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-Aktion gegen den illegalen japanischen Walfänger "Nisshin Maru", Dezember 1999
© Cunningham / Greenpeace

Wildern im Namen der Wissenschaft

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Finn- und Buckelwale im Visier

In der Saison 2007/08 will Japan erstmals seit Jahrzehnten wieder 50 Buckelwale in der Antarktis abschießen. Es könnten dieselben Individuen betroffen sein, die bei pazifischen Inseln während des touristischen Whale Watchings zu beobachten sind. Damit bedroht die Waljagd Japans auch das Einkommen von Menschen in anderen Staaten.

Erst 2005 hatte Japan 10 Finnwale neu auf die Abschussliste gesetzt. Jetzt soll die Zahl auf 50 erhöht werden.

Der japanische Hochseewalfang begann in der Antarktis in den dreißiger Jahren. Wie andere Walfangnationen konzentrierten sich auch die japanischen Walfänger anfangs auf die größten Meeressäuger, auf die Blauwale, die dadurch wenig später kommerziell ausgerottet waren. Seither ist es in der Antarktis ein Glücksfall, auf einen der etwa 500 bis 1.000 noch existierenden Blauwale zu treffen. Danach wurde Walart für Walart ausgebeutet, bis sich die Jagd auf die letzten ihrer Art nicht mehr lohnte.

Biologie der Finnwale

Finnwale werden rund 25 Meter lang und sind schlanker als Blauwale. Beide Arten gehören zu den Furchenwalen. Dieser Name kommt von den Hautfalten an der Unterseite des Kiefers. Mit ihrer Hilfe können die Tiere ihre Kehle wie eine Ziehharmonika ausweiten. In diesem Kehlsack nehmen sie große Mengen Wasser auf und filtern ihre Nahrung (Schwarmfische und Plankton) durch die fasrigen, kammartigen Barten heraus. 2006 nahm auch Island die Finnwaljagd nach langer Pause neu auf.

Buckelwale

Auch sie sind Furchenwale. Der Weltbestand wird auf ca. 12.000 Tiere geschätzt. Greenpeace unterstützt ein Projekt, bei dem 20 Buckelwale im Südpazifik mit Sendern versehen wurden. Im Internet kann nun Jeder mitverfolgen, welche Wege sie auf ihrer Wanderung in die Antarktis genommen haben. Die Daten wurden aber nur zeitversetzt veröffentlicht, damit Japans Walfänger die Tiere nicht aufspüren können.

Minkewaljagd am Südpol

Seit 1987 lässt die japanische Regierung sogenannte Wissenschaftsprogramme in der Antarktis durchführen. Deshalb läuft jedes Jahr im November eine Flotte mit dem Fabrikschiff Nisshin Maru, drei Fangbooten und Sichtungsbooten aus. Zum Ziel wurde erklärt, mehr über die Walpopulationen und ihre Rolle im Ökosystem zu erfahren.

Dafür wurden immer höhere Abschussquoten festgesetzt: Erst fing man pro Jahr 330 Antarktische Minkewale, dann 440, und heute bis zu 935. Hinzu kamen Finn- und nun Buckelwale. Es ist jedoch offensichtlich, dass dieser Walfang kommerziell motiviert ist. Die Walfangflotte kehrt jeweils im April zurück und versorgt den japanischen Markt mit tausenden Tonnen Walfleisch. Die Wissenschaft dient nur als Vorwand, um das weltweite Verbot kommerziellen Walfangs (Moratorium) zu umgehen.

Biologie der Minkewale

Sie sind die kleinsten Furchenwale. Seit rund zehn Jahren unterscheidet die Forschung zwei Arten: Nördliche und Antarktische Minkewale. Letztere werden bis zu zehn Meter lang. Die Nördlichen werden ca. acht Meter lang und von Japan wissenschaftlich im Nordpazifik, sowie von Norwegen und Island im Nordatlantik gejagt. Eine Unterart der Nördlichen lebt auch auf der Südhalbkugel, und auch davon hat Japan Tiere wissenschaftlich erbeutet.

Walfang ist illegal

Um den Schutz der Wale in der Antarktis zu gewährleisten, hat die IWC (Internationale Walfang-Kommission) 1994 die Gewässer rund um den Südpol zu einem internationalen Walschutzgebiet erklärt. Doch Japan pfeift darauf ebenso wie auf das Moratorium der IWC und ihre zahlreichen Resolutionen gegen den japanischen Walfang. Da das internationale Seerecht (UNCLOS) in Fragen des Walfangs die Zusammenarbeit mit der IWC fordert - und ein andauerndes Ignorieren der Beschlüsse eindeutig keine Zusammenarbeit darstellt - verstößt die japanische Fangflotte mit ihrem Walfang gegen das Seerecht: Der japanische Walfang ist illegal.

Pseudo-Wissenschaft

IWC-Wissenschaftler stellten 2007 fest: Japans Forschung in der Antarktis hatte nach 18 Jahren und dem Töten von 6778 Walen keine neuen Erkenntnisse erbracht; keines der Forschungsziele war erreicht worden. Derweil kann Australien durch nichttödliche Forschung genau solche Daten anbieten, wie Japan sie erstrebt. Tödliche Forschung betreibt Japan seit 1994 auch im Nordpazifik. Dabei wurden Quoten und Artenspektrum immer mehr ausgeweitet. Heute stehen auf dem jährlichen Plan: 220 Minkewale, 100 Seiwale, 50 Brydewale und 10 Pottwale.

Keine Bestandszahlen

Die letztgenannten Walarten wurden bereits in der Vergangenheit extrem verfolgt. Japan nahm ihren Fang auf, obwohl die Bestandssituation völlig unklar war. Trotzdem wurde die Seiwal-Quote 2005 sogar von zunächst 50 Tieren auf 100 verdoppelt. Die Nicht-Beachtung internationaler Abkommen zeigt klar, dass Japan den industriellen Walfang in großem Maßstab wieder aufnehmen will.

Biologie der Seiwale

Diese Furchenwale stehen erst seit 2002 auf Japans Forschungsliste, aber schon 2001 wurde ein Seiwal versehentlich abgeschossen, weil man ihn mit einem Brydewal verwechselt hatte, der ähnlich aussieht, aber auf der Oberseite des Kopfes drei Längsleisten trägt, wo der Seiwal nur eine hat. Die viel feineren Barten des Seiwals kann man vom Schiff aus überhaupt nicht erkennen.

  • Japanische Walfänger auf dem Fangschiff "Nisshin Maru", Januar 200

    Japanische Walfänger

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  • Ein Wal wird an Deck des japanischen Fabrikschiffes Nisshin Maru zerlegt, Februar 1995

    Walfang in der Antarktis

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