Skip to main content
Jetzt spenden
Schlauchboot und Taucher; Entnahme von Wasserproben
Daniel Müller / Greenpeace

Nitratbelastung in der Ostsee

Dunkel und leblos ist der Meeresgrund. Wo einst Seegras und Faseralgen wuchsen, Miesmuscheln und Seesterne einen Lebensraum hatten, finden die Greenpeace-Taucher in der Wohlenberger Wiek vor Niendorf nur noch Schlamm, schwarz gefärbt von Eisensulfid und bedeckt mit sulfatreduzierenden Bakterien. Gut 20 Meter tief ist die Ostsee in diesem Teil der Lübecker Bucht. Ab etwa 12 Meter sinkt hier die Sauerstoffkonzentration. Am Meeresboden werden weniger als zwei Milligramm Sauerstoff pro Liter gemessen ­– zu wenig für bodenbelebende Pflanzen und Tiere. Nur noch Bakterien können hier existieren. Wesentliche Ursache solcher „toten Zonen“: Der zu hohe Nährstoffeintrag durch Gülle und Überdüngung aus der industriellen Landwirtschaft. Das zeigt ein aktueller Greenpeace-Report.

Multiresistente Keime und Nitrat kommen aus der Landwirtschaft

Der „Ostsee-Report: Tote Zonen vor der Küste“ fasst die Ergebnisse einer mehrwöchigen Messtour mit dem Greenpeace-Schiff Beluga zusammen. Experten hatten zwischen September 2018 und Februar 2019 knapp 200 Wasserproben in der Ostsee vor den Küsten von Deutschland, Polen und Dänemark genommen. Untersucht wurden der Sauerstoffgehalt in den Küstengewässern sowie die Belastung der Ostseezuflüsse mit den Nährstoffen Phosphor und Nitrat sowie mit Pestiziden, Tierarzneimitteln und multiresistenten Keimen. Anfang 2019 wurden in einer zweiten Untersuchungsreihe Nährstoffe in Proben aus Zuflüssen der Ostsee analysiert.

Die Ergebnisse zeigen: Mit den Flüssen kommen Nährstoffe in die Ostsee. Gülleflut und Überdüngung aus der Landwirtschaft tragen zum schlechten Zustand der Ostsee bei, und zwar deutlich mehr als der Nährstoffeintrag über die Luft. In den Proben wurden zusätzlich auch Pestizide sowie multiresistente Keime nachgewiesen, die nur aus der Landwirtschaft stammen können.

Sauerstoffmangel führt zu "Toten Zonen"

 „Tote Zonen“ entstehen folgendermaßen: Das Überangebot von Nährstoffen wie Nitrat und Phosphat führt dazu, dass sich Algen und Cyanobakterien übermäßig vermehren. Diese Algenblüte produziert zwar in den oberen Wasserschichten Sauerstoff. Doch wenn die Einzeller absterben, sinken sie in großer Zahl zu Boden. Der mikrobielle Abbau der Biomasse verbraucht Sauerstoff – in manchen Gebieten so viel, dass  das marine Leben in Nord- und Ostsee regional abstirbt.

Als relativ kleines und flaches Meer, umgeben von viel landwirtschaftlich genutzter Landmasse, ist die Ostsee dem menschlichen (Gülle-)Einfluss besonders ausgesetzt. Ihre Todeszonen haben sich in den vergangenen hundert Jahren auf gut 60.000 Quadratkilometer verzehnfacht. Das heißt: Auf einer  Fläche zweimal so groß wie Belgien ist die normale Bodenflora und -fauna zerstört.

