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Kein Deckel für Förderung von Wind und Sonne

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist eines der erfolgreichsten und gleichzeitig höchst umstritten. Wind und Sonne erzeugen immer mehr und immer günstiger unseren Strom. Dennoch werden die Erneuerbaren Energien als Hauptverursacher steigender Strompreise verleumdet. Kern der Kritik sind zumeist die Förderbedingungen für die Erneuerbaren Energien im EEG.

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Hinter den Kulissen der aktuellen Koalitionsverhandlungen kursieren viele Denkmodelle, die das EEG ersetzen oder umgestalten wollen. Einer dieser Vorschläge kommt von der Agora Energiewende, einem "Think Tank" für die Energiepolitik.

Die Agora Energiewende propagiert mit ihrem Vorschlag einheitliche maximale Vergütungssätze für nachhaltig erzeugten Strom. Bislang sieht das EEG unterschiedliche Vergütungssätze je nach Technologie und Region vor. Diese spezifischen Sätze sind eines der Kernelemente der Regelung.

Was würde eine Änderung des EEG hin zu maximal gezahlten Vergütungssätzen aber bedeuten und welche Erneuerbaren Energien würden unter diesen Bedingungen weiter ausgebaut? Die Prognos AG hat dafür den von der Agora Energiewende vorgebrachten Vorschlag einer Vergütung von maximal 8,9 Cent pro Kilowattstunde mit ihrer im Oktober 2013 veröffentlichten Studie "Entwicklung der Stromproduktionskosten" abgeglichen.

Ihr Fazit: Die verschiedenen Erneuerbare-Energien-Technologien reagieren sehr sensibel auf Veränderungen bei den Vergütungssätzen. Bereits geringfügige Absenkungen der Vergütungen können ganze Anlagensegmente unwirtschaftlich machen.

Zudem spiegelt ein einheitlicher Vergütungssatz nicht die standortabhängig sehr unterschiedlichen Kosten von Wind- und Solaranlagen wider. Durch einheitliche Vergütungssätze drohen somit auch Über- oder Unterförderungen.

Dagegen bietet ein energieträgerspezifischer Vergütungssatz in verschiedenen Regionen den Vorteil, dass recht individuell auf die Kostenentwicklung der jeweiligen Technik reagiert werden kann.

Zwei konkrete Resultate aus der Studie zeigen die Auswirkungen des Modells:

1. Ein einheitlicher maximaler Vergütungssatz von 8,9 Cent pro Kilowattstunde ab dem Jahr 2015 reicht für die meisten Erneuerbaren Energien nicht aus. Diese können nicht flächendeckend und dabei wirtschaftlich in Deutschland betrieben werden.

2. Technologien wie etwa die Geothermie, die noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen und daher kostspieliger sind, würden gänzlich aus dem Anlagenportfolio verschwinden.

Konkret: Der Vorschlag der Agora Energiewende führt beispielsweise dazu, dass sich der Windausbau in Baden-Württemberg oder Hessen oder die weitere Nutzung der Solarenergie in Nord- und Mitteldeutschland nicht mehr lohnen würden.

"Das Modell würde den Ausbau der Erneuerbaren in weiten Teilen Deutschlands stoppen und mehr Netzausbau erfordern", sagt Greenpeace-Sprecher Tobias Austrup. "Dadurch wird die Energiewende nicht günstiger, sondern in den betroffenen Regionen wird die Schaffung neuer zukunftsfähiger Arbeitsplätze verhindert. Dies gilt leider auch für die unsinnige Begrenzung der Energiewende auf wenige Standorte, die Peter Altmaier im Koalitionsvertrag festhalten will."

Konzentriert sich Deutschland auf den Ausbau einiger weniger Technologien an nur wenigen Standorten führte dies zu weiteren Problemen, die mit einem breiten Portfolio an Erneuerbaren Energieträgern erst später und weniger drängend akut werden. Eine alleinige Konzentration auf die Windkraft an Land führt etwa dazu, dass deutlich früher und wohl auch deutlich kostenintensiver Stromspeicher benötigt werden. Denn Wind und Sonne würden sich nicht mehr gegenseitig ergänzen oder ersetzen können, wie es durch eine Verteilung der erneuerbaren Stromerzeugung auf ganz Deutschland der Fall ist.

(Autor: Tobias Austrup)

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