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Wüstenstrom mit Zukunft

Das Desertec-Projekt in der Sahara zeigt: Solarstrom aus der Wüste ist keine Utopie. Nun wird die Industrieinitiative verkleinert – das Potenzial bleibt.

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Nur zwei Prozent der Sahara müssten als solarthermisches Kraftwerk genutzt werden, um die ganze Welt mit Strom zu versorgen. Alleine diese Zahl verdeutlicht, dass Wüstenstrom ein riesiges Potenzial für zukünftige globale Energieversorgung bietet.

Desertec-Industrieinitiative verkleinert sich

Doch die Industrieinitiative Desertec besteht nach Uneinigkeiten zwischen den verschiedenen Investoren nun nur noch als Dienstleister für die bereits umgesetzten Projekte. Alle weiteren Vorhaben sollen nicht mehr realisiert werden, nachdem von zuletzt 20 Gesellschaftern lediglich die saudische Energiefirma ACWA Power, der chinesische Netzbetreiber State Grid (SGCC) und der deutsche Versorger RWE übrig sind.

Der Absprung der anderen Investoren hat aber nichts mit dem Potenzial des Wüstensstroms zu tun, wie Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling erklärt. „Die Desertec-Industrieinitiative ist Opfer ihres eigenen PR-Versprechen geworden. Sie konnte ihre Zusage nicht halten, 15 Prozent des europäischen Strombedarfs zu decken.“

Wüstenstrom für globale Energiewende

„Gleichwohl bleiben solarthermische Kraftwerke, wie Desertec sie in der Wüste plante, wichtiges Element einer weltweiten Energiewende“, betont Böhling. „Sie bieten ein riesiges Potenzial für eine saubere Energieversorgung auf allen Kontinenten, insbesondere in Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten, den USA, Australien und China“

Riesige Ausbaumöglichkeiten

Durch verbesserte Technologien hat sich der Wüstenstrom weiterentwickelt und ist rentabel geworden. 2009 bewies eine Greenpeace-Studie: Solarstrom aus der Wüste ist realistisch, günstig und umweltschonend. Zusätzlich würden neue Kraftwerke außerdem Investoren in die Wüstenregionen locken und den Arbeitsmarkt dort beleben. Bis 2050 könnten bis zu zwei Millionen neue Jobs geschaffen werden.

Es ist also an der Zeit, die unerschöpfliche Energiequelle Sonne konsequent zu nutzen. In unbewohnten Wüstenregionen kann der Strom für dicht bevölkerte Gegenden erzeugt werden – ohne die Umwelt weiter zu belasten. Diese Chance muss vor allem die Politik vorantreiben, indem sie das Wachstum der Branche fördert. Dann könnten solarthermische Kraftwerke schon im Jahr 2050 ein Viertel des weltweiten Strombedarfs decken.

Wir brauchen die Energiewende – bis 2050 können wir den Ausstoß von Treibhausgasen fast vollständig abstellen, wie das Greenpeace Energiekonzept zeigt. Der Ausbau Erneuerbarer Energien in Deutschland ist ein wichtiger Baustein, um dieses Ziel zu erreichen. Doch für eine globale Energiewende müssen wir das riesige Potenzial des Wüstenstroms nutzen. 

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