Brasilien: Die schmutzigen Geschäfte der Soja-Industrie

Kahlschlag im Cerrado

Sie kommen mit Sägen und Baggern: Skrupellose Agrarunternehmer dringen immer tiefer in den brasilianischen Cerrado vor – und verwandeln die einzigartige Savanne in leblose Wüste.
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Noch ist der Cerrado die artenreichste Savanne der Welt. Das Ökosystem, das sich süd-westlich an den brasilianischen Regenwald anschließt, beherbergt mehr als 11.000 Tier- und Pflanzenarten, darunter so seltene Exemplare wie Riesengürteltiere, Ameisenbären und Jaguare. Doch seit die Region ins Visier der Agrar-Lobby geraten ist, sind die Tage des Cerrado gezählt: Greenpeace Experten schätzen, dass von dem 200 Hektar großen Gebiet bis heute bereits fast 88 Millionen Hektar –mehr als die doppelte Fläche Deutschlands – unwiederbringlich zerstört wurden. Geopfert für Rinderfarmen und den Anbau von Mais, Weizen, Baumwolle und vor allem Soja.

Landraub, Gewalt, Einschüchterung

Aktuell hat es die Soja-Lobby besonders auf die Region Matopiba abgesehen – jenen Teil des Cerrado, der sich über die Bundesstaaten Maranhão, Tocantins, Piauí und Bahia erstreckt. Um an Platz für neue Plantagen zu kommen, ist der Industrie jedes Mittel recht: Greenpeace hat in der Region illegale Abholzungen, aber auch Menschenrechtsverletzungen wie Landraub, Vertreibungen und Gewalt gegen die einheimische Bevölkerung dokumentiert. Nutznießer sind Handelsriesen wie ADM, Bunge und Cargill, die allein 2017 zusammen 13 Millionen Tonnen Soja aus Matopiba exportierten.

Die Spur führt nach Deutschland

Was gerne übersehen wird: Die brasilianische Savanne wird auch für Europa kahlgeschlagen. 2017 importierte die EU knapp 35 Millionen Tonnen Soja – einen großen Teil davon auch aus dem Cerrado. Schuld ist nicht die Nachfrage nach Sojamilch oder Tofuschnitzel, sondern unser Hunger nach Fleisch- und Milchprodukten. Denn rund 90 Prozent des weltweit produzierten Sojas werden als Futtermittel verwendet – auch in Deutschland, dem größten Fleischproduzenten Europas.

Regierung auf dem Holzweg

Mächtigster Fürsprecher der Agrarindustrie ist die brasilianische Regierung. Sie plant sogar, die Anbauflächen auszuweiten und genauso wie im Amazonas-Regenwald wieder Zerstörung zuzulassen. 2019 wüten im Amazonas-Regenwald mehr Feuer denn je — denn die Regierung Brasiliens gibt jenen Rückendeckung, die Wälder roden und so neue landwirtschaftliche Flächen schaffen. 

Ein Skandal, den Greenpeace nicht länger dulden will: Per Hubschrauber, mit Drohnen und GPS-Geräten dokumentieren Aktivistinnen und Aktivisten die fortschreitende Waldvernichtung. (LINK) Zudem bilden sie Waldhüter aus und versorgen sie mit Satelliten-Telefonen, damit sie bei illegalen Rodungen sofort Alarm schlagen können.

Rote Karte für die Soja-Lobby

Zugleich macht Greenpeace Druck auf Lieferanten, Händler und Konsumgüterhersteller, die zulassen, dass Soja aus Waldzerstörung in ihre Produkte gelangt. Im Juni demonstrierten 50 Aktivistinnen und Aktivisten im Hafen von Sète/Frankreich an einem Frachter, der rund 50.000 Tonnen Soja geladen hatte. Anfang August erklommen Greenpeace Teams im Hafen von Brake/Deutschland, einem wichtigen Umschlagplatz für Soja, zwei 40 Meter hohe Kräne. Mit Bannern wie „Klima-Notstand: Soja-Futter zerstört Wälder“ zeigten sie der Soja-Lobby die rote Karte. Ein Weckruf auch für die Politik, die im Kampf gegen Waldzerstörung endlich ernst machen muss. Damit so wichtige und artenreiche Ökosysteme wie der Cerrado ebenso wie der Amazonas-regenwald nicht für Profit zerstört sondern für nachfolgende Generationen erhalten werden.

>>> Stemmen Sie sich mit uns gegen die Ausbeutung des Amazonas-Regenwaldes!

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