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Nach Gerichtsentscheid: Es ist noch nicht vorbei

Zuerst hatte sich ein Zweierteam in einer Überlebenskapsel unter der Ölplattform Leiv Eiriksson vor der Küste Westgrönlands verschanzt, dann erkletterten 18 Greenpeace-Aktivisten die Plattform und forderten vom Betreiber Cairn Energy die Veröffentlichung des Notfallplans. Alle 20 wurden festgenommen, Cairn hat Greenpeace verklagt. Jetzt liegt ein Gerichtsbeschluss vor.

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Der einstweiligen Verfügung gegen Greenpeace hat ein niederländisches Gericht am Donnerstag, 9. Juni, stattgegeben. Greenpeace ist von nun an verpflichtet, 50.000 Euro an die Ölfirma zu zahlen, sobald sich Aktivisten innerhalb eines Umkreises von 500 Metern um Cairn-Ölplattformen befinden. Die Zahlungen sind limitiert auf insgesamt eine Million Euro. Eine hohe Summe - doch immerhin signifikant geringer als die Höhe von zwei Millionen Euro, die die Ölfirma eigentlich für jeden weiteren Tag gefordert hatte, an dem Greenpeace die Ölbohrarbeiten hinauszögert.

Dass das Gericht den Greenpeace-Ansichten durchaus nahesteht, wurde auch an anderen Stellen deutlich: So hatte der Richter die Betreiber mit Nachdruck darauf aufmerksam gemacht, dass das öffentliche Interesse am Notfallplan in jedem Fall berechtigt sei. Darin sollte dokumentiert sein, wie eine Katastrophe wie die der Deepwater Horizon verhindert werden könne. Doch die Betreiber hatten dies strikt verweigert. Cairn argumentiert: Grönländische Behörden hätten die Offenlegung des Plans verboten. Der Veröffentlichung steht jedoch de facto nichts im Wege. Dies bestätigen unabhängige Rechtsauskünfte, die Greenpeace vorliegen.

Ben Stewart, Öl-Experte an Board des Greenpeace-Schiffs Esperanza nahe der Leiv Eiriksson, sagt: Die Gerichtsentscheidung wird uns nicht daran hindern, die Veröffentlichung des Notfallplans weiterhin zu fordern. Die Betreiber halten ihn geheim, da eine Offenlegung schwarz auf weiß zeigen würde, dass eine Ölkatastrophe nicht bewältigt werden könnte. Dagegen will Greenpeace weiter vorgehen - und die bisherigen Aktionen auf hoher See waren nur einer von vielen Schritten. Unsere Kampagne passiert auch im Gerichtssaal, auf offener Straße und letztendlich an der Wahlurne. Es ist noch nicht vorbei, so Stewart.

Während Greenpeace das weitere Vorgehen ausarbeitet, harren die 18 Aktivisten von der zweiten Plattform-Aktion - inzwischen auch als die Arctic 18 bekannt - noch im Gefängnis in der grönländischen Hauptstadt Nuuk aus. Hier können Sie ihnen Ihre persönliche Botschaft senden!

Sie möchten selbst aktiv werden? Schreiben Sie eine Protestmail an den Plattformbetreiber Cairn Energy!

Aktuelle Videos, Fotos und Lageberichte posten die Aktivisten vor Ort nahezu in Echtzeit über den Live Action Feed (engl.). Weitere Fotos der Ereignisse rund um die Ölplattform vor Grönland sind auf Flickr zu finden.

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