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Finnwal besucht Flensburg

Das frühe Aufstehen hat sich doch gelohnt: Nach einer zweistündigen Suche sind wir belohnt worden. Der Finnwal - ganz nah. Ein junges Tier etwa 13 Meter lang. Wir waren auf unserem Weg zurück in den Flensburger Hafen. Ausgerechnet dort schwamm er vor unser Schlauchboot. Zuerst hörten wir seinen Blas, dann sahen wir seinen Rücken und schließlich seine Finne. Ganz ruhig und entspannt zog er vor unseren Augen durch das Hafenbecken.

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In der Nähe des bekannten Museumshafens konnten wir den Wal mehrmals auftauchen sehen. Soweit wir wissen, ist der Wal schon seit einigen Wochen in der Ostsee und wurde bereits in dänischen Gewässern beobachtet. Offensichtlich ist das Tier von seiner Sommerroute in die kalten Polargewässer abgekommen. Vermutlich ist er einem Fischschwarm gefolgt und auf diesem Weg in die Ostsee gelangt. In den vergangenen Jahren wurden häufiger Großwale in der Ostsee beobachtet, ein bis vor wenigen Jahrzenten sehr seltenes Phänomen.

Es ist sehr ungewöhnlich, dass sich ein Wal dieser Größe so dicht in Landnähe und in so flachem Wasser aufhält, sagt Thilo Maack, Greenpeace-Meeresbiologe. Scheinbar hat das Tier auf seiner Futtersuche diese Situation in Kauf genommen. Generell haben sich die Lebensbedingungen der Wale in den Meeren in den vergangenen Jahren stetig verschlechtert. Steigende Temperaturen, zunehmender Unterwasserlärm, Verschmutzung und die Überfischung machen das Meer zu einem immer überlebensfeindlicheren Ort.

Etwa zwei Stunden erkundete der Wal den Flensburger Hafen, dann schwamm er in die Außenförde. Noch wirkt er ruhig und entspannt. Entweder fühlt er sich wohl oder er ist auf der Suche nach einem Weg ins offene Meer. Problemlos findet er seinen Weg nach draußen sicher nicht. Die Förde ist eng, flach und hat viele Untiefen, die ihm den Weg erschweren.

Es ist Mittag geworden und mehr und mehr Schaulustige kommen am Ufer zusammen. Eltern mit Kindern, junge, alte Menschen sind neugierig auf den Wal. Kaum jemand hat einen Wal in der Natur gesehen. Und dann taucht er tatsächlich nochmal auf. Großes Gejohle, ganz besonders die Kinder freuen sich. Mama, da, da ist der Wal. Guck mal, der ist ganz groß, ruft ein kleines blondes Mädchen auf der der Seebrücke vom Ostseebad.

Wir verlassen die Schaulustigen wieder und versuchen, uns noch einmal dem Wal zu nähern. Mal sehen, was er uns noch von sich zeigt. Mit ganz viel Glück bekommen wir heraus, ob das Jungtier weiblich oder männlich ist. Dafür müssen wir aber näher an heran. Ob er das zulässt? Drücken Sie uns die Daumen.

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