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Butterfinger und Baby Ruth

Gen-Schokolade illegal in Supermärkten

Poppige, knallbunte Verpackungen mit großen Aufdrucken sind ein gängiges Bild in deutschen Supermärkten. Wer sich nicht nur auf bunte Verlockungen einlassen will, muss das Kleingedruckte auf der Rückseite der Verpackung lesen. Riskant und daher in Europa verboten ist es aber, wenn nicht einmal in der Zutatenliste steht, was wirklich drin ist. Zum Beispiel genetisch veränderter Mais, Zucker, oder Soja, wie in den Nestlé-Schokoriegeln Butterfinger und Baby Ruth.

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Laboruntersuchungen im Auftrag von Greenpeace belegen 2010, dass Butterfinger und Baby Ruth mit Gen-Soja hergestellt werden. Der Butterfinger zudem mit Zutaten aus sechs unterschiedlichen Gen-Maissorten. Die meisten Verbraucher in Deutschland wollen sich kein Gen-Food unterjubeln lassen, sagt Stephanie Toewe, Gentechnik-Expertin bei Greenpeace. Mit illegalen genmanipulierten Lebensmitteln müssen sie unfreiwillig den Anbau der riskanten grünen Gentechnik unterstützen.

Nach Greenpeace-Recherchen werden die beiden aus den USA importierten Riegel in den deutschen Supermärkten Karstadt/Perfetto, Edeka, Rewe sowie an Tankstellen, Kiosken, in Videotheken und im Internet angeboten. Da der Verkauf von nicht gekennzeichnetem Gen-Food und der Anbau von Gen-Pflanzen zahlreiche Risiken für die Umwelt und die ökologische Landwirtschaft birgt, fordert Greenpeace umfassende Kontrollen der Lebensmittelüberwachung.

Die analysierten Gen-Snacks sind typisch für Lebensmittel aus den USA. Dort werden generell genmanipulierte Zutaten wie Gen-Zucker, Gen-Sojaöl oder Gen-Maisstärke für die Lebensmittelherstellung verwendet. Über 90 Prozent der in den USA angebauten Soja und 85 Prozent des Maises sind gentechnisch verändert. Eine Kennzeichnungspflicht für Produkte aus Gen-Pflanzen existiert dort nicht.

In Europa machen sich Importeure, die diese ungekennzeichnete Gen-Ware hier auf den Markt bringen, strafbar. Der Gesetzgeber sieht bei solchen Verstößen Gefängnis- oder Geldstrafen vor.

Einige deutsche Supermärkte bieten ein breites Sortiment an US-Importwaren wie Marshmallows, Suppen, Frühstücksflocken und Barbecue-Sossen an, sagt Toewe. Greenpeace fordert den Handel auf, nur Importprodukte aus den USA zu verkaufen, die garantiert keine Zutaten aus Gen-Pflanzen enthalten.

Ganz legal versucht hingegen der US-Schokoladenhersteller Hershey, Gen-Schokolade in Deutschland zu etablieren. Die Produkte Reese's Peanut Butter Cups und Nutrageous sind als Gen-Food gekennzeichnet und enthalten laut Zutatenlisten Gen-Zucker, Gen-Mais und Gen-Soja. Gen-Zucker taucht mit diesen Artikeln zum ersten Mal auf dem deutschen Markt auf. So verkaufen zum Beispiel Filialen der Supermarktkette Edeka die Süssigkeit.

Gentechnisch veränderte Zuckerrüben werden seit 2007 in den USA angebaut und dürfen als Lebens- und Futtermittel in die EU importiert werden. Der Anbau der Gen-Rübe ist selbst in den USA inzwischen umstritten, da sie sich leicht mit artverwandten Pflanzen kreuzt. Ihre Ausbreitung ist kaum kontrollierbar. Greenpeace hat den Handel aufgefordert, die Gen-Schokolade aus dem Sortiment zu nehmen.

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