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Fotomontage Vermögensverwalterlogos auf Schaufelradbagger
Daniel Rosenthal/Greenpeace [Fotomontage]

Deutsche Fondsgesellschaften investieren in die Klimakrise

Deutschlands Top-Vermögensverwalter stecken trotz öffentlicher Klimaschutzbekenntnisse rund 13 Milliarden US-Dollar in Unternehmen, die den Ausbau fossiler Brennstoffe vorantreiben. Das zeigt ein gemeinsamer Report von Greenpeace, urgewald und Reclaim Finance von Oktober 2022. 

Der Report “German asset management and fossil fuel expansion nimmt die Schwergewichte unter den deutschen Fondsgesellschaften unter die Lupe und deckt Greenwashing im großen Stil auf.  Im Fokus der Analyse stehen die vier größten deutschen Vermögensverwalter:

  • DWS Group (Tochter der Deutschen Bank), verwaltetes Vermögen: ca. 833 Milliarden Euro
  • Allianz Global Investors (Tochter der Allianz Versicherung und Schwester von PIMCO [USA]) - verwaltetes Vermögen: ca. 578 Milliarden Euro
  • Union Investment (im Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken, Tochter der DZ Bank) - verwaltetes Vermögen: ca. 415 Milliarden Euro
  • Deka Investments (in der Sparkassen-Finanzgruppe, Tochter der DekaBank) - verwaltetes Vermögen: ca. 290 Milliarden Euro

Eine deutsche Zusammenfassung des Reports finden Sie hier

    German Asset Management and fossil fuel expansion

    German Asset Management and fossil fuel expansion

    Germany's largest asset managers Allianz Global Investors (AGI), Deka Investments, Union Investment and DWS are unrestrictedly investing in the companies with the biggest coal, oil and gas expansion plans. Their behavior undermines their official pledges to meet the 1.5-degree climate target.

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    Zusammenfassung Report deutsche Asset Manager

    Zusammenfassung Report deutsche Asset Manager

    Die größten deutschen Vermögensverwalter Allianz Global Investors (AGI), Deka Investment, Union Investment und DWS investieren massiv in fossile Energieunternehmen und unterlaufen damit ihr offizielles Bekenntnis zum 1,5-Grad-Klimaziel. Das zeigt ein gemeinsamer Report von Greenpeace, Reclaim Finance und Urgewald.

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    Das Ergebnis des Branchenvergleichs

    Klimaschädliche Investitionen deutscher Fondsgesellschaften im Vergleich

    Klimaschädliche Investitionen deutscher Fondsgesellschaften im Vergleich. Um das 1,5-Grad-Klimaziel zu halten, dürfte es keine weiteren Investitionen in die Exploration und Erschließung neuer Kohle-, Öl- und Gasvorkommen geben.

    Egal, ob Deka, Union Investmentment, DWS oder Allianz: Sie alle haben gemein: Es besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen Bekenntnissen zum Klimaschutz und dem faktischen Umgang mit besonders klimaschädlichen, expandierenden fossilen Unternehmen. So haben sich alle vier imagewirksam unter anderem in der Net Zero Asset Managers Initiative (NZAM) verbindlich zur Unterstützung des Pariser 1,5-Grad-Ziels bekannt. Ein Blick in ihre Anlagerichtlinien zeigt jedoch, dass die Vermögensverwalter dieses Klimaversprechen aktiv unterlaufen:

    • Während sich AGI, Deka Investments und Union Investment moderate generelle Beschränkungen für Investitionen in Kohleunternehmen gegeben haben, finden sich bei der DWS keine allgemeingültigen Auflagen. 
    • Keiner der vier Asset Manager besitzt eine Strategie zur Beschränkung der Investitionen in expandierendes Öl- und Gasgeschäft. 

    Hinzu kommt: Um das 1,5-Grad-Klimaziel zu halten, dürfte es keine weiteren Investitionen in die Exploration und Erschließung neuer Kohle-, Öl- und Gasvorkommen geben, das ist wissenschaftlicher Konsens, wie ihn zum Beispiel auch der Weltklimarat IPPC bestätigt. Jede einzelne der untersuchten Fondsgesellschaften investiert jedoch mit massiven Summen in die Klimakrise.

    • Im Vergleich gehen die meisten klimaschädlichen Investments auf das Konto der Deutsche Bank-Tochter DWS mit 7,5 Mrd. Dollar (7,8 Mrd. Euro) Aktien- und Anleihenbesitz in expandierende fossile Unternehmen (Stand September 2022). 
    • Gefolgt von Union Investment mit 2,0 Mrd. Dollar (2,0 Mrd. Euro), 
    • Allianz Global Investors mit 1,6 Mrd. Dollar (1,7 Mrd. Euro) 
    • und Deka Investments mit 1,4 Mrd. Dollar (1,5 Mrd. Euro).

    Die DWS - Greenwashing mit System?

    Auffällig ist die Rolle der DWS, die im neuen Report besonders negativ heraussticht. Gegen das Tochterunternehmen der Deutschen Bank wird - ebenfalls wegen Greenwashing in einem anderen Fall - bereits offiziell ermittelt. Die frühere Nachhaltigkeitschefin der DWS brachte den Stein ins Rollen. Sie erhob schwerwiegende Vorwürfe wegen Etikettenschwindel bei den Nachhaltigkeitsangaben von Investments. Inzwischen untersuchen die US-Börsenaufsicht SEC und die deutsche Finanzaufsicht BaFin den Fall.  Auch im neuen Report von Greenpeace, urgewald und Reclaim Finance belegt die DWS den schlechtesten Platz im Klimasünder-Ranking.

    Staff Portrait of Mauricio Vargas
    “Angesichts des jüngsten Greenwashing-Skandals bei der DWS wiegt es besonders schwer, dass die Deutsche Bank-Tochter auch beim Klimaschutz das Schlusslicht der Branche bildet. Das ist ein weiterer Fall von Grünfärberei, den die DWS schleunigst korrigieren sollte. Greenwashing ist kein Kavaliersdelikt, sondern Betrug an Menschen und Klima.”

    Mauricio Vargas

    Finanzexperte von Greenpeace

    Staff Portrait of Mauricio Vargas
    Zitat
    “Angesichts des jüngsten Greenwashing-Skandals bei der DWS wiegt es besonders schwer, dass die Deutsche Bank-Tochter auch beim Klimaschutz das Schlusslicht der Branche bildet. Das ist ein weiterer Fall von Grünfärberei, den die DWS schleunigst korrigieren sollte. Greenwashing ist kein Kavaliersdelikt, sondern Betrug an Menschen und Klima.”
    Zitatinhaber, Vorname Nachname
    Mauricio Vargas
    Position des Zitatinhabers
    Finanzexperte von Greenpeace

    Aktuelle Greenpeace-Kampagne

    DWS-Symbolbild 2

    Deutsche Bank-Tochter DWS: Greenwashing ist Betrug!

    Deutschlands größter Vermögensverwalter DWS (Deutsche Bank) investiert trotz Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel in die Klimakrise. Alles zur Greenpeace-Kampagne gegen Greenwashing im Finanzsektor.

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    Was jetzt geschehen muss

    Greenpeace, Reclaim Finance und urgewald fordern: Die Vermögensverwalter müssen sich Mindestkriterien für ihre Klimastrategien geben und dazu folgende Schritte in die Wege leiten:

    1. Die Vermögensverwalter brauchen einen verbindlichen Plan für den sofortigen Stopp aller neuen Investitionen in Unternehmen, die an der Expansion von Kohle, Öl und Gas beteiligt sind. Der Plan muss den sofortigen Ausschluss von Unternehmen beinhalten, die eine Expansion ihres Kohlegeschäfts planen, und eine zeitnahe Frist für Unternehmen, die eine Expansion von Öl- und Gasprojekten vorantreiben.
    2. Für das Engagement mit den verbleibenden Energieunternehmen mit schrumpfenden fossilen Geschäften müssen die Vermögensverwalter eine klare und glaubwürdige Strategie zur Emissionsreduktion entwickeln, die bei Verfehlung durch die Unternehmen auch deren Veräußerung als Option beinhaltet.

    Aktionsplan für Asset Manager - raus aus Kohle, Öl und Gas

    Fondsgesellschaften kommt eine besondere Verantwortung zu, nicht nur wirtschaftlich und gesellschaftlich, sondern gerade auch treuhänderisch: Ihr Pflicht ist es, das anvertraute Vermögen im Einklang mit der geltenden Gesetzeslage zu verwalten und Risiken zu reduzieren. Was sind die wichtigsten ersten Schritte hin zu einer klimaverträglichen Fondspalette? Greenpeace hat dazu einen sofort anwendbaren Ausstiegsplan speziell für Asset manager entwickelt, basierend auf den aktuellen Erkenntnissen der Klimawissenschaft. Eine Blaupause, um den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas in die Wege zu leiten. 

    Blaupause für Fondsgesellschaften: Richtlinie für Kohle, Öl und Gas

    Blaupause für Fondsgesellschaften: Richtlinie für Kohle, Öl und Gas

    Greenpeace hat einen Ausstiegsplan aus fossilen Energien entwickelt, den Fondsgesellschaften sofort einführen können. Er enthält erste notwendige Schritte, um auf das 1,5 Grad Klimaziel zu kommen. Dazu nennt das Papier auch Kriterien für den Umgang von Vermögensverwaltern mit klimaschädlichen Energieunternehmen.

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    Finanzwende selber machen - was kann ich als Verbraucher:in tun?

    Das Geldvermögen der Privathaushalte in Deutschland summiert sich laut Bundesbank auf 7.588 Milliarden Euro. Weniger als fünf Prozent davon folgen nachhaltigen Anlagekriterien. Der Großteil finanziert also skrupellose Firmen, die Mensch und Natur ausbeuten und die Klimakrise anheizen. Wer selbst einen Beitrag zur Finanzwende leisten möchte, kann beispielsweise seine eigenen Geldanlagen überprüfen. Vom Girokonto über Einzahlungen in die Altersvorsorge bis hin zu Aktien - in der Regel finanziert die Geldanlage häufig klimafeindliche Unternehmen mit. Es lohnt sich deshalb, auch als private:r Investor:in einen kritischen Blick auf die eigenen Geldanlagen werfen. Greenpeace hat in einem Online-Guide Tipps zum Einstieg in die grüne Geldanlage zusammengetragen.

     

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    Gut zu wissen

    Was machen Vermögensverwalter?

    Vermögensverwalter, im Fachjargon auch Asset Manager genannt, verwalten im Auftrag ihrer Kund:innen treuhänderisch deren Vermögen und investieren es an den internationalen Kapitalmärkten. Die Fondsgesellschaften arbeiten für private Anleger:innen, aber auch zum  Beispiel für  Versicherungen oder Pensionsfonds. Um Gelder einzusammeln, vertreiben sie Finanzprodukte wie Investmentfonds oder ETFs. 

     

    Welchen Einfluss haben Asset Manager?

    Vermögensverwalter haben nach Zahlen der Boston Consulting Group 2021 weltweit Vermögen im Wert von über 100 Billionen Euro verwaltet. Große Vermögensverwalter wie Blackrock oder die DWS gelten bei vielen gelisteten Unternehmen als die größten und wichtigsten Anteilseigner.

    Was bedeutet Divestment aus fossilen Energien?

    Dies bezieht sich auf die zeitnahe Veräußerung von Aktien und Anleihen (oder anderen Vermögensgegenständen) von Unternehmen, deren Geschäftsfeld die Extraktion, Verarbeitung und der Vertrieb fossiler Energieträger ist, wie z.B. Mineralöl, Erdgas und Kohle.