Skip to main content
Jetzt spenden
Yungang-Grotte in China zerfällt durch Kohlestaub. August 2008
Simon Lim / Greenpeace

China: Smog zerstört Gesundheit und Kultur

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

China ist der weltweit größte Produzent von Kohle. Die Wiege der Kohleförderung befindet sich in der nordöstlichen Provinz Shanxi, wo bereits vor zweitausend Jahren mit dem Abbau begonnen wurde.

Über tausend Jahre älter sind Kulturerzeugnisse dieser Gegend, die in den Yungang-Grotten zu besichtigen sind. Die hier erhalten gebliebenen Höhlenmalereien und die Steinmetz-Skulpturen sind von unschätzbarem Wert. Inzwischen aber sind ihre Oberflächen von Kohlestaub so zerfressen, dass sie bei der kleinsten Berührung zerbröseln.

Die Stadt Linfen, im Südwesten der Provinz Shanxi, ist für ihre extreme Luftverschmutzung bekannt – die schlimmste im ganzen Land. Hier leben die Menschen Mauer an Mauer mit den Kokereien. Wie auch Herr Shi und Frau Chang, die mit ihrem vierjährigen Enkel in einem kleinen Innenhof leben und von ihrem schwierigen Leben berichten:

Die Kokerei macht Tag und Nacht Lärm, aber man kann nichts dagegen tun. Wenn man vor die Tür geht, ist alles mit Staub bedeckt. Mais, Kartoffeln und andere Pflanzen wachsen nicht mehr so gut wie früher, die Ernten haben sich halbiert. Der Qualm ist so schlimm, dass alle Dorfbewohner unter Schwindel, einem Kratzen im Hals und Husten leiden. Wenn wir frühmorgens aufwachen, sind die Mauer und die Straße über und über schwarz. Wenn man vor die Tür geht und etwas herumspaziert, wird man selbst am ganzen Körper schwarz.

Die Verfeuerung von Kohle hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Die Kosten tragen die Menschen und ihre Umwelt.

China und die Kohle:

  • Kohleverfeuerung produziert Feinstaub, der giftige Stoffe enthält. Feinstaub ist besonders gefährlich, weil die kleinsten Partikel tief in die Lunge eingeatmet werden und dort direkt in die Blutbahn gelangen können. In China sind Lungenerkrankungen die zweithäufigste Todesursache bei Erwachsenen und damit für rund 14 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. Quecksilber schädigt die neurologische Entwicklung von Kindern und Ungeborenen.
  • Schadstoffe wie Kohlendioxid, Schwefeldioxid, Stickoxide und Methan tragen zum Klimawandel bei und verursachen sauren Regen und Smog.
  • Riesige Wassermengen sind erforderlich, um Kohle zu waschen und Kraftwerke im Betrieb zu kühlen. Das führt in vielen Gegenden zu Wassermangel.
  • China ist der weltgrößte Produzent und einer der größten Verbraucher von Kohle. Zwei Drittel der Energie wird aus Kohle gewonnen, die so das rasche Wirtschaftswachstum Chinas ermöglichte.
  • Ein Drittel des gesamten Kohlevorkommens befindet sich in der Provinz Shanxi: Die Kohlereviere machen 37 Prozent der Fläche Shanxis aus. Kohle aus Shanxi wird nach ganz China geliefert und exportiert.
  • Die Arbeitsbedingungen sind teilweise skandalös: 2007 wurde bekannt, dass über tausend Arbeiter wie Sklaven in Ziegeleien und Kohlenminen in der Provinz Shanxi gefangen gehalten wurden. Darunter waren zahlreiche Kinder, die regelrecht entführt wurden.

Zum Weiterlesen:

Die wahren Kosten der Kohle (Folge 1) Polen: Der Raubbau am Grundwasser

Die wahren Kosten der Kohle (Folge 3) Südafrika: Verseuchte Gewässer

Die wahren Kosten der Kohle (Folge 4) Deutschland: Zweifelhafte Rekultivierung des Tagebaus

Die wahren Kosten der Kohle (Folge 5) Philippinen: Der großen Kohle die Stirn bieten

  • Wahre Kosten Kohle - Linfen  (China). August 2008

    Linfen (China)

    Überspringe die Bildergalerie
  • Wahre Kosten Kohle - Xiangning (China). August 2008

    Xiangning (China)

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie
Studie: Die wahren Kosten der Kohle

Studie: Die wahren Kosten der Kohle

92 | DIN A4

1.75 MB

Herunterladen

Mehr zum Thema

Action against Carbon Dioxide Storage in Germany

CCS

  • 26.01.2023

Die Stromkonzerne wollen das Treibhausgas Kohlendioxid mittels CCS in die Erde verpressen. Die weitgehend unerprobte Technik ist teuer, energieintensiv und riskant.

mehr erfahren
Martin Kaiser auf der Demo in Lützerath

Lützerath- wie jetzt weiter

  • 18.01.2023

Das Dorf Lützerath ist nun dem Erdboden gleichgemacht. Wie geht es jetzt weiter mit dem Klimaschutz, der Klimapolitik und der Klimabewegung? Fragen an Greenpeace-Chef Martin Kaiser.

mehr erfahren
35.000 Menschen demonstrieren gegen die Räumung von Lützerath

Lützerath-Räumung

  • 16.01.2023

Trotz des Protests zehntausender Menschen, trotz tagelanger mutiger Aktionen ist Lützerath nun geräumt. Der Abriss schreitet schnell voran. Doch fürs 1,5 Gradziel darf die Kohle nicht verheizt werden.

mehr erfahren
Auszug aus den NRE-Papieren

Fragwürdige Absprachen zwischen RWE und NRW

  • 22.09.2022

Interne Papiere des NRW-Bauministeriums verstärken den Verdacht auf Zweckentfremdung von Fördermitteln. Laut Greenpeace-Recherche sollen belastete Industrieflächen mit Steuergeldern saniert werden.

mehr erfahren
Red Line Protest - The 1.5°C Limit Runs in front of Lützerath

Lützerath zur Weihnachtszeit

  • 20.12.2021

Ganz Deutschland macht Weihnachtsferien. Ganz Deutschland? Nein! Ein kleines Dorf am Rande des Tagesbaus Garzweiler hört nicht auf, der Kohle-Lobby Widerstand zu leisten. Ein Bericht aus Lützerath.

mehr erfahren

“Scholz, pack das an!”

  • 10.11.2021

Zum Endspurt der Koalitionsverhandlungen demonstrieren Greenpeace-Aktive mit Katastrophen-Schutt für eine stärkere Rolle der SPD im Klimaschutz

mehr erfahren