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Christian Mang / Greenpeace

350 Umweltschützer stellen sich vor das Dorf Proschim

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die Aktivisten aus ganz Deutschland, Polen und Tschechien sind angereist, um einen schützenden Halbkreis um den Ortskern und die Dorfkirche zu bilden. „Proschim bleibt! Keine neuen Tagebaue“, fordern die Demonstranten auf einem Banner. Hintergrund des Ganzen: Brandenburgs rot-rote Landesregierung will in wenigen Wochen über den geplanten neuen Tagebau Welzow-Süd II entscheiden. Die Linke fordert in ihrem bundesweiten Wahlprogramm den Kohleausstieg. In Brandenburg aber, dem einzigen Bundesland mit Linker Regierungsbeteiligung, werden trotzdem weitere Tagebaue unterstützt.  „Die Linke ist wie ein Vegetarier, der ein Schnitzel bestellt. Wenn Katja Kipping und Bernd Riexinger die Glaubwürdigkeit ihrer Partei etwas bedeutet, dann müssen sie dafür sorgen, dass die Brandenburger Minister gegen Welzow-Süd II stimmen“, fordert Anike Peters, Energieexpertin von Greenpeace.

Folgekosten in Milliardenhöhe

Die aktuelle Diskussion über die Pläne der großen Energieversorger, ihre Atomgeschäfte samt aller Milliardenrisiken dem Bund zu übertragen, unterstreicht das Problem der Folgekosten gefährlicher und schmutziger Energieprojekte. Auch der Abbau von Braunkohle zieht Folgekosten in Milliardenhöhe nach sich. Für einen großen Teil dieser Kosten, etwa das dauerhafte Absenken des Grundwassers oder mögliche Erdrutsche, kommen die Betreiber in der Regel nicht auf. Dies hat kürzlich das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) in einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie untersucht.

Braunkohle aus Welzow-Süd II ist überflüssig

Anfang Juni entscheidet das Brandenburger Kabinett voraussichtlich über den geplanten Tagebau Welzow-Süd II bei Cottbus. Dort will der schwedische Kohlekonzern Vattenfall ab dem Jahr 2027 weitere etwa 200 Millionen Tonnen Braunkohle abbaggern. Mehr als 800 Menschen müssten dafür umgesiedelt werden – die meisten gegen ihren Willen. Linke-Umweltministerin Anita Tack hat in einem Gutachten bestätigen lassen, dass die Braunkohle aus Welzow-Süd II für die Energieversorgung Deutschlands nicht gebraucht wird. Deutschland kann seine selbstgesteckten Klimaziele nur ohne weitere Tagebaue erreichen. Dennoch unterstützt ihr Parteikollege, Wirtschaftsminister Ralf Christoffers, Vattenfalls Tagebaupläne. 

Menschenkette als Symbol des Widerstandes

Viele Menschen in der Lausitz sehen nicht mehr tatenlos zu, wie der Braunkohletagebau ihre Dörfer und Wälder zerstört. Und auch weit über die Grenzen der Region hinaus wächst der Widerstand gegen klimazerstörende Kohleverstromung. Mehr als 120.000 Menschen haben sich im vergangenen Jahr schriftlich gegen den geplanten Tagebau Welzow-Süd II ausgesprochen. Für Ende August ruft nun ein breites Bündnis aus deutschen und polnischen Bürgerinitiativen der Region und Umweltverbänden wie Greenpeace zu einer Menschenkette gegen Braunkohle auf. Dabei sollen erstmals über die deutsch-polnische Grenze hinweg zwei von der Abbaggerung bedrohte Dörfer - Kerkwitz und Grabice – miteinander verbunden werden.

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