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Humpback Whale in the Great Barrier Reef
© Paul Hilton / Greenpeace

Tiefseegasprojekt bedroht Wale

Der Welt-Wal-Tag fällt jedes Jahr auf das dritte Wochenende im Februar; 2022 findet der internationale Ehrentag für die Meeressäuger darum am 20.2. statt. Ob die 1980 auf Hawaii ins Leben gerufene Tradition ein Feiertag ist, darf man bezweifeln: Der Mensch hat auf der ganzen Welt die Bestände stark reduziert. Nach wie vor betreiben Länder kommerziellen Walfang oder schieben ein vermeintliches Forschungsinteresse vor, um Tiere zu fangen und zu töten. 

Dabei sind es nicht bloß Länder wie Island oder Norwegen, die sich mit ihrer Jagd auf Wale die Hände schmutzig machen. Die Bedrohung empfindlicher Walpopulationen entsteht nicht ausschließlich durch die Harpune, sondern ebenso durch rücksichtslose Geschäftsentscheidungen. Ein aktuelles Beispiel: Die deutschen Unternehmen RWE und Uniper ermöglichen ein Erdgasprojekt in Westaustralien, das für die Unterwasserwelt vor der Küste schwerwiegende Auswirkungen hat.

Worum geht es? 

Der größte australische Öl- und Gaskonzern Woodside will in einer ersten Phase 300 Kilometer vor der Küste von Westaustralien ein Erdgasfeld im Meer erschließen. Das bedeutet: acht bis 13 Gasbohrungen in mehr als 900 Metern Tiefe und eine schwimmende Offshore-Plattform. Das Projekt Scarborough, dem sich in einer zweiten Phase Burrup Hub mit zwei weiteren Bohrplattformen anschließen soll, ist in mehrerlei Hinsicht verantwortungslos: Die Erdgasförderung an diesem Ort zerstört den Lebensraum und die Migrationspfade von Walen und etlichen anderen Arten – und ist extrem klimaschädlich.

Bei der Erschließung von Scarborough müssen über Kilometer Meeresböden gesprengt und ausgebaggert werden, riesige Betonpfähle würden in den Meeresboden gerammt und Millionen Tonnen zerkleinerter Korallen und Felsen im Dampier-Archipel verklappt – dem Gebiet mit der größten Artenvielfalt im Meer vor Westaustralien. Das Gebiet beherbergt Tausende von Wal-, Hai-, Fisch-, Schildkröten- und Korallenarten. Es liegt auf den Wanderwegen der Wale und ist Heimat vieler bedrohter Arten. Zudem müssen zum Transport des Rohstoffs hunderte Kilometer Pipeline unter Wasser verlegt werden; die Scarborough-Pipeline würde den Montebello Marine Park durchqueren, eine der bedeutendsten Brut- und Niststätten von Meeresschildkröten.

Erdgasbohrungen vor Westaustralien

  • Woodside's Burrup North-west Shelf Plant in Western Australia

    Woodside-Gasanlage

    Woodside plant, in der Burrup-Hub-Region nach Gas zu bohren: Es wäre das klimaschädlichste Projekt in der Geschichte Australiens.

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  • Woodside's Pluto Toxic Gas Plant in the Burrup Region of Western Australia

    Treibhausgasschleuder

    Die LNG-Anlage Pluto in Westaustralien. Sie soll nach Plänen von Woodside weiter ausgebaut werden.

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  • Woodside's Burrup Hub Gas Pipelines in Western Australia

    Pipelines im Burrup Hub

    Deutsche Abnehmer wie die Stromversorger RWE und Uniper ermöglichen das klimaschädliche Projekt.

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Warum ist Erdgas schädlich?

Erdgas als Energieträger gilt vielen als Brückentechnologie, weil bei seiner Verbrennung weniger CO2 entsteht als bei der von Kohle. Doch beim genaueren Hinsehen ist auch Erdgas äußerst klimaschädlich. Zum einen sind die CO2-Emissionen immer noch viel zu hoch - um das Klima zu schützen brauchen wir Nullemissionen. Zum anderen besteht Erdgas fast vollständig aus Methan, ein sehr viel stärkeres Treibhausgas als CO2. Bei der Produktion, beim Transport und Verbrauch entweichende Methan-Emissionen sind extrem klimaschädlich. 

Der Plan von Woodside ist, das Erdgas als Flüssiggas in alle Welt zu exportieren, kurz LNG (Liquified Natural Gas). In einem sehr energieintensiven Prozess wird dazu das Erdgas auf -160 Grad Celsius heruntergekühlt und so verflüssigt, das Volumen verringert sich dadurch um ein Vielfaches. Das macht den internationalen Handel einfacher: Transportschiffe können so große Mengen Erdgas transportieren, die im Ankunftsland in eigenen LNG-Terminals wieder aufgedampft werden. Die Klimabilanz dieser energiefressenden Infrastruktur ist allerdings verheerend.

Nach Schätzungen von Expert:innen ist Scarborough darum eine regelrechte CO2-Bombe: In einem Zeitraum von 2021 bis 2055 ist mit Emissionen von 1370 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten zu rechnen, die mit dem Projekt im Zusammenhang stehen. Zum Vergleich: Das ist rund die doppelte Menge, wie wenn der Tagebau Garzweiler 2 wie geplant bis zum Jahr 2038 ausgebaggert würde. 

Was haben deutsche Unternehmen damit zu tun?

Impact-Karte Australien

Die geplanten Bohrungen fänden im Migrationsgebiet von Walen und anderen Meerestieren statt.

Die Energieversorger RWE und die E.On-Abspaltung Uniper sind immens wichtige Partner für Woodside – ohne ihre Beteiligung hat das australische Unternehmen keine Kunden für sein Erdgas, bereits jetzt hat Woodside nur für die Hälfte seiner Kapazitäten Abnehmer gefunden. Springen die deutschen Vertragspartner ab, ist das Projekt nicht länger rentabel und zum Scheitern verurteilt.

Bislang hat RWE lediglich einen Abnahmevertrag bis 2031 unterzeichnet. Längerfristig kann der Konzern gar nicht in das australische Erdgasgeschäft einsteigen, wenn er seine eigenen Klimaziele ernst nimmt: Bis 2040 möchte RWE klimaneutral sein. So lange der Konzern allerdings umweltschädliche Gasbohrungen am anderen Ende der Welt ermöglicht (und Klimaverbrechen vor der eigenen Haustür begeht), sind solche Ankündigungen nichts wert. Die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien. Doch dazu braucht es eine mutige Transformation des Energiesektors, und kein “Weiter so”, das RWE allen Beteuerungen des Gegenteils nachweisbar betreibt.

Greenpeace und die Wale

  • Russian Whaling Fleet in North Pacific

    Kurs auf Walfänger

    Ein Bild aus dem Jahr 1975: Ein Greenpeace-Schlauchboot stellt sich einer russischen Walfangflotte entgegen.

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  • Soviet Whaling in North Pacific

    Toter Wal im Nordpazifik

    Januar 1975: Die Greenpeace-Crew entdeckt einen toten Pottwal, der von russischen Walfängern getötet wurde und mit einem Funksender im Wasser treibt.

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  • Rainbow Warrior Crew with Whaling Banner in Shetland

    Rettet die Wale!

    Die Crew der Rainbow Warrior 1978 in Shetland.

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  • Protest against Whale Meat in Hamburg

    Protestaktion im Hamburger Hafen

    Greenpeace-Aktivist:innen demonstrierten im Juli 2013 gegen den Handel mit Walfleisch.

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  • Orca J19 Shachi Breaches Water

    Orca vor Nordamerika

    Greenpeace setzt sich im Dialog mit der Politik für Schutzgebiete ein – damit Staaten und globale Unternehmen sich dazu verpflichten, die vielfältigen Lebensräume in unseren Ozeanen nicht länger zu zerstören.

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Wale statt Woodside

Selbst im besten Fall ist das, was Woodside vor der Küste plant, eine unzumutbare Belastung für die australische Unterwasserwelt und das Klima weltweit. Kommt es zu einem Unfall, ist das eine Katastrophe für die dort lebenden Tiere. Scarborough und Burrup Hub drohen Lebensräume unwiederbringlich zu zerstören, und zwar für fossile Brennstoffe, deren Nutzung wir uns angesichts der Erderhitzung nicht länger leisten können. RWE und Uniper müssen aus dem Projekt aussteigen, auch zum Schutz der Meeressäuger. Eigentlich sollte der “Whale Day” ein Feiertag sein – kein Gedenktag.

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