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Wildern im Namen der Wissenschaft

Die japanischen Fischer und Walfänger sind im 20. Jahrhundert zur Bedrohung für die Vielfalt in den Meeren geworden. Nicht nur durch ihre rücksichtslose Fischereipolitik, sondern auch durch die Ausweitung des Walfangs unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Damit ignoriert der asiatische Staat das weltweite Walfangmoratorium von 1986 ebenso wie den Status des Südpolarmeeres als Walschutzgebiet von 1994.
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Inhaltsverzeichnis

    Finn- und Buckelwale im Visier
    Biologie der Finnwale
    Buckelwale
    Minkewaljagd am Südpol
    Biologie der Minkewale
    Walfang ist illegal
    Pseudo-Wissenschaft
    Keine Bestandszahlen
    Biologie der Seiwale
    Biologie der Brydewale
    Biologie der Pottwale
    Delphine als Sondermüll
    Wale contra Fischer?
    Japans Scheckbuch-Politik
    Jahrzehntelanger Kampf
    Greenpeace fordert
    Das können Sie tun

Finn- und Buckelwale im Visier

In der Saison 2007/08 will Japan erstmals seit Jahrzehnten wieder 50 Buckelwale in der Antarktis abschießen. Es könnten dieselben Individuen betroffen sein, die bei pazifischen Inseln während des touristischen Whale Watchings zu beobachten sind. Damit bedroht die Waljagd Japans auch das Einkommen von Menschen in anderen Staaten.

Erst 2005 hatte Japan 10 Finnwale neu auf die Abschussliste gesetzt. Jetzt soll die Zahl auf 50 erhöht werden.

Der japanische Hochseewalfang begann in der Antarktis in den dreißiger Jahren. Wie andere Walfangnationen konzentrierten sich auch die japanischen Walfänger anfangs auf die größten Meeressäuger, auf die Blauwale, die dadurch wenig später kommerziell ausgerottet waren. Seither ist es in der Antarktis ein Glücksfall, auf einen der etwa 500 bis 1.000 noch existierenden Blauwale zu treffen. Danach wurde Walart für Walart ausgebeutet, bis sich die Jagd auf die letzten ihrer Art nicht mehr lohnte.

Biologie der Finnwale

Finnwale werden rund 25 Meter lang und sind schlanker als Blauwale. Beide Arten gehören zu den Furchenwalen. Dieser Name kommt von den Hautfalten an der Unterseite des Kiefers. Mit ihrer Hilfe können die Tiere ihre Kehle wie eine Ziehharmonika ausweiten. In diesem Kehlsack nehmen sie große Mengen Wasser auf und filtern ihre Nahrung (Schwarmfische und Plankton) durch die fasrigen, kammartigen Barten heraus. 2006 nahm auch Island die Finnwaljagd nach langer Pause neu auf.

Buckelwale

Auch sie sind Furchenwale. Der Weltbestand wird auf ca. 12.000 Tiere geschätzt. Greenpeace unterstützt ein Projekt, bei dem 20 Buckelwale im Südpazifik mit Sendern versehen wurden. Im Internet kann nun Jeder mitverfolgen, welche Wege sie auf ihrer Wanderung in die Antarktis genommen haben. Die Daten wurden aber nur zeitversetzt veröffentlicht, damit Japans Walfänger die Tiere nicht aufspüren können.

Minkewaljagd am Südpol

Seit 1987 lässt die japanische Regierung sogenannte Wissenschaftsprogramme in der Antarktis durchführen. Deshalb läuft jedes Jahr im November eine Flotte mit dem Fabrikschiff Nisshin Maru, drei Fangbooten und Sichtungsbooten aus. Zum Ziel wurde erklärt, mehr über die Walpopulationen und ihre Rolle im Ökosystem zu erfahren.

Dafür wurden immer höhere Abschussquoten festgesetzt: Erst fing man pro Jahr 330 Antarktische Minkewale, dann 440, und heute bis zu 935. Hinzu kamen Finn- und nun Buckelwale. Es ist jedoch offensichtlich, dass dieser Walfang kommerziell motiviert ist. Die Walfangflotte kehrt jeweils im April zurück und versorgt den japanischen Markt mit tausenden Tonnen Walfleisch. Die Wissenschaft dient nur als Vorwand, um das weltweite Verbot kommerziellen Walfangs (Moratorium) zu umgehen.

Biologie der Minkewale

Sie sind die kleinsten Furchenwale. Seit rund zehn Jahren unterscheidet die Forschung zwei Arten: Nördliche und Antarktische Minkewale. Letztere werden bis zu zehn Meter lang. Die Nördlichen werden ca. acht Meter lang und von Japan wissenschaftlich im Nordpazifik, sowie von Norwegen und Island im Nordatlantik gejagt. Eine Unterart der Nördlichen lebt auch auf der Südhalbkugel, und auch davon hat Japan Tiere wissenschaftlich erbeutet.

