Fashion Revolution Week beginnt heute weltweit – auch Greenpeace beteiligt sich

Kostbare Stoffe

Zu viel, zu billig, zu giftig: Für das Wegwerfprodukt Mode zahlt die Welt einen hohen Preis. Deshalb startet heute die Fashion Revolution Week. Sie regt an, umzudenken.

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Billige Mode kommt die Umwelt teuer zu stehen: Die heute weltweit startende Fashion Revolution Week will den Blick schärfen für Produktionsbedingungen in der Branche. Verbraucher sollen ihre Kleidung wertschätzen, statt sie nach einmaligen Tragen auszusortieren. Modebewusstsein heißt eben auch: sich seiner Mode bewusst sein.

Über eine Selfie-Kampagne in den Sozialen Medien appellieren Unterstützer an die soziale und ökologische Verantwortung internationaler Modefirmen und stellen die Frage „Who made my clothes?“: Wer hat meine Klamotten genäht? Dabei präsentieren sie die Etiketten ihrer auf links gedrehten Kleider: Made in China, Made in Bangladesh, Made in India. Und auch Greenpeace wirbt mit einer Mitmachaktion für bewussten Modekonsum: In mehreren deutschen Städten nähen Ehrenamtliche Etiketten mit dem Aufdruck „Trag mich. Ich bin kostbar.“ in Kleidungsstücke ein.

Der Zeitpunkt für die Aktionswoche ist nicht willkürlich gewählt: Am 24. April 2013 stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch ein. Mehr als 1100 Menschen starben bei dem Unglück, weitere Tausende wurden verletzt. Drei Jahre später steht der Name Rana Plaza sinnbildlich für die schlimmsten Auswüchse der Modeindustrie: Hersteller lassen umweltschädigende, gesundheitsgefährdende Produktionsmethoden unter unmenschlichen Bedingungen zu, damit in reichen Ländern wie Deutschland T-Shirts für ein paar Euro im Regal liegen – und kurz nach dem Kauf wieder ausrangiert werden.

Gute Absicht, falscher Ansatz

Immerhin: Teile der Branche zeigen sich mittlerweile problembewusst. Die Modekette H&M, die sich bereits 2012 der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen hat, startet parallel ihre eigene, groß angelegte „World Recycling Week“. Ein eigens produziertes Musikvideo mit der streitbaren Elektrokünstlerin M.I.A. wirbt für Wiederverwertung; rund 1000 Tonnen Altkleidung will der Konzern in dieser Woche mithilfe seiner Kunden sammeln und danach recyceln.

Die gute Absicht zur Bekämpfung von Wegwerfmode ist lobenswert, letzten Endes ist die Aktion allerdings widersprüchlich. Einerseits bekämpft H&M den Textilmüll, verkauft aber gleichzeitig Unmengen billiger Klamotten. Der schwedische Modekonzern arbeitet hart daran, sich an der Spitze der Nachhaltigkeitsbewegung zu positionieren – einerseits versucht er seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern, andererseits vergrößert er ihn, indem er konstant expandiert.

Aufwändig und teuer

Fairerweise muss man sagen, dass das Recycling von Kleidungsstücken noch im Erprobungsstadium steckt und nicht einfach ist. Beim mechanischen Recyclingprozess von Baumwolle werden die Fasern verkürzt; um ein widerstandsfähiges Kleidungsstück zu schaffen, das nicht beim ersten Ziehen reißt, müssen darum frische Fasern beigemischt werden. Mit Kleidung ist vorerst kein verlustfreier Wiederverwertungskreislauf zu schaffen.

Außerdem ist der Vorgang extrem aufwändig und damit teuer: Nähte, Knöpfe und Reißverschlüsse müssen vor der Weiterverarbeitung entfernt werden, Aufdrucke, Farbstoffe und Beschichtungen erschweren den Prozess zusätzlich. Mischgewebe mit der Kunstfaser Elasthan, aus denen zum Beispiel viele Sportklamotten bestehen, lassen sich bislang überhaupt nicht wiederverwerten.

Recycling darf keine Ausrede sein

Darum ist der Recycling-Anteil in H&M-Kleidung auch gering. 2015 verkaufte der Konzern 1,3 Millionen Teile mit wiederaufbereiteten Stoffen, das entspricht allerdings gerade einmal 130 Tonnen Recycling-Faser. Die 1000 Tonnen, die H&M zur Wiederverwertung einsammelt, benötigten beim derzeitigen Tempo Jahre, bis sie aufgebraucht wären.

„Recycling ist immer nur die drittbeste Lösung“, sagt Kisten Brodde, Greenpeace-Expertin für Textilien. Erst einmal sei es wichtig, überlegter einzukaufen, um überflüssigen Textilmüll gar nicht erst entstehen zu lassen. Zweitens lässt sich Kleidung lange nutzen und gegebenenfalls reparieren. „Recycling darf keine Ausrede sein, weiter hemmungslos Kleidung als Wegwerfware zu produzieren“, sagt Brodde. „Jedes einzelne T-Shirt belastet die Umwelt.“

Das soll die Fashion Revolution Week den Konsumenten bewusst machen. Die ganze Woche über finden deshalb Workshops, Kleidertauschaktionen und Informationsveranstaltungen statt, in Deutschland und der ganzen Welt. Sie alle haben eine Botschaft: Kleidung soll man wertschätzen, nicht wegwerfen.

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