Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Die Zeiten für Wale bleiben schlecht

Trotz eines Verhandlungs- und Abstimmungsmarathons bei der diesjährigen Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Anchorage/Alaska sieht die Bilanz des Treffens eher dürftig aus. Das berichtet der Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack, der als Beobachter an der mehrtägigen Konferenz teilgenommen hat, die am Donnerstag zu Ende ging.

  • /

Obwohl die Walschutzländer wieder eine einfache Mehrheit hatten und Schutzresolutionen verabschieden konnten, sollten sie mit den Tagungsergebnissen nicht zufrieden sein, sagt Maack. Weder wurde ein neues Schutzgebiet im Südatlantik beschlossen, noch konnte das tödliche japanische Wissenschaftsprogramm gestoppt werden. Man einigte sich noch nicht einmal auf eine offizielle Verurteilung des isländischen Walfangs. Die Zeiten für Wale bleiben schlecht.

Bezeichnend auch, wie viel Zeit einzelnen Themen eingeräumt wurde: Die gerade ausgestorbene Delfin-Art Baiji bekam gerade mal 15 Minuten Aufmerksamkeit, erklärt Maack. Die Diskussion um den kurz vor der Ausrottung stehenden Vaquita-Schweinswal dauerte ähnlich lange. Aber insgesamt vier Tage dauerten die Gespräche zur Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs. Die gesamte Jahrestagung wurde durch die Jagdinteressen weniger Mitgliedsländer dominiert.

In diesen vier Tagen starben laut Statistik 3.288 Wale und Delfine allein in den Netzen der Weltfischerei, wenn man die Schätzung zugrunde legt, dass jährlich 300.000 dieser Meeressäuger als sinnloser Beifang verenden. Hinzu kommen zahllose Opfer der schleichenden Vergiftung oder des ständig zunehmenden Lärms in den Weltmeeren.

Walfangverbot wurde bestätigt

Silberstreif am Horizont: Das Internationale Walfangmoratorium von 1986 wurde per Resolution bestätigt. Die Walfangbefürworter blieben der Abstimmung dazu fern, weil sie für ihre Position keine Chance sahen. Diese Entschließung wird nun an das Sekretariat des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) übermittelt. Dessen nächstes Treffen ist schon in der kommenden Woche. Dort liegt ein Antrag von Japan auf dem Tisch, den Handel mit Walfleisch weltweit wieder zuzulassen, was eine Schwächung des Walfangverbotes bedeuten würde.

Die verfahrene Situation innerhalb der IWC, wo sich Walfänger und Walschützer unversöhnlich gegenüberstehen, soll in einer Sondersitzung des Gremiums im nächsten Jahr noch vor dem üblichen Jahrestreffen angegangen werden. Dort wollen die Mitgliedsländer Einigkeit über die Zukunft der IWC herstellen.

Während die Walfängerseite unter dem Stichwort Normalisierung die IWC ausschließlich mit der Vergabe von Fangquoten beauftragen möchte, sehen die Walschutznationen unter dem Stichwort Modernisierung das Mandat der Kommission darin, auch andere für die weltweiten Walbestände bedrohlichen Einflüsse zu berücksichtigen, sagt Maack. Dazu gehören neben den genannten Faktoren auch die Folgen des Klimawandels. Greenpeace begrüßt diese Sondersitzung ausdrücklich.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Weit weg, nah am Herzen

Mehr als 380.000 Menschen unterstützen die Greenpeace-Forderung nach einem Schutzgebiet im Südpolarmeer. Ihre Unterschriften haben Antarktisschützer heute in Berlin übergeben.

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zurück – oder in die Zukunft

Die Internationale Walfangkommission steht vor einem Paradigmenwechsel: Will sie weiter nur den kommerziellen Walfang regulieren – oder aktiv zum Schutz der Wale beitragen?