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Delfinstrandungen an der spanischen Küste

An der spanischen Mittelmeerküste sind Dutzende toter Delfine angeschwemmt worden. Medienberichten zufolge handelt es sich um Streifendelfine, die vermutlich einer Viruserkrankung erlegen sind. Umweltschützer sind alarmiert. Sie befürchten eine Epidemie wie in den Jahren 1990 bis 1992. Damals starben Schätzungen zufolge mehrere tausend Tiere an einer Infektion mit dem Morbillivirus.

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In einem gesunden Ökosystem sind Epidemien unter bestimmten Tierarten nicht unbedingt besorgniserregend. Unsere Meere aber sind keine gesunden Ökosysteme mehr. Schädliche Substanzen aus Industrie und Landwirtschaft haben das Mittelmeer längst zu einer Chemiekloake gemacht. Schon während der Morbillivirus-Epidemie Anfang der Neunzigerjahre wurde vermutet, dass das Immunsystem der Delfine durch die Kontaminierung mit Umweltgiften geschwächt war.

Alle Wege führen nach Rom. Alle menschlichen Schadstoffe gelangen über kurz oder lang ins Meer. Wale haben einen hohen Anteil an fettreichem Gewebe. Zahnwale, zu denen die Delfine gehören, befinden sich zudem am Ende der Nahrungskette. Deshalb sind sie besonders von der Anreicherung mit gesundheitsschädigenden Substanzen bedroht, sagt Meeresexpertin Stefanie Werner von Greenpeace.

Delfine im Mittelmeer sind in hohem Maße mit Quecksilber, Cadmium und Zink beispielsweise aus Batterien und Elektrogeräten kontaminiert, erklärt Werner. Ebenso mit Organochlorverbindungen aus Pestiziden. Hinzu kommen neuartige Xenotoxika wie Flammschutzmittel, die in PC verwendet werden. Je nach Schadstoffgruppe oder Zusammenwirken von Schadstoffen sind Schäden vor allem an Leber, Immun- oder Hormonsystem zu erwarten. Derart geschwächte Tiere sind weitaus anfälliger für Infektionskrankheiten oder auch Krebs.

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