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Greenpeace startet die Protest-Tour "Zeitbombe CO2-Endlager" in Neutrebbin/Brandenburg.Juni 2010
Gordon Welters / Greenpeace

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Online-Redaktion: Karsten, wie bewertest Du die Entscheidung, das Kraftwerk in Berlin nicht zu bauen?

Karsten Smid: Das ist ein Riesenerfolg für die Anti-Kohle-Bewegung! Das geplante 800-Megawatt-Kraftwerk an der Spree hat starke Proteste auf allen Seiten hervorgerufen. Die Bevölkerung fürchtet Umweltbelastungen. Umweltschützer und Senatspolitiker verweisen auf die vereinbarten Ziele der Stadt zur CO2-Reduzierung und selbst die Industrie-und Handelskammer sprach sich gegen den Neubau aus.

Der Verzicht ist die richtige Entscheidung auch für Vattenfall. Wir bieten Vattenfall gerne an, ein zukunftsweisendes, klimafreundliches Energiekonzept für Berlin mitzuentwickeln.

Online-Redaktion: Hat Vattenfall nun sein Umweltgewissen entdeckt oder ist ihm ein Neubau schlicht zu teuer geworden?

Karsten Smid: Ich glaube, dass der Protest gegen das Kraftwerk Moorburg in Hamburg eine Menge dazu beigetragen hat. Hier ist das Kraftwerk um 600 Millionen teurer geworden. Denn Vattenfall muss nun Umweltauflagen nachkommen, die sie zu Beginn sträflich vernachlässigt hatten. Und das hat dann auch zu unangenehmen Nachfragen von der schwedischen Konzernzentrale geführt. So etwas soll wohl in Berlin vermieden werden.

Klar ist auch, dass man aufgrund des Protestes noch einmal neu über den Energieträger Kohle nachdenkt. Denn Vattenfalls Image hängt an der Kohle. Vattenfall ist Deutschlands schädlichster Stromanbieter. Wenn das Unternehmen daran etwas ändern will, dann kann es mit Berlin gut zeigen, wie eine Energieversorung der Zukunft ohne Kohle und ohne Atom aussehen kann.

Online-Redaktion: Wie könnte eine solche Energieversorgung aussehen?

Karsten Smid: Die Altenative ist ein hoch effizientes Kraft-Wärme-gekoppeltes Gaskraftwerk, das ergänzt wird durch erneuerbare Energien. Das könnte man für Berlin zukunftsweisend aufbauen mit einem speziell auf die Stadt zugeschnittenen Energiekonzept.

Online-Redaktion: Das klingt nach einem Vorzeigemodell. Könnte das denn auch beispielsweise auf Hamburg übertragen werden?

Karsten Smid: Ja. Auch in Hamburg gibt es für den Konzern Alternativen. Auch wenn in Hamburg bereits Hunderte von Millionen Euro für Moorburg in den Sand gesetzt wurden, ist es für Vattenfall noch nicht zu spät auszusteigen. Moorburg ist für Vattenfall bereits ein Klotz am Bein und droht, eine Investitionsruine zu werden. Eine gangbare Alternative wäre die klimagünstige Energieversorgung auf der Basis eines hocheffizienten Gaskraftwerks, gekoppelt mit Off-shore Windenergie.

{image}Online-Redaktion: Ist Vattenfalls Entscheidung auch ein Zeichen zur Wende für andere Energieunternehmen?

Karsten Smid: Von der Entscheidung könnte tatsächlich eine Signalwirkung für ganz Deutschland ausgehen. Es zeigt sich immer mehr, dass die Wirtschaftlichkeit der Kohlenutzung eine Legende der Energieindustrie ist. RWE hat bereits angekündigt, keine Kohlekraftwerke mehr zu bauen. Alle Unternehmen, die zur Zeit Kohlekraftwerke planen, sollten ihre Entscheidung noch einmal überdenken. Kohle ist weder klimafreundlich noch günstig.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!

  • Anti-Kohle Tour: Projektion auf Kohlekraftwerk Klingenberg (Vattenfall) in Berlin. Oktober 2007

    Anti-Kohle-Tour

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