Klimakrise beschleunigt Algenwachstum

Verschärft wird das Problem durch den Klimawandel. Denn das wärmere Wasser führt zu immer früheren und immer längeren Algenblüten. Auch kann warmes Wasser per se schon weniger Sauerstoff aufnehmen als kaltes. „Gerade in Zeiten des Klimawandels ist es absolut notwendig, dass Deutschland seine Düngeverordnung drastisch verschärft und den Tierbestand reduziert“ fordert Manfred Santen, Chemieexperte von Greenpeace. „Nur so kann das massive Absterben der Bodenlebewelt in der Ostsee gestoppt werden.“

"https://arcgis.com/apps/View/index.html?appid=e384d4c70a744c0cb8fc4f453…;

Die Karte zeigt die Messpunkte der Probenahmen sowie die gefundenen Sauerstoff (Oxygen)- und Stickstoff (Nitrogen)-Konzentrationen.

  • Greenpeace-Crew um ostseekarte

    Lagebesprechung

    Überspringe die Bildergalerie
  • Wasserprobe in Analysegerät

    Täter: Landwirtschaft

    Überspringe die Bildergalerie
  • Seegraswiese mit Fischen und Muscheln

    Gesunder Boden

    Überspringe die Bildergalerie
  • Ostseeboden, der tot ist, nur brauner Schlamm mit schwarzen Stellen

    Toter Boden

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie
Ostsee-Report

Ostsee-Report

35 | DIN A3

8.39 MB

Herunterladen

Petition

https://act.greenpeace.de/vw-klage

Für ein Recht auf Zukunft, nicht Verbrenner

Für ein Recht auf Zukunft, nicht Verbrenner. Greenpeace klagt gemeinsam mit mit dem Bio-Landwirt Ulf Allhoff-Cramer und Fridays for Future-Klimaaktivistin Clara Mayer mehr Klimaschutz bei Volkswagen ein. Unterstützen Sie die Klage mit Ihrer Unterschrift!

Unterstützen Sie die Klage gegen VW

0% vom Ziel erreicht

0 haben mitgemacht

0%

Mehr zum Thema

Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand Greenpeace Deutschland

Koalitionsbeschluss: Interview mit Martin Kaiser

  • 29.03.2023

Gestern verkündete die Ampel die Ergebnisse ihres Koalitionsausschusses. Mit verheerenden Beschlüssen zum Klimaschutz. Greenpeace-Chef Martin Kaiser im Interview.

mehr erfahren
Windräder vor Sonnenuntergang

Was ist der Treibhauseffekt?

  • 27.03.2023

Licht ist die Quelle allen Seins auf unserem Planeten. Dass es auf der Erde ein Klima gibt, in dem Menschen, Tiere und Pflanzen leben können, hängt mit unserer Erdatmosphäre zusammen.

mehr erfahren
Drought in Northern Italy

IPCC - Sachstandsbericht 6

  • 20.03.2023

Der neue Klimabericht der UN, der sogenannte IPCC-Bericht, liegt vor. Und wieder warnen die Wissenschaftler deutlicher als je zuvor vor den Folgen der Klimakrise.

mehr erfahren
Podium der 21. Klimaschutzkonferenz in Paris 2015

Klimakonferenz

  • 20.03.2023

Schon in den siebziger Jahren erkannten Forscher: Der Klimawandel wird eine ernste, weltweite Bedrohung für Mensch und Natur. Daher wurde 1979 die erste Klimakonferenz in Genf einberufen.

mehr erfahren
Rhein bei Duisburg Bruckhausen, Thyssenkrupp Steel Stahlwerk, Hochöfen, Sinteranlage, Kokerei Schwelgern, Ablöschwolke, Frachtschiffe

Unvermeidbare Restemissionen

  • 13.03.2023

Sogenannte “unvermeidbare Restemissionen” sollen in CO2-Speichern unter dem Meer verpresst werden. Doch wie viele sind wirklich unvermeidbar? Gibt es Alternativen? Fakten zur aktuellen CCS-Debatte.

mehr erfahren
Schmelzendes Meereis bei Grönland 07/30/2009

Eisschwund in Arktis und Antarktis

  • 10.02.2023

Für das Meereis in der Nordpolarregion ist keine Erholung in Sicht. Der Tiefstand 2022: 4,79 Millionen Quadratkilometer.

mehr erfahren