Skip to main content
Jetzt spenden
"Willkommen in Fort NOx"-Banner vor Bundesinnenministerium
Gordon Welters / Greenpeace

Greenpeace-Aktivisten demonstrieren beim „Dieselgipfel“ für saubere Mobilität

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Update 3.8.2017:

Ihrer Enttäuschung über das Ergebnis des Dieselgipfels verliehen Greenpeace-Aktivisten mit einer Projektion am Bundeskanzleramt Ausdruck: Dort stand heute Morgen in großen Lettern „Aktenzeichen NOx ungelöst“ zu lesen – in Anlehnung an die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“, die ungeklärte Verbrechen zum Thema hat. „Der Gipfel hat kein einziges Problem gelöst“, sagt Benjamin Stephan, Greenpeace-Experte für Verkehr. „Er hat die drohenden Fahrverbote nicht abgewendet, er schützt niemanden vor giftigen Abgasen und bringt die Hersteller nicht dazu, endlich saubere Autos zu bauen.“ Ein Scherenschnitt der Bundeskanzlerin neben dem Schriftzug macht klar, wen die Umweltschützer für das Debakel verantwortlich machen: „Angela Merkel muss den Dieselskandal in all seinen Konsequenzen zur Chefsache machen“, so Stephan.

____________________________________________________________________________________________________

Ach, die deutsche Automobilindustrie: Sorgt für Wohlstand, Arbeitsplätze und poliert das Siegel  „Made in Germany“. Ein solcher Hauptgewinn muss gut geschützt werden, findet die deutsche Politik und hält seit Jahrzehnten ihre schützende Hand über die Branche – buchstäblich ohne Rücksicht auf Verluste. Der vermeintliche Schatz, den Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in seinem Ministerium zu hüten versucht, hat seit Beginn des Abgasskandals allerdings beträchtlich an Glanz eingebüßt: statt auf Pretiosen zu sitzen, stapeln sich beim Minister die Lügen und Schummeleien der Autoindustrie mittlerweile als riesengroßes Problem.

Um den Schaden zu minimieren, treffen sich Industrie und Politik heute zum „Dieselgipfel“ – die Begrüßung der Teilnehmer übernahmen heute Morgen allerdings Greenpeace-Aktivisten. Sie hängten ein 20 Meter breites Banner mit der Aufschrift „Willkommen in Fort NOx“ über den Haupteingang des Bundesverkehrsministeriums in Berlin – eine Anspielung auf den hochgesicherten Armeestützpunkt, in dem die USA Teile ihrer Goldreserven hortet; „NOx“ ist die Abkürzung für gesundheitsgefährdende Stickoxide, von denen gerade Dieselfahrzeuge besonders viele ausstoßen. Was hinter den ministerialen Mauern geschützt werden soll, ist allerdings kein Füllhorn an Reichtümern, sondern eine Industrie, die mit dem Segen der Politik die Gesundheit der Bevölkerung aufs Spiel setzt. Der Tagungsort wurde kurzfristig "aus technischen Gründen", so die offizielle Stellungnahme, ins Innenministerium verlegt.

Schminke für Dreckschleudern

Umweltschutzverbände wie Greenpeace sind zu dem Treffen nicht eingeladen. Benjamin Stephan, Greenpeace-Experte für Verkehr, erwartet von dem Gipfel keine wegweisenden Entscheidungen: „Diese Runde geht nicht das Abgasproblem an, sie versucht den Diesel zu retten.“ Kurzfristige Maßnahmen der Hersteller, wie etwa durch Software-Updates besonders schmutzige Diesel ein klein wenig sauberer zu machen, ändern wenig am Problem. Selbst wenn damit der Stickoxid-Ausstoß wie zugesichert um etwa ein Viertel sinken sollte, liegen die Autos auf der Straße noch immer deutlich über dem Grenzwert. „Ein bisschen Softwareschminke macht aus einer Dreckschleuder keine saubere Schönheit“, so Stephan.

Doch eine saubere Mobilität ist notwendig für die Gesundheit der Menschen in Städten, für die erhöhte Stickoxidwerte seit Jahren ein ernstes Problem sind. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur sterben in Deutschland jährlich mehr als 10.000 Menschen vorzeitig an den Folgen dieser Schadstoffbelastung. Vor allem Diesel-PKW verursachen Stickoxide, die das Risiko für Asthma und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern.

Eine naheliegende Lösung wäre die Einführung der Blauen Plakette, mit der nur noch saubere Autos in die Städte dürften. Doch die wird von Dobrindt blockiert. Das spiegelt vielleicht die Haltung der Industrie wider, nicht aber die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung: Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace sind 57 Prozent der Befragten dafür, Fahrverbote für Diesel-PKW in besonders belasteten Stadtteilen zu erteilen.

>>> Um das Klima und die Menschen in den Städten zu schützen, muss die Bundesregierung falsche Anreize wie die milliardenschweren Dieselsubventionen rasch abbauen und den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor bis zum Jahr 2025 einleiten. Unterschreiben Sie hier eine Protestmail an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

  • Banner "Willkommen in Fort NOx" am Bundesverkehrsministerium

    Begrüßung am Bundesverkehrsministerium

    Überspringe die Bildergalerie
  • Fahrradaktivist vor Bundesverkehrsministerium

    Das ist der Gipfel

    Überspringe die Bildergalerie
  • Aktivistinnen vorm Bundesverkehrsministerium mit Banner "Der Weg in die Zukunft ist ein Radweg"

    Für alternative Mobilitätskonzepte

    Überspringe die Bildergalerie
  • Projektion Aktenzeichen NOx ungelöst" am Bundeskanzleramt

    Frau Merkel, es besteht Klärungsbedarf!

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Mehr zum Thema

Heavy Rain Disaster in Southwest Germany

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe

  • 15.07.2022

Im Juli 2021 erlebte das Ahrtal eine beispiellose Flut, die viele Todesopfer forderte. Rainer Doemen hat die Katastrophe erlebt und setzt sich für einen nachhaltigen Wiederaufbau der Region ein.

mehr erfahren
Licht fällt aus einem Dachfenster

Wärmewende

  • 23.02.2022

Auch Gebäudewärme muss schnell klimaneutral erzeugt werden, wollen wir die Klimaziele schaffen und unabhängig vom Import fossiler Energien werden. Eine Wärmewende muss her, und Greenpeace sagt, wie.

mehr erfahren
Climate Protection Action in Front of the ECB in Frankfurt

EZB kann Inflation senken und Klimaschutz fördern

  • 03.02.2022

Die Europäische Zentralbank soll die Preisstabilität in Europa sichern. Wie kann sie in Zeiten steigender Inflation Klimaschutz fördern? Interview mit Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas.

mehr erfahren
Staff Portrait of Mauricio Vargas

Grüne Inflation ist ein Mythos

  • 20.01.2022

Warum fossile und nicht erneuerbare Energien die aktuelle Inflation antreiben und wie die Energiewende für stabile Preise sorgen kann – ein Interview mit Volkswirt Mauricio Vargas von Greenpeace.

mehr erfahren
Windenergie in Sachsen-Anhalt

Ökostromanbieter

  • 01.01.2022

Seit 1999 beweist Green Planet Energy: Sauberer Strom ohne Atom und Kohle ist möglich, wirtschaftlich und zuverlässig. 2022 ist sie die größte Energie-Genossenschaft Deutschlands.

mehr erfahren
Arbeiter installieren Photovoltaikanlage auf Dach vor Reichstag in Berlin

Viel hilft viel

  • 21.10.2021

Die älteste Leier der deutschen Klimapolitik? „Man darf die Wirtschaft nicht überfordern.“ Nun zeigt eine Greenpeace-Studie: Mehr Klimaschutz schafft Jobs und Wachstum.

mehr erfahren