Walfang ist illegal

Um den Schutz der Wale in der Antarktis zu gewährleisten, hat die IWC (Internationale Walfang-Kommission) 1994 die Gewässer rund um den Südpol zu einem internationalen Walschutzgebiet erklärt. Doch Japan pfeift darauf ebenso wie auf das Moratorium der IWC und ihre zahlreichen Resolutionen gegen den japanischen Walfang. Da das internationale Seerecht (UNCLOS) in Fragen des Walfangs die Zusammenarbeit mit der IWC fordert - und ein andauerndes Ignorieren der Beschlüsse eindeutig keine Zusammenarbeit darstellt - verstößt die japanische Fangflotte mit ihrem Walfang gegen das Seerecht: Der japanische Walfang ist illegal.

Pseudo-Wissenschaft

IWC-Wissenschaftler stellten 2007 fest: Japans Forschung in der Antarktis hatte nach 18 Jahren und dem Töten von 6778 Walen keine neuen Erkenntnisse erbracht; keines der Forschungsziele war erreicht worden. Derweil kann Australien durch nichttödliche Forschung genau solche Daten anbieten, wie Japan sie erstrebt. Tödliche Forschung betreibt Japan seit 1994 auch im Nordpazifik. Dabei wurden Quoten und Artenspektrum immer mehr ausgeweitet. Heute stehen auf dem jährlichen Plan: 220 Minkewale, 100 Seiwale, 50 Brydewale und 10 Pottwale.

Keine Bestandszahlen

Die letztgenannten Walarten wurden bereits in der Vergangenheit extrem verfolgt. Japan nahm ihren Fang auf, obwohl die Bestandssituation völlig unklar war. Trotzdem wurde die Seiwal-Quote 2005 sogar von zunächst 50 Tieren auf 100 verdoppelt. Die Nicht-Beachtung internationaler Abkommen zeigt klar, dass Japan den industriellen Walfang in großem Maßstab wieder aufnehmen will.

Biologie der Seiwale

Diese Furchenwale stehen erst seit 2002 auf Japans Forschungsliste, aber schon 2001 wurde ein Seiwal versehentlich abgeschossen, weil man ihn mit einem Brydewal verwechselt hatte, der ähnlich aussieht, aber auf der Oberseite des Kopfes drei Längsleisten trägt, wo der Seiwal nur eine hat. Die viel feineren Barten des Seiwals kann man vom Schiff aus überhaupt nicht erkennen.

Biologie der Brydewale

Diese Art wird seit 2000 wissenschaftlich gejagt. Sie bevorzugt tropische bis subtropische Gewässer und kommt in polaren Breiten nicht vor. Innerhalb der Art gibt es verschiedene Formen. Neuere genetische Analysen unterscheiden auch zwischen Bryde- und Edenwal, die man lange für dieselbe Art hielt. Genetisches Material kann man aus Hautproben gewinnen, ohne die Tiere zu töten.

Biologie der Pottwale

Die Bullen dieser Zahnwale mit klobigem Kopf werden bis zu 20 Meter lang, Weibchen erreichen nur elf Meter Länge. In den 60er Jahren lag die Abschussrate bei 25.000 Tieren jährlich. Die Weibchen bringen nur alle zwei bis drei Jahre ein Kalb zur Welt. Heute wird der Weltbestand auf 360.000 Tiere geschätzt. Pottwale fressen bevorzugt Tintenfische, darunter auch Riesenkalmare, die sie bis in große Tiefen verfolgen. Pottwale können bis 3.000 Meter tief und 1,5 Stunden lang tauchen. Seit 2000 werden sie von Japan wieder bejagt.

Delphine als Sondermüll

Neben den von der IWC geschützten Arten, jagen Japaner auch Kleinwale, deren Jagd nicht von der IWC reguliert wird. Zu ihnen zählt auch der Bairdwal, obwohl er größer wird als Minkewale. Vor allem aber werden ca. 20.000 Delphine und Schweinswale jährlich abgeschlachtet, und den japanischen Verbrauchern auch als Walfleisch untergeschoben.

Dabei sind die Tiere extrem hoch mit langlebigen Giften wie PCB's und Schwermetallen verseucht. Teils müsste das Fleisch eigentlich als giftiger Sondermüll entsorgt werden. Tatsächlich haben manche Geschäfte es aus ihrem Sortiment verbannt. Aber nicht nur für Menschen stellen diese hohen Giftwerte ein unkalkulierbares Risiko dar, sondern auch für die Wale selbst. Solche Gifte können sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit und das Immunsystem der Tiere auswirken. Eventuell ist das auch einer der Gründe, dass sich die stark dezimierten Walbestände kaum noch erholen.

Wale contra Fischer?

Auch die weltweite Überfischung bedroht den Lebensraum der Wale. Durch die verantwortungslose Fischereipolitik zahlreicher Länder - an der Spitze Japan - sind inzwischen etwa 60 Prozent der Fischbestände übernutzt, das heißt den Walen wird die Nahrungsgrundlage entzogen. Da ist es geradezu ein Hohn, wenn Japan, Island und Norwegen behaupten, die Zahl der Wale müsse weiter reduziert werden, damit die Fischer ihr Auskommen haben. Zudem sterben jedes Jahr ca. 300.000 große und vor allem kleine Wale als ungewollter Beifang in Fischernetzen. Da Japan z.T. die Vermarktung solcher Wale erlaubt und auffallend viel Beifang hat, besteht der Verdacht, dass Fischer manche Wale gezielt fangen.

Japans Scheckbuch-Politik

Japan nutzt seine finanziellen Möglichkeiten als Industrienation, um auf internationalen Konferenzen eine Schar von Walfangbefürwortern zu sammeln und so die Mehrheitsverhältnisse zu manipulieren. Das Prinzip ist immer gleich: Ein unterentwickelter kleiner Staat erhält von Japan großzügige Entwicklungshilfe - etwa zum Bau von Fischereihäfen - und stimmt daraufhin für die Wiederaufnahme des Walfangs oder des internationalen Walfleischhandels. Die IWC verurteilte in einer Resolution diesen Stimmenkauf, von dem Greenpeace bereits zahlreiche Fälle dokumentiert hat.

Sollten trotz des Stimmenkaufs in der IWC doch manchmal Regelungen zum Schutz der Wale verabschiedet werden, meldet Japan meist sofort einen Vorbehalt an und fühlt sich nicht mehr an die Abmachung gebunden. Einige Beispiele:

  • 1964 beschließt die IWC ein Jagdverbot für die fast ausgerotteten Blauwale. Japan reicht einen Vorbehalt ein.
  • 1973 wird die Quote für Minkewale auf 5.000 festgelegt. Das ist den Vertretern Japans zu wenig - wieder Vorbehalt und eigenmächtig höhere Quoten.
  • 1986 tritt das Moratorium in Kraft. Die japanische Regierung erhebt für zwei Jahre einen Vorbehalt und lässt (zusammen mit Russland) jeweils 5.000 Wale töten. Danach zieht Japan zwar den Vorbehalt zurück, jagt jedoch unter dem Vorwand der Wissenschaft weiter.
  • Darüber hinaus wird auch das 1994 in Kraft getretene Schutzgebiet um die Antarktis missachtet, denn natürlich haben die japanischen Delegierten auch hier einen Vorbehalt.
  • 2001 und 2004: Resolutionen zum Schutz der nordwestpazifischen Grauwale. Japan legt Vorbehalt ein, obwohl die Tiere akut vom Aussterben bedroht sind.

Jahrzehntelanger Kampf

Greenpeace hat seit Bestehen der Organisation auf allen Ebenen gegen den Walfang gekämpft. Auf allen Weltmeeren haben Greenpeace-Schiffe und Schlauchboote die Walfänger behindert. Daneben war Greenpeace aber auch immer auf den Sitzungen der internationalen Konventionen wie der IWC oder der Artenschutzkonferenz CITES vertreten und hat damit entschieden zum Walfangmoratorium und zur Schaffung der Schutzgebiete in der Antarktis und im Indischen Ozean beigetragen. In Deutschland und in zahlreichen anderen Ländern waren Greenpeace-Aktivisten sowie Kinder und Jugendliche von Kids for Whales auf den Straßen, um die Bevölkerung über den illegalen Walfang zu informieren und zu Postkarten- und Unterschriften-Aktionen aufzurufen.

Greenpeace fordert:

  • Das Ende des kommerziellen Walfangs, auch unter dem Deckmantel der Wissenschaft.
  • Einen globalen Weltpark für Wale.
  • Protest der Bundesregierung auf höchster Ebene gegen den illegalen Walfang und jeglichen Stimmenkauf - mit allen diplomatischen Mitteln.

    Prüfung durch die Bundesregierung (wie schon die USA), inwieweit wirtschaftliche Sanktionen aufgrund des illegalen Walfangs der japanischen Fangflotte möglich sind.

  • Ein weltweites Netz von Meeresschutzgebieten mit dem Verbot zerstörerischer Ausbeutung.

Das können Sie tun:

Beteiligen Sie sich an unseren Online-Aktionen gegen den Walfang und zeigen Sie damit der japanischen Regierung, dass auch Sie dagegen sind.

Schreiben Sie an Bundeskanzlerin Merkel und fordern Sie sie auf, bei der japanischen Regierung gegen den Walfang zu protestieren.

Stand: 11/2007

Hintergrund Meere: Bedeutung und Bedrohung

Die Bedeutung des Meeres für Mensch und Umwelt. Der Mensch braucht lebendige Ozeane im Gleichgewicht. Doch das natürliche Gleichgewicht bringt er zunehmend in Gefahr.

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