Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Australien gibt grünes Licht für Versenkung von Erdaushub

Great Barrier Riff in Gefahr

Umweltschützer protestieren: An der australischen Nordostküste sollen rund drei Millionen Kubikmeter Meeresboden abgeladen werden. Die Entscheidung folgt auf einen Beschluss der australischen Regierung, die im Dezember den Ausbau eines Kohle-Hafens unweit des weltberühmten Korallenriffs genehmigt hatte. Der Erdaushub soll etwa drei Kilometer vor der Küste abgelagert werden. Umweltschützer reagieren empört, für Greenpeace ist es eine "Peinlichkeit von internationalem Ausmaß".

  • /

Es geht um drei Millionen Tonnen Schlamm, die in das Meeresreservat gekippt werden sollen, das zum Unesco-Weltnaturerbe zählt. Laut der zuständigen Behörde ist nur ein Drittel des Naturparks - der etwa so groß ist wie Deutschland - streng geschützt. Die übrige Fläche dürfe daher für andere Zwecke verwendet werden. Der erweiterte Hafen soll der Erschließung von Kohle im Volumen von 28 Milliarden US-Dollar dienen.

Die Entscheidung des Umweltministers Greg Hunt, die Industrialisierung des Reefs zu erlauben, bringt die Umwelt in massive Gefahr. "Minister Hunt ignoriert wissenschaftliche Beweise und zeigt den Bedenken seriöser Wissenschaftler, Touristenverbände und Fischer über den Einfluss der Baggerungen auf das sensible Ökosystem eine lange Nase", so Greenpeace Queensland Campaigner, Louise Matthiesson. "Mit den Baggerungen am Abbot Point, 50 Kilometer vor den Whitsunday Inseln, stellt der Umweltminister die Interessen der Kohlelobby über den Schutz des Great Barrier Reef."

Befürworter des Projekts argumentieren mit den zu erwartenden Wirtschaftseinnahmen: Die Häfen entlang des Great Barrier-Riffs exportierten Rohstoffe, die der australischen Wirtschaft jedes Jahr 26 Milliarden Euro einbrächten, meinte der Vorsitzende des Rohstoffverbands in Queensland, Michael Roche.

Der größte Angeklagte in diesem Fall ist die indische Adani-Gruppe. Sie steht mit dem Vorhaben, den Meeresboden vor der Küste auszubaggern, in der Kritik. Größere Kohlefrachter können so im Hafen anlegen und die Kapazität des Hafens um 70 Prozent ausgebaut werden.

Das Great Barrier-Riff ist das größte Korallen-Ökosystem der Welt. Es erstreckt sich über 2300 Kilometer entlang der Ostküste Australiens. Es ist ein beliebtes Touristenziel, aber durch den Klimawandel und Umweltverschmutzung stark bedroht. Das Riff ist von der UN-Organisation Unesco als Weltnaturerbe anerkannt. Allerdings ist der Status in Gefahr, wie die Unesco gewarnt hat. Sie verlangte umfangreiche Schutzmaßnahmen. "Das World Heritage Committee wird im Juni nächsten Jahres entscheiden, ob das Reef als "gefährdet" eingestuft wird. Diese Entscheidung wird dann hoffentlich die Alarmglocken bei der internationalen Gemeinschaft klingeln lassen", so Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace Deutschland.

 

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Schutz den Meeresschutzgebieten in Nord- und Ostsee

Meeresschutz findet in Deutschland nur auf dem Papier statt: In den zehn Offshore-Schutzgebieten in Nord- und Ostsee sind auch acht Jahre nach ihrer Ausweisung keinerlei Schutzmaßnahmen in Kraft.

Mehr zum Thema

Löchrige Lebensversicherung

Eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Wissenschaft fordert ein radikales Umdenken. Was der Weltbiodiversitätsrat empfiehlt, erzählt Christoph Thies von Greenpeace.

Zum Wegkrabbeln

Keine Ausreden mehr: Wissenschaftler haben weltweit den Zustand der Arten bewertet, die Fakten sind bekannt. Christoph Thies von Greenpeace erzählt, was das bedeutet.

Baby-Brei fürs Fischgericht

In China werden jährlich vier Millionen Tonnen junger Wildfische zu Brei zermahlen und an Fische in Aquakulturen verfüttert. Ein Desaster für das Ökosystem Meer.