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Der Zwergwal – kleiner Riese in Gefahr

Die japanische Fangflotte hat es bei ihrer Jagd im Südpolarmeer vor allem auf Zwergwale abgesehen. Der Zwergwal ist vielen auch als Minkewal bekannt. Er ist zwar der kleinste der so genannten Bartenwale, doch die Bezeichnung Zwergwal ist irreführend, denn mit seinen durchschnittlich 8,5 Metern Länge und maximal zehn Tonnen Gewicht ist das Tier immer noch so groß und schwer wie ein Lastwagen.

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Der Zwerg- oder Minkewal gehört neben den Blau-, Finn- und Buckelwalen zur Art der Bartenwale. Wie die meisten Bartenwale ernährt er sich hauptsächlich von Krill. Zur Nahrungsaufnahme schluckt der Wal riesige Mengen Wasser, die er in seinem Mundraum speichert. Dabei werden die Hautfurchen im Hals- und Brustbereich wie bei einer Zieharmonika auseinandergezogen. Anschließend wird das Wasser durch Hunderte vom Gaumen herabhängende Hornlamellen (Barten) wieder ausgepresst. Die Nahrung bleibt dabei an den Barten hängen.

Der Minkewal lebt allein oder in kleinen Gruppen von bis zu fünf Individuen. Sie sind auf der Oberseite schwarz oder dunkelgrau, die Brustflossen haben eine weiße Querbinde, die Rückenflosse ist stark nach hinten gekrümmt. Obwohl sie bis zu zwanzig Minuten unter Wasser bleiben können, lassen sich die eleganten Schwimmer sehr gut beobachten. Das liegt an ihrem aufgeweckten, neugierigen Gemüt: Gerade die Zwergwale der südlichen Hemisphäre nähern sich ohne Scheu Schiffen und auch Tauchern, um dann neben ihnen her zu schwimmen.

Früher stand der Zwergwal überhaupt nicht auf der Abschussliste der Walfänger. Die Jagd auf die größeren Wale, wie Blau-, Finn- oder Buckelwale, war wesentlich rentabler. Erst als diese in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts an der Schwelle zur Ausrottung standen, wich man auf ihre kleineren Artgenossen aus. 935 Antarktische Minkewale hat das japanische Institut für Walforschung für dieses Jahr zum Abschuss freigegeben. Dabei gibt es seit 1986 das Walfang-Moratorium, welches auch für Zwergwale gilt.

Aber nicht nur die Jagd bedroht die Bestände dieser Wale. Sie sind auch durch die fortschreitende Verschmutzung der Meere gefährdet. Umweltgifte reichern sich in ihrer Speckschicht an. Vor allem Jungtiere gehen an der Vergiftung durch Chemikalien zu Grunde. Unterwasserlärm, verursacht durch Schiffsschrauben, seismische und ozeanografische Untersuchungen sowie tief- und mittelfrequente Sonare für den militärischen Einsatz stellen eine zusätzliche Bedrohung für alle Wale dar. Der Lärm macht den Tieren zu schaffen, weil sie sich auf ihr sensibles Gehör verlassen müssen, um zu navigieren und miteinander zu kommunizieren.

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