Skip to main content
Jetzt spenden
Protest mit brennendem CO2 Zeichen vor Moorburg (Vattenfall). Dezember 2008
Bente Stachowske / Greenpeace

Geheime Klageschrift ist online!

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Das Verfahren findet hinter verschlossenen Türen statt. Weder das zuständige Wirtschaftsministerium noch Vattenfall wollten sich bisher zu dem Streitfall äußern. Nun ist die Klageschrift doch durchgesickert und liegt bei Greenpeace auf dem Tisch. Es geht um sage und schreibe 1,4 Milliarden Euro - Geld, für das bei einer Urteilssprechung zugunsten Vattenfalls der deutsche Steuerzahler aufkommen dürfte.

Nicht lange ist es her, da sah man sie noch einvernehmlich lächeln: Bundeskanzlerin Merkel und ihren Klimaberater Lars Göran Josefsson. Damals sah es auch noch so aus würde Deutschland ganz im Sinne des Vattenfall-Chefs handeln. Heute hat sich da ein bisschen was geändert. Zwar darf das von Josefsson forcierte Kohlekraftwerk in Hamburg Moorburg gebaut werden, ganz so einfach wie er sich das vor einigen Jahren vorgestellt hat, wird es jedoch nicht.

Der Grund sind wasserschutzrechtliche Auflagen, die der Konzern beim Bau des monströsen Steinkohlekraftwerks in Hamburg Moorburg berücksichtigen muss. Dessen Bau ist angesichts der Aktualität des Klimawandels ohnehin absolut unsinnig. Bei 1600 MW Leistung würde das Kraftwerk die Atmosphäre mit jährlich 8,6 Millionen Tonnen belasten.

Es ist absurd. Gerade Josefsson sollte um die Gefahren des Klimawandels wissen. Seit Ende 2006 ist er Klimaberater von Bundeskanzlerin Merkel, seit Juni 2009 Mitglied der UN-Expertengruppe für Energie- und Umweltfragen. Aus diesem Grund müsste er mit den jüngsten Warnungen der Klimawissenschaftler vertraut sein. Etwa jener von Lord Nicholas Stern (London), Hans Joachim Schellnhuber (Potsdam/ Oxford) und anderen, dass sich viele Klima-Indikatoren über die Grenzen [bewegen], in denen sich die gegenwärtige Gesellschafts- und Wirtschaftsform erfolgreich entwickelt hat. Oder hat er da vielleicht nicht zugehört? Nachlesen könnte er es jedenfalls, die Aussagen sind in dem im März erschienenen Synthese-Report zu finden.

Ganz klar, Josefsson geht es um Geld - und zwar um viel Geld

Basierten unsere Einschätzungen bisher nur auf Spekulationen, so zeigt die durchgesickertete Vattenfall-Klageschrift, dass wir an allen Punkten bis auf einen Recht hatten, erläutert Greenpeace Streitfallexperte Jürgen Knirsch. Was die Schadensersatzforderungen betrifft ist Vattenfall allerdings deutlich unverfrorener als erwartet. Der Konzern verlangt jetzt mehr als 1,4 Milliarden Euro ohne diese Summe im Einzelnen zu begründen. Auch wäre mit den 1,4 Milliarden Euro noch lange nicht alles bezahlt. Deutschland müsste überdies Zinsen und Prozesskosten tragen.

Doch ist der Bau von Moorburg nicht nur ein Problem für Umwelt und Klima. Eine Rechtsexpertise, die Greenpeace gemeinsam mit der Organisation WEED (World Economy, Ecology & Development) in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Ergebnis, dass diese Klage die künftige Umwelt- und Klimaschutzpolitik der Bundesrepublik bedroht. Es besteht die Gefahr, dass die Souveränität des deutschen Rechtssystems unterlaufen wird. Außerdem liefert Vattenfall mit dem Prozess einen Präzedenz-Fall: Sollte Rechtsstreit vor der Weltbank gewonnen werden, wäre dies ein Signal an andere Investoren international gegen Klima- und Umweltschutzauflagen vorzugehen.

Petition

https://act.greenpeace.de/kein-geld-fuer-putins-krieg

Kein Geld für Putins Krieg

Der Krieg in der Ukraine darf nicht länger andauern: Die Bundesregierung muss die deutschen Milliardengeschäfte mit Russland stoppen, die Putins völkerrechtswidrigen Überfall auf ein Nachbarland finanzieren. Schluss mit Kohle-, Gas- und Ölimporten!

Petition unterzeichnen

0% vom Ziel erreicht

0 haben mitgemacht

0%

Mehr zum Thema

Berlin, vor dem Brandenburger Tor: Protest mit einer riesigen CO2-Zeitbombe und einem Transparent mit Unterschriften gegen die CO2-Speicherung (CCS).

CCS

  • 26.01.2023

Die Stromkonzerne wollen das Treibhausgas Kohlendioxid mittels CCS in die Erde verpressen. Die weitgehend unerprobte Technik ist teuer, energieintensiv und riskant.

mehr erfahren
Martin Kaiser auf der Demo in Lützerath

Lützerath- wie jetzt weiter

  • 18.01.2023

Das Dorf Lützerath ist nun dem Erdboden gleichgemacht. Wie geht es jetzt weiter mit dem Klimaschutz, der Klimapolitik und der Klimabewegung? Fragen an Greenpeace-Chef Martin Kaiser.

mehr erfahren
35.000 Menschen demonstrieren gegen die Räumung von Lützerath

Lützerath-Räumung

  • 16.01.2023

Trotz des Protests zehntausender Menschen, trotz tagelanger mutiger Aktionen ist Lützerath nun geräumt. Der Abriss schreitet schnell voran. Doch fürs 1,5 Gradziel darf die Kohle nicht verheizt werden.

mehr erfahren
Auszug aus den NRE-Papieren

Fragwürdige Absprachen zwischen RWE und NRW

  • 22.09.2022

Interne Papiere des NRW-Bauministeriums verstärken den Verdacht auf Zweckentfremdung von Fördermitteln. Laut Greenpeace-Recherche sollen belastete Industrieflächen mit Steuergeldern saniert werden.

mehr erfahren
Mit einer roten Linie zwischen Lützerath und dem Braunkohletagebau Garzweiler  protestieren Greenpeace-Aktivist:innen gegen die Zerstörung des Dorfes durch den Kohlekonzern RWE. Auf  einer Feuerlinie steht "1,5°C LIMIT", auf Bannern ist zu lesen "1,5°C bedeutet: Lützerath bleibt".

Lützerath zur Weihnachtszeit

  • 20.12.2021

Ganz Deutschland macht Weihnachtsferien. Ganz Deutschland? Nein! Ein kleines Dorf am Rande des Tagesbaus Garzweiler hört nicht auf, der Kohle-Lobby Widerstand zu leisten. Ein Bericht aus Lützerath.

mehr erfahren

“Scholz, pack das an!”

  • 10.11.2021

Zum Endspurt der Koalitionsverhandlungen demonstrieren Greenpeace-Aktive mit Katastrophen-Schutt für eine stärkere Rolle der SPD im Klimaschutz

mehr erfahren