Bedrohtes Insel-Paradies

Die norwegische Regierung hat begonnen, die Vergabe von Ölförder-Lizenzen im Gebiet der Lofoten zu prüfen. Die im Nordmeer gelegenen Inseln blieben bislang verschont, weil sie als eines der letzten unberührten Meeresbiotope über eine besonders artenreiche Flora und Fauna verfügen. Doch die norwegische Regierung steht unter Druck: In unmittelbarer Nähe werden große Ölvorkommen vermutet.
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Die Lofoten erstrecken sich etwa 100 bis 300 km nördlich des Polarkreises entlang der norwegischen Küste. Hier trifft nährstoffreiches arktisches Wasser auf den warmen Golfstrom und schafft so ideale Lebensbedingungen für Fische, Wale und Seevögel. Doch Gefahr droht gleich von mehreren Seiten: die Gier nach Öl, Überfischung und immer mehr Schiffsverkehr könnten die wunderbare Landschaft und den wertvollen maritimen Lebensraum für immer zerstören.

Gier nach Erdöl

Erste Testbohrungen im Jahr 2001 bestätigten die Vermutung reicher Erdölvorkommen. Sie wurden jedoch nach Protesten von der Bevölkerung und Umweltschutzgruppen wieder eingestellt. Doch schon liegen erneut Anträge der Ölindustrie für weitere Probebohrungen vor. Damit steigt der Druck auf die norwegische Regierung, denn die Konzerne locken mit Millionen Kronen Steuereinnahmen und der Schaffung etlicher Arbeitsplätze. Der Ausgang des Verfahrens ist offen und auch davon abhängig, wie viel Widerstand Umweltaktivisten und die Bevölkerung vor Ort dem Vorhaben entgegensetzen.

Immer mehr Öltanker

Vorbeifahrende Öltanker sind eine weitere Bedrohung für die einzigartige Inselwelt. Mehrmals pro Woche passieren Supertanker aus dem russischen Hafen Murmansk in nur zwölf Seemeilen Entfernung

die Küstenlinie. Findet hier ein Tankerunfall statt, sind die Lofoten dem auslaufenden Öl chancenlos ausgesetzt. Eine ähnliche Katastrophe wie 2002 in Spanien wäre die Folge. Eine Tankerroute, 50 Seemeilen von der Küste entfernt, erhöht die Möglichkeit, das Öl von der Küste fernzuhalten. Dazu sind jedoch leistungsfähige Bergungsschlepper und Notfallpläne notwendig.

Einzigartige Kaltwasser-Korallen

Seit mehr als 1000 Jahren leben die Bewohner der Lofoten vom Kabeljau, der zum Laichen in die inselnahen Gewässer kommt. Doch durch moderne Fangmethoden werden viel zu viele Jungtiere gefangen. Der Bestand kann sich nicht regenerieren. Die Grundschleppnetz-Fischerei zerstört zudem die Riffe der einzigartigen Lophelia-Koralle.

Mit der Esperanza vor Ort

Das Greenpeace-Schiff Esperanza ist derzeit im Gebiet der Lofoten. Mit an Bord: ein Tauchroboter mit einer ferngesteuerten Kamera, die länger als jeder Taucher unter Wasser bleiben kann. Mit ihm sollen weitere Lophelia-Riffe dokumentiert und kartografiert werden. Die Besatzung der Esperanza erarbeitet vor Ort gemeinsam mit den einheimischen Fischern einen Plan, welche Gebiete geschützt werden sollen. Denn nur ein großflächiges Meeresschutzgebiet kann die Zerstörung stoppen und die Schönheit der Lofoten erhalten.

Im Einzelnen fordert Greenpeace

  • Einen Integrierten Management Plan für die Lofoten, der alle zerstörerischen Aktivitäten in ökologisch sensiblen Gebieten untersagt.
  • Vorgeschriebene Routen für die Öltanker, mindestens 50 Seemeilen von der Küste der Lofoten entfernt.
  • Die Einrichtung eines weltweiten Netzwerkes von Meeresschutzgebieten: Mindestens 40 Prozent der Meere müssen dauerhaft geschützt werden.

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