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Studie zu Pestiziden im Wasser

Schlechtes Zeugnis für Gewässer

Summt und brummt es bald nicht mehr am plätschernden Bach? Denn oft überschreiten Pestizide vorgegebene Grenzwerte in Gewässerproben. Für Insekten kann das tödlich sein.

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Auch in Deutschland sei die Konzentration von Pestiziden oft höher als erlaubt, so das Fazit der Forscher. Insgesamt werteten sie 838 Studien aus 73 Ländern aus. Das Ergebnis: 11.300 Gewässerproben enthalten Rückstände von Pestiziden, die für Insekten und Kleinkrebse giftig sind.

Die Wissenschaftler stützen sich auf Untersuchungen aus den Jahren 1962 bis 2012: In mehr als 50 Prozent der Fälle waren die Konzentrationen höher als von Behörden erlaubt. Dadurch sei die Artenvielfalt massiv bedroht, so die Forscher. Bei neueren Pestiziden gilt das  noch gravierender als bei den älteren.

Besonders brisant ist, dass ein Großteil der Spritzmittel nur an zwei bis drei Tagen nach der Ausbringung nachweisbar ist. Dadurch bleiben viele Gewässerbelastungen unerkannt. Je nach Giftigkeit des Pestizides reichen aber kurzfristige Belastungen aus, um die Gewässerfauna nachhaltig zu schädigen.

Warum schützen Gesetze nicht?

Dass die Forscher kaum Unterschiede zwischen Ländern mit strenger und weniger strenger Gesetzgebung festgestellt haben, klingt irritierend. Das Umweltbundesamt (UBA) vermutet, dass viele Landwirte die Pestizide nicht fachgerecht ausbringen und somit Bestimmungen nicht einhalten. Vor allem würden sie ihre Äcker häufig dicht entlang kleiner Bäche und Tümpel spritzen. Der Wind sorgt dann dafür, dass die Gifte in die Gewässer gelangen.

Neue Untersuchungen aus Brandenburg zeigen aber auch, dass bestimmte Pestizide sich beim Ausbringen weitflächig verbreiten und nur ein geringer Teil tatsächlich dort landet, wo er hin soll. Das haben auch schon Biobauern leidlich zu spüren bekommen: Ihre Produkte wurden dadurch so stark belastet, dass sie unverkäuflich wurden.

„Der Einsatz von gefährlichen Pestiziden muss umfassend und schnell minimiert werden“, sagt Christiane Huxdorff, Umweltwissenschaftlerin und Greenpeace-Expertin für Landwirtschaft. „Das Landwirtschaftsministerium liefert bisher nur Worte und Papier, aber keine erfolgversprechenden Maßnahmen. Seit Jahren steigen die ausgebrachten Wirkstoffmengen. Das Ziel der industriellen Landwirtschaft muss sein, sich aus der Abhängigkeit von Pestiziden zu befreien.“

Der Link zur Studie: Agricultural insecticides threaten surface waters at the global scale

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