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Südkorea: Walschutzgebiet oder Walfriedhof?

Greenpeace und südkoreanische Umweltschützer haben einen makabren Plan enthüllt: In Ulsan, wo in diesem Jahr die Internationale Walfangkommission (IWC) tagt, soll eine neue Walfleischfabrik gebaut werden. 50 Aktivisten schlagen Alarm gegen dieses Vorhaben. Sie haben auf dem vorgesehenen Gelände ein Camp errichtet: eine Botschaft für die Wale.

In Ulsan sind die Vorbereitungen für die diesjährige Tagung der IWC in vollem Gange: Ein Wale-Museum befindet sich im Bau, die Einrichtung eines Meeresparks wird vorbereitet. Die Stadt der Wale, wie sie sich gern nennt, will ihrem Namen Ehre machen.

In aller Stille aber hat die südkoreanische Regierung den Weg für ein zweites Vorhaben geebnet. Die geplante neue Walfleischfabrik droht aus der Stadt der Wale wieder die Stadt des Walfangs zu machen: Ulsan war vor dem Verbot des kommerziellen Walfangs das Herz der südkoreanischen Walfangindustrie. Etliche Walfleischrestaurants zeugen noch davon.

Greenpeace ebenso wie die Korean Federation for Environment Movement (KFEM) fürchten, dass sich hier ein unheilvoller Trend für die IWC-Konferenz ankündigt. Jim Wickens, Meeresexperte von Greenpeace International, fragt sich: Warum sollte die südkoreanische Regierung in eine brandneue Fleischfabrik investieren, wenn nicht um ihre Walfangindustrie wieder aufzubauen? Wenn es sich nicht so verhält, dann soll sie das laut und deutlich sagen.

Korea hat zwar nach offiziellen Angaben noch nicht entschieden, wie es auf der IWC stimmen wird. Aber die Regierung fördert schon jetzt den nationalen Handel mit dem Fleisch von Walen und Delfinen, die zufällig, als so genannter Beifang, in Fischernetzen verendet sind.

Wirklich zufällig? Offiziellen Statistiken ist zu entnehmen, dass sich vor der südkoreanischen Küste sehr viel mehr Wale und Delfine in Fischernetzen verfangen als vor den Küsten von Staaten, die keinen Markt für das Fleisch bieten. Gleichzeitig beobachten Forscher mit Sorge, dass die Walbestände in der Region trotz des Verbots des kommerziellen Walfangs immer kleiner werden.

Wale in koreanischen wie in anderen Gewässern brauchen dringend Schutz, sagt Choi Ye-Yong von der KFEM. Lasst uns aus unseren Ozeanen ein Walschutzgebiet machen, keinen Walfriedhof. Als Mahnmal haben die 50 Aktivist/innen von Greenpeace und der KFEM im Protestcamp einen zwölf Meter hohen Leuchtturm aufgebaut. Auf dem felsigen Grund verteilt warnen hölzerne Walfluken vor dem drohenden Walfriedhof.

Publikationen

Die internationale Walfang-Kommission (IWC)

Die IWC wurde 1948 gegründet und hatte ursprünglich 14 Vertragsstaaten. Die Zielsetzung ist: Ausarbeitung aller Bestimmungen zum Thema Wale, die Unterstützung der Wissenschaftlichen Forschung und die Sicherung der Walbestände.

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