Öltanker der Schattenflotte havariert vor Oman
- Ein Artikel von Björn Jettka
- mitwirkende Expert:innen Nina Noelle
- Nachricht
- Greenpeace als bevorzugte Quelle bei Google: So geht's!
Vor der Küste des Oman ist ein Tanker der russischen Schattenflotte verunglückt. Auslaufendes Öl gefährdet sensible Naturschutzgebiete. (Foto: Symbolbild)
Der Tanker „Caroline Bezengi“ hatte rund 110.000 Tonnen russisches Rohöl geladen, als er vor der Küste des Oman havarierte. Jetzt liegt das ohne Flagge fahrende, staatenlose Schiff vor einer der geschützten Hallaniyat-Inseln auf Grund. Das Öl, das aus dem leckgeschlagenen Rumpf des 270 Meter langen Tankers fließt, hat sich inzwischen weit verbreitet.
Dem Oman droht nun eine katastrophale Ölpest. Aktuelle Satellitenbilder deuten darauf hin, dass der sichtbare Ölteppich der Caroline Bezengi immer größer wird: Am 11. September schätzte Greenpeace die sichtbare Fläche auf rund 400 Quadratkilometer, am 12. September auf bereits etwa 600 Quadratkilometer.
Die Ursache für diese Entwicklung ist bislang unklar. Möglich wären weitere Schäden am Schiff, interne Bewegungen oder strukturelle Veränderungen an Bord sowie veränderte Wetter- und Meeresbedingungen. Die Flächenschätzungen sind vorläufig: Natürlich vorkommende Glattwasserflächen können auf Satellitenbildern Öl ähneln und die Auswertung beeinflussen.
Laut Angaben der omanischen Umweltbehörde hatte das Öl am 12. August erstmals das Festland erreicht. Betroffen seien demnach die Strände von Ras Madrakah, rund 200 Kilometer nördlich der Insel Qabiliyah. Greenpeace bestätigt nach eigenen Auswertungen die Angaben der Behörden, dass sich die verschmutzte Fläche zwischenzeitlich auf 1400 Quadratkilometer ausbreitete; teils ist das Öl mittlerweile an der Küste angeschwemmt worden. Seit dem 25. August scheint das Unterstützungsschiff Frontier auf Standby in der Nähe des Tankers zu liegen.
Ölteppich bedroht Schildkröten, Wale und Seevögel
Ölunfälle haben langfristige Folgen für Meeresökosysteme. Öl-Rückstände können jahrzehntelang in Meeressedimenten verbleiben und das Ökosystem schädigen. Gefährdet sind auch Korallenriffe, Seegraswiesen und Küstenlebensräume der geschützten Hallaniyat-Inseln. Bedroht sind dort Meeresschildkröten, Zugvögel und Meeressäuger. Meeresschildkröten nutzen die Strände der Inseln als Eiablageplätze, während zahlreiche Seevogelarten auf die Inseln als wichtige Brutgebiete angewiesen sind. In den umliegenden Gewässern lebt außerdem der seltene Arabische Buckelwal. Weite Abschnitte der Küste der Insel Al Qibliyah scheinen bereits betroffen zu sein. Die Ölteppiche reichen inzwischen weit ins offene Meer hinaus.
„Die Situation rund um den Tanker Caroline Bezengi ist ein weiteres alarmierendes Beispiel für die erheblichen Umweltrisiken, die von der sogenannten russischen Schattenflotte ausgehen. Mit alternden, unterversicherten und schlecht gewarteten Tankern umgeht Russland die aufgrund des völkerrechtswidrigen Angriffs auf die Ukraine verhängten Sanktionen. Die maroden Öltanker gefährden Küsten- und Meeresökosysteme. Dies alles geschieht zur Finanzierung des russischen Krieges gegen die Ukraine.“
Schattenflotten-Tanker operieren im Verborgenen
Typisch für Schattenflotten-Tanker sind verschachtelte Strukturen und Besitzverhältnisse. Die Herkunft und Eigner der Tanker bleiben so oft unklar. Auch bei der „Caroline Bezengi“ sind die Eigentumsverhältnisse und der Versicherungsstatus völlig undurchsichtig. Berichten zufolge forderten die omanischen Behörden den in Shanghai ansässigen Eigner – der mutmaßlich auch über eine Briefkastenfirma auf den Marshallinseln verfügt – zum Handeln auf. Die Anfrage blieb unbeantwortet. Zudem ist der Tanker bei keinem anerkannten P&I-Club (Protection and Indemnity) versichert, sondern bei dem dubiosen Anbieter Arsenal Kyrgyzstan mit Sitz in der Kirgisischen Republik (laut Informationen dänischer Behörden, die Greenpeace Nordic vorliegen). Es ist völlig unklar, ob dieser Versicherungsschutz überhaupt noch gültig ist und ob der Versicherer in diesem Schadensfall für die Kosten aufkommen kann und würde.
Was ist „die Schattenflotte“?
Umweltgefährdende Kriegsfinanziers auf hoher See
Mit „Schattenflotte“ bezeichnet man Tanker, mit denen Russland das westliche Embargo von russischem Öl umgeht, um weiterhin den Rohstoff exportieren zu können. Die russische Öltankerflotte besteht aus überalterten, schlecht gewarteten Schiffen. Mithilfe der Schattenflotte gelingt es Russland auch, die gekappten Pipelines zu umschiffen. Viele Tanker sind unzureichend versichert, so dass die Folgen eines Unfalls und einer möglichen Ölpest nicht abgedeckt sind – die Steuerzahlenden der jeweiligen Anrainerstaaten würden auf den Kosten der Aufräum- und Säuberungsarbeiten sitzen bleiben. Die Besatzungen der Geistertanker sind zudem oft schlecht ausgebildet, manche Schiffe haben nicht einmal aktuelle Seekarten an Bord. Dennoch transportieren sie weiterhin Rohöl über die Weltmeere, oft durch Schutzgebiete. Die größten Tanker können Ölmengen transportieren, die mehr als 100 olympische Schwimmbecken füllen würden. Ein Unfall mit einem dieser Tanker führt somit fast zwangsläufig zu einer Umweltkatastrophe gigantischen Ausmaßes.