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Grafik Erdgasbezugsquellen 2006
© Bundesverband Gas- und Wasserwirtschaft

Kohle- und Atomkraftwerke sind keine Alternative

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Online-Redaktion: Nach dem Greenpeace-Energieszenario Plan B wird Erdgas auch im Jahr 2020 noch ein wichtiger Energieträger in Deutschland sein. Machen wir uns damit nicht dauerhaft von unsicheren Exporten abhängig?

Jörg Feddern: Wir sehen Erdgas nur für eine Übergangszeit als geeigneten Brennstoff, um beispielsweise besonders klimaschädliche Kohlekraftwerke zu ersetzen. Für Greenpeace ist ganz klar, dass langfristig der Verbrauch von Erdgas deutlich gesenkt werden muss. Denn auch Erdgas ist ein fossiler Energieträger, der zur Aufheizung der Erdatmosphäre beiträgt. Obwohl die CO2-Bilanz im Vergleich zu Öl und Kohle deutlich besser ist, sollte Erdgas deshalb nur so lange wie nötig zum Einsatz kommen.

Online-Redaktion: Greenpeace will ja nicht nur aus der Verbrennung von Kohle aussteigen, sondern gleichzeitig auch einen beschleunigten Atomausstieg. Wie kann das funktionieren?

Jörg Feddern: Die Versorgung mit Strom und Wärme muss in Deutschland so effizient wie möglich werden. Dass heisst, wir müssen den Ausbau der sogenannten Kraft-Wärme-Kopplung beschleunigen. Bei dieser Technologie wird in den Kraftwerken neben Strom auch die bei der Produktion anfallende Wärme genutzt.

Diese sonst ungenutzte Energie kann beispielsweise über Fern- und Nahwärmeleitungen als Raumwärme und Warmwasser für Haushalte bereitgestellt werden. In Deutschland gibt es dafür noch ein erhebliches Ausbaupotential. Wir sind da im europäischen Vergleich noch ein Entwicklungsland. Bis 2020 könnte der Anteil an Kraft-Wärme-Kopplung nahezu verdoppelt werden.

Online-Redaktion: Und was kann ich als Verbraucher tun?

Jörg Feddern: Ein erster wichtige Schritt zur Einsparung von Erdgas wäre beispielsweise durch Sanierungsmaßnahmen im Gebäudebereich zu erreichen - Stichwort Wärmedämmung. Nach unserer Studie Plan B lassen sich bis 2020 bis zu elf Prozent des Endenergiebedarfs im Wärmesektor durch geeignete Maßnahmen einsparen.

Die Erneuerbaren Energien müssen in Zukunft auch im Wärmesektor eine größere Rolle übernehmen. Ihr derzeitiger Anteil von sechs Prozent kann bis 2020 auf immerhin 20 Prozent gesteigert werden. Gerade der Ausbau dieser heimischen Energiequelle verringert die Abhängigkeit von Gasimporten.

Eines zeigt die derzeitige Situation auch sehr deutlich: Obwohl der Gasstreit sich Jahr für Jahr wiederholt, tut die Bundesregierung so, als ob dies für sie eine völlig neue Situation ist. Die Zeit ist überfällig für eine Energiewende, die das Klima schont und Deutschland unabhängiger von Importen macht. Hier hat die Regierung ihre Hausaufgaben immer noch nicht gemacht.

Online-Redaktion: Die großen Energieversorger und viele Politiker erklären jetzt, dass Unabhängigkeit in der Energieversorgung am besten mit heimischen Atom- und Braunkohlekraftwerken funktioniert. Was ist davon zu halten?

Jörg Feddern: Die Befürworter der Atomenergie nutzen den Gasstreit gerne, um ihre Technik wieder ins Spiel zu bringen. In der Sache hilft Atomenergie aber gar nichts. Denn erstens werden die Atomkraftwerke ausschließlich zur Stromproduktion genutzt. Und zweitens ist Deutschland zu 100 Prozent abhängig von Uran-Importen. Es wird Zeit, dass diese Diskussion ein für allemal beendet wird.

Die heimische Braunkohle macht zwar unabhängig. Sie fällt aber für eine zukunftsfähige Energieversorgung aus, da sie unter den fossilen Energieträgern die absolut schlechteste Klimabilanz aufweist.

Für die oben skizzierte Energiewende benötigt Deutschland bis 2020 etwa 7,5 Prozent mehr Gas als heute. Mit einer gut durchdachten Auffächerung von Lieferländern könnte Deutschland den Anteil der russischen Erdgaslieferungen langfristig verringern.

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