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Hersteller verheimlichen Infos

Schadstoffe in Outdoor-Marken

Schädliche Fluorchemie steckt zum Beispiel in Outdoor-Kleidung mit "Gore-Tex" oder "Teflon"-Etiketten. Das ist kein Geheimnis. Doch wie massiv wurde das Umweltgift eingesetzt und gibt es vielleicht Rückstände verbotener Stoffe? Offensichtlich ja, denn einige Hersteller von Outdoor-Kleidung ließen nun die offiziellen Testergebnisse des Umweltbundesamtes (UBA) schwärzen.

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16 wetterfeste Jacken hatte das UBA getestet. Die Ergebnisse forderte Greenpeace nach dem Umweltinformationsgesetz an. Kaum wurde bekannt, das Greenpeace Interesse an der Schadstoff-Prüfung hat, ließen die Outdoor-Marken Schöffel, The North Face und Vaude sowie die Firma HKM Textil Testergebnisse schwärzen. Sicher ist: In allen Jacken wurden die gesundheitsschädliche Perfluoroctansäure (PFOA) und weitere per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) festgestellt. Nach Greenpeace-Recherchen befinden sich unter den zurückgehaltenen Daten auffällig hohe Werte.

"Die Unternehmen machen den Schadstoffgehalt ihrer Produkte zum Betriebsgeheimnis", sagt Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace. "Dabei geht es um gefährliche Chemikalien, die sich global verbreiten und Mensch und Umwelt bedrohen. Wir fordern die Firmen zur Offenlegung des gesamten Prüfberichtes auf."

Greenpeace veröffentlicht heute die Textil-Untersuchung des UBA. Die Dessauer Behörde analysierte zwischen August 2011 und März 2012 Jacken von 13 Herstellern aus den Bereichen Supermarkt (Tchibo, Aldi Süd), Fast Fashion (H&M, C&A), Outdoor (Bergans, Campagnolo, Jack Wolfskin, Mountain Equipment, Schöffel, The North Face, Vaude, Patagonia) und Arbeitskleidung (HKM) auf Fluorchemie. In Jacken von Bergans, Jack Wolfskin und Patagonia wurde PFOA in kritischen Konzentrationen festgestellt. In Proben von Campagnolo, C&A, Jack Wolfskin und Tchibo wurden sogar Spuren der EU-weit verbotenen Perfluorsulfonsäure (PFOS) gefunden.

Mit Gift zum Gipfel - Outdoor-Kleidung steckt voller Fluorchemie

Gemeinsam mit dem UBA fordert Greenpeace, dass PFOA aufgrund seiner schädlichen Eigenschaften ähnlich streng wie PFOS reguliert werden soll. Bereits im vergangenen Jahr hatte Greenpeace Outdoor-Kleidung getestet und krebserregende sowie hormonell wirksame PFC gefunden. Diese Stoffe sind bereits weltweit verbreitet und können in Blut und Muttermilch nachgewiesen werden.

Bisher setzt die Outdoor-Branche, die mit Bildern gesunder Sportler in unversehrter Natur wirbt, häufig gefährliche Chemikalien für Membranen und Imprägnierungen wetterfester Sportmode ein. Dies zeigt sich auch in den neuen Kollektionen auf der gestern eröffneten weltgrößten Messe für Sportmode (ISPO) in München. Trotz des bekannten Einsatzes von gefährlicher Textilchemie ist Vaude einer von 20 Anwärtern für die Corporate Social Responsibility-Auszeichnung der Bundesregierung.

"Textilchemie aus Outdoor-Jacken findet sich bereits überall in der Natur", sagt Santen. "Verbraucher sollten prüfen, ob sie eine Regenjacke für den Gipfelsturm oder einen Spaziergang benötigen. Es gibt fluorfreie Alternativen. Auch diese Kleidung ist winddicht, atmungsaktiv und hält einem Wolkenbruch stand."

Einige Textilhersteller zeigen längst, dass es ohne PFC geht. Levi´s, Zara, Marks & Spencer, Victoria´s Secret, H&M und G-Star haben sich gegenüber Greenpeace verpflichtet, auf alle PFC bis spätestens zum Jahr 2016 zu verzichten. Greenpeace fordert auch von den Outdoor-Marken einen PFC-Verzicht. Mit der Kampagne Detox überzeugte Greenpeace bereits 15 große Textilhersteller, Risiko-Chemikalien durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen.

Publikationen

Chemie für jedes Wetter (2012)

Greenpeace findet umweltschädliche Schadstoffe in Outdoor-Kleidung. Untersucht wurden insgesamt 14 Regenjacken und Regenhosen. In jeder Probe war PFC enthalten.

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