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Der Wal, der Gipfel und die IWC

Das ist der Gipfel! Unter diesem Motto haben am Montag auf Deutschlands höchstem Berg - der Zugspitze - Greenpeace-Aktivisten gegen das weltweite Sterben von jährlich 300.000 Walen protestiert. Auf dem Gipfel platzierten sie einen 15 Meter langen aufblasbaren Wal. Zugleich setzten sie damit ein Zeichen für das 55. Jahrestreffen der Internationalen Walfangkommission (IWC) vom 16. bis 19. Juni in Berlin. Greenpeace appelliert an die Regierungsvertreter der Konferenz, sich nicht länger über Fangquoten zu streiten, sondern für einen umfassenden Schutz der bedrohten Tiere zu sorgen.

Wale fallen nicht nur der unsinnigen Jagd zum Opfer, sagte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack zum Schicksal der Meeressäuger. Sie ertrinken auch als ungewollter Beifang in Fischernetzen oder sterben durch die Verschmutzung der Meere und den ständig zunehmenden Unterwasserlärm. Die IWC muss daher ihre Aufgaben erweitern und endlich alle Gefährdungen der Wale beachten.

Auf den Jahrestreffen der IWC dreht sich seit 1946 alles um die Großwale, die einige Staaten wie Japan und Norwegen nach wie vor jagen. Doch zu den 79 Walarten zählen auch Kleinwale, die bislang kein kommerzielles Interesse erregten. Diese Aufmerksamkeitsverteilung spiegelt jedoch keineswegs die tatsächliche Lage wider: Alle großen und kleinen Walarten sind bedroht, warnt Maack. Die IWC muss daher zukünftig alle Walarten schützen, also auch Kleinwale und Delfine.

Durch die Harpunen japanischer und norwegischer Walfänger starben im vergangenen Jahr 1318 Großwale - ungeachtet eines Walfangverbotes, das seit 1986 gilt. Japan tötet sie unter dem Deckmantel des wissenschaftlichen Walfangs. Norwegen konnte gemäß der löchrigen IWC-Satzung Einspruch gegen das Fangverbot erheben und fühlt sich nun nicht mehr daran gebunden.

Zusätzlich ertrinken Hunderttausende von Walen in Fischernetzen, ohne dass die IWC davon Notiz nimmt. Allein in der Nordsee und Ostsee sterben jährlich Tausende der kleinen Schweinswale qualvoll in den Netzen. Aber auch die immer noch zunehmende schleichende Vergiftung der Meere ist eine große Gefahr: So haben die weißen Beluga-Wale die höchste Krebsrate aller Säugetiere.

Eine weitere Bedrohung für die Tiere findet erst in jüngster Zeit Beachtung: der zunehmende Lärm in den Ozeanen. Erzeugt wird er von Schiffschrauben, der Öl- und Gasförderung sowie Unterwassersonaren der US-Marine. Die Sonare, die helfen sollen feindliche U-Boote aufzuspüren, erzeugen Schallpegel von bis zu 240 Dezibel. Im Vergleich dazu: ein startender Jumbojet erreicht nur 150 Dezibel.

Die Folge der akustischen Meeresverschmutzung: Anfang Mai strandeten an der kanadischen Küste mehrere Schweinswale in unmittelbarer Nähe von Militär-Sonaren. Diagnose: Den Tieren waren die Innenohren geplatzt. All dieser Probleme muss sich die IWC endlich annehmen, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken will, betont Maack.

Eine Neuorientierung der IWC wird bereits vorbereitet: 19 der 46 stimmberechtigten Nationen in der IWC, darunter Deutschland, wollen mit der so genannten Berlin Initiative die Schutzrolle der Organisation stärken und ihre Aufgaben ausweiten. Mit einer einfachen Mehrheit könnte der Antrag in Berlin verabschiedet werden. Doch das Waljagd-Land Japan und seine Verbündeten - mit japanischer Finanzkraft gekaufte Entwicklungsländer - werden versuchen, alle Bemühungen zum Schutz der Wale zu blockieren. (mir)

 

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