schleichende Vergiftung der Meere, die negative Auswirkungen auf die Walbestände hat. Das sind alles Sachen, die müssen natürlich von der IWC berücksichtigt werden.

Greenpeace ist zusammen mit der Bundesregierung und anderen Walschutznationen der Auffassung, dass es eine Modernisierung der Internationalen Kommission geben muss. Sie können so nicht weiter machen. Das ist ein vollkommen verkrustetes, veraltetes Gremium, dessen Konventionstext 1946 beschlossen wurde. Das ist natürlich archaisch.

Greenpeace Online: Thilo, vielen Dank für das Gespräch!

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