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fire at nuclear power plant Kruemmel
© Martin Langer/Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Greenpeace Online: Was sagt denn nun der Bericht, was im AKW Krümmel an jenem Donnerstag im Juni passiert ist?

Heinz Smital: Dieser Bericht legt viele technische Besonderheiten offen. Am 28.06.2007 um 15:02 trat ein Kurzschluss mit anschließendem Brand an einem der beiden Maschinentransformatoren auf. Wegen der Redundanz - es gibt einen weiteren nicht beschädigten Trafo - hätte dieser Brand keine wesentlichen Auswirkungen auf den Reaktor haben dürfen.

Aber Fakt ist, dass die gesamte Eigenversorgung des Kraftwerks mit Strom für eine kurze Zeit unterbrochen war. Und das hat eine ganze Kette von Ereignissen ausgelöst, die so nicht im Programm standen.

Greenpeace Online: Was für Folgen hatte dieser Blackout für die Anlagen im Kraftwerk?

Heinz Smital: Dadurch, dass die Spannung komplett weg war, muss das Kraftwerk die großen Stromfresser, die großen Pumpen, abschalten. Erst als auf das Reservenetz umgeschaltet war, gab es wieder Strom.

Doch nun entwickelte sich folgende prekäre Situation: Eine der zwei vorhandenen Pumpen schaltet sich als erste ein. Sie drehte die Rohrsysteme zu sich, wo das Wasser durchfließt und schaltet die Ersatzpumpe ab. Aus nicht erklärlichen Gründen springt jetzt die andere Pumpe doch an, schaltet die eigentlich funktionierende und laufende aus. Will jetzt selbst laufen, hat aber verschlossene Wasserrohre. Das wird von Untermodulen erkannt, die dann auch diese Pumpe abstellen. Und so haben sich die redundanten Systeme, also das Notfall- und das Hauptsystem, gegenseitig lahmgelegt.

Das erinnert an Slapstickeinlagen mit Dick und Doof. Aber ein Atomkraftwerk ist eine zu ernste und gefährliche Sache, als dass es dort passieren dürfte.

Greenpeace Online: Kam es noch einmal vor, dass die Sicherheitsvorkehrungen zum Risiko wurden?

Heinz Smital: Außerhalb des Reaktorgebäudes brannte auf dem AKW-Gelände die Trafostation und es entwickelte sich viel Rauch. Die Rauchanlage im Reaktorgebäude entdeckt daraufhin Rauchgase. Die Computersteuerung sagt sich, in der Kommandozentrale dürfen keine Rauchgase sein: Wir spülen mal kräftig Frischluft von draußen nach.

Aber von draußen kam ja der Rauch. Nun spült kräftig Rauch in die Anlage hinein. Genau das sollte nicht passieren. Da hat das Sicherheitssystem die Situation wieder verschärft.

Greenpeace Online: Diese Punkte stehen im Report, man hat sie also erkannt. Wie will man Abhilfe schaffen?

Heinz Smital: Auch Abhilfemaßnahmen sind zum Teil schon aufgeführt. Für das einzelne Problem überlegt man, und kommt zu einer Lösung, die vielleicht auch Sinn macht. Bei dieser Rauchgeschichte wird zum Beispiel ein Schlüsselschalter vorgeschlagen: Über den kann man steuern, soll jetzt Luft von innen geholt werden oder von außen.

Doch angenommen der Rauch kommt gleichwertig von innen und von außen. Dann steht der Reaktorfahrer da, und dreht den Schlüssel erst in die eine und dann in die andere Richtung - und egal was er macht: Der Rauch dringt ein. Die ganze Aufmerksamkeit geht währenddessen in diesen blöden Schlüsselschalter, als hätte er nichts anderes zu tun.

Greenpeace Online: Sind solche Berichte und Vorschläge etwas Neues oder Ungewöhnliches?

Heinz Smital: Nein, nach jedem Störfall in einem AKW gibt es einen Bericht und dann kommt oft eine neue Vorschrift, ein neuer Schalter, eine neue Anzeige dazu