Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Keine Atomfabrik nach China!

In Deutschland den Atomausstieg proklamieren - in China den Einstieg in die Plutoniumwirtschaft fördern? Gegen den Export der Hanauer Plutoniumfabrik haben Greenpeacer am Freitagmorgen vor Ort protestiert. Mit einer Großbild-Projektion am Fabrikgebäude forderten sie die deutsche Bundesregierung auf, den Verkauf der Hanauer Anlage auf keinen Fall zu genehmigen.

Wie die Zeiten sich ändern. Noch in den neunziger Jahren hat Bundesaußenminister Joschka Fischer, damals hessischer Umweltminister, jahrelang den Weiterbetrieb der Plutoniumfabrik in Hanau verhindert. Die Plutoniumwirtschaft, hieß es damals, sei ein Risiko für die internationale Sicherheit. Das ist sie auch heute noch. Trotzdem soll Fischer dem Export bereits zugestimmt haben.

Die Hanauer Fabrik gehört zu den zentralen Elementen der so genannten zivilen Plutoniumwirtschaft. Abgebrannte Brennelemente aus Atomkraftwerken enthalten rund ein Prozent Plutonium. In Wiederaufarbeitungsanlagen werden dieses Plutonium sowie Uran und Spaltprodukte chemisch getrennnt. In speziellen Fabriken - wie der Hanauer - wird das Plutonium dann mit Uran zu Mischoxid verarbeitet: den so genannten MOX-Brennelementen.

MOX-Brennstäbe werden vor allem in Schnellen Brütern eingesetzt. Dort kann aus den Elementen weiteres waffenfähiges Plutonium gewonnen werden. Von ziviler Plutoniumwirtschaft zu sprechen, ist also irreführend.

Tatsächlich wird waffenfähiges Plutonium in großen Mengen verarbeitet und transportiert. Eine lückenlose Überwachung ist nicht möglich. Das heißt: Die "zivile" Plutoniumwirtschaft öffnet dem Missbrauch für militärische Zwecke - etwa dem Bau einer Atombombe - Tür und Tor.

Die Hanauer Fabrik scheint nicht der einzige Fall deutscher Pro-Atom-Politik im Ausland zu bleiben: Medienberichten zufolge hat die Bundesregierung bereits entschieden, den Neubau eines Atomkraftwerkes durch Siemens in Finnland mit einer Millionenbürgschaft zu unterstützen.

Das ist Energiepolitik à la Jekyll & Hyde, kritisiert Stefan Schurig, Leiter des Energie- und Klimabereichs bei Greenpeace. Zuhause schreibt sich die Regierung den Ausstieg aus der Atomwirtschaft auf die Fahnen - im Ausland will sie diese offenbar im großen Stil fördern.  (sit)

Mehr über die Plutoniumfabrik in Hanau

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

Mehr zum Thema

Abschaffen statt Modernisieren

Der kalte Krieg ist vorbei, doch in Deutschland sind immer noch 20 US-Atombomben stationiert. Im Kriegsfall würden Deutsche sie fliegen. Das Arsenal soll nun modernisiert werden.

Wahnsinn bewiesen

Die Region um das AKW Fukushima ist immer noch hoch verstrahlt, allen Säuberungsaktionen zum Trotz, so der aktuelle Greenpeace-Bericht. Im Fokus: das Leid der Aufräumarbeiter.

Katastrophaler Wasserschaden

Der GAU von Fukushima ist längst nicht im Griff. Gewaltige Mengen kontaminierten Wassers aus der Anlage könnten in den Pazifik fließen – eine Geschichte menschlichen Versagens.