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CITES 2004: Chance für die Opfer der Profitgier

Ab Sonnabend wird es in Bangkok (Thailand) spannend. Dann tagt die 13. CITES-Konferenz zum Schutz bedrohter Tiere und Pflanzen. Für den Weißen Hai, den Afrikanischen Elefanten oder den seltenen Irawadi-Delfin könnte CITES das Überleben bedeuten. Alle drei Tierarten sind durch den internationalen Handel massiv bedroht.

Nach dem Rauschgifthandel ist der verbotene Handel mit Tier- und Pflanzenarten die größte illegale Wirtschaftsbranche der Welt. Es wird getötet, geschmuggelt, verkauft und gekauft, was das Zeug hält. Die Zahl der illegal gehandelten Pflanzen und Tiere geht ins Hundertmillionenfache. Jedes Jahr werden auf diese Weise mehr als 200 Milliarden US-Dollar umgesetzt.

CITES - die internationale Bezeichnung für das Washingtoner Artenschutzabkommen (WA) - regelt seit 1973 den internationalen Handel mit gefährdeten wild lebenden Arten. Oder versucht zumindest, ihn zu regeln. Das Abkommen schützt zurzeit rund 8.000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten. Je nach Grad der Gefährdung sind sie in den Anhängen 1 bis 3 gelistet. Den stärksten Schutzstatus bietet Anhang 1.

CITES ist ein rechtsverbindliches Abkommen, das unbedingt genutzt werden muss, um dem maßlosen Handel mit Tieren und Pflanzen Einhalt zu gebieten - bevor sie ausgerottet sind, sagt Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack. Es ist sehr wichtig, dass Arten wie der Weiße Hai endlich international geschützt werden!

Für die 13. CITES-Konferenz in Bangkok vom 2. bis 14. Oktober 2004 stehen bereits 50 Anträge zur Diskussion. So müssen die 166 Mitgliedsstaaten beispielsweise über die Herauflistung des Irawadi-Delfins von Anhang 2 auf Anhang 1 entscheiden. Der Antrag wurde von Thailand eingebracht und wird von Greenpeace unterstützt. Um ihn durchzusetzen, ist wie in jedem Fall eine Zweidrittelmehrheit nötig.

Irawadi-Delfine leben an den Küsten Südostasiens und Nordaustraliens, einige Populationen auch in großen Flüssen wie dem Mekong oder Mahakam. Den Tieren droht Gefahr von mehreren Seiten: Sie sterben als Beifang in Fischereinetzen, verlieren durch Überfischung ihre Nahrung, werden durch Dämme, Industrieansiedlungen, Flussverschmutzung und Lärm aus ihrem Lebensraum vertrieben und sind in Asien besonders beliebt für Delfinarien.

Greenpeace unterstützt unter anderem auch die Anträge zur Aufnahme des Napoleonfischs und des Weißen Hais in Anhang 2 des Abkommens. Der Napoleonfisch lebt in den Korallenriffen des Indischen und des Pazifischen Ozeans. Er wird bis zu zweieinhalb Meter lang, einen Meter hoch und 200 Kilogramm schwer. In Hongkong und China gilt der Fisch als Delikatesse. Die Bestände sollen mittlerweile durch Überfischung um 90 Prozent zurückgegangen sein.

Unterstützenswert sind auch die Anträge Indonesiens, einige tropische Holzarten in Anhang 2 aufzunehmen: Agar-, Adler- und Raminholz. Japans Wunsch, Minkewale von Anhang 1 in 2 herunterzustufen, lehnt Greenpeace allerdings ab. (sit)

Artenschutz oder Artenhandel?

Greenpeace-Schwerpunkte für CITES

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