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Südkorea will Wale jagen

Die Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) treffen sich derzeit in Panama City/Panama, um über Belange rund um den Walfang zu entscheiden. Ein wichtigter Punkt, die Abstimmung über das Walschutzgebiet im Südatlantik, ist bereits gescheitert. Für den nächsten Skandal sorgt Südkorea: Die Delegation kündigte an, den Walfang wieder aufzunehmen.

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Ein fataler Rückschritt für die IWC: Südkorea will dem Beispiel Japans folgen und in den sogenannten wissenschaftlichen Walfang einsteigen. Bemerkenswert dabei ist die Begründung Südkoreas. Der Chefdelegierte des Landes, Joon-Suk Kang, behauptete in seiner Rede, dass es wieder genügend Minkewale in den Gewässern um Südkorea gäbe.

Zusätzlich führte er wiederholte Beschwerden südkoreanischer Fischer an. Diese klagen, die zahlreichen Wale würden ihnen - und der gesamten Menschheit - den Fisch wegfressen. Und Kang hält den kommerziellen Walfang für die Lösung diese Problems, so könnten die vielen Wale wenigstens genutzt werden.

Doch da gibt es ein Problem: Der kommerzielle Walfang ist seit 1986 verboten. Damals beschloss die IWC ein Walfang-Moratorium. Doch um eine Ausrede ist die südkoreanische Delegation dank Japans nicht verlegen: auch sie wollen zukünftig wissenschaftlichen Walfang betreiben.

Wale für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich zu machen, ist so, als wollte man Spechte für die Endwaldung des Planeten belangen, sagt Greenpeace-Walexperte Thilo Maack. Der von Südkorea ins Visier genommene Minkewal-Bestand wird von der IWC sogar als bedroht eingestuft.

Das es sich beim Wissenschaftswalfang um nichts anderes als kommerziellen Walfang im Gewande der Forschung handelt, ist ein seit Jahren offenes Geheimnis. Bis die südkoreanische Ankündigung umgesetzt ist, bedarf es aber noch weiterer Schritte, u.a. muss sich das Wissenschaftskomitee der IWC damit beschäftigen. Traurigerweise kann man Korea aber formaljuristisch nicht daran hindern, zukünftig Wale zu offiziell wissenschaftlichen Zwecken zu töten.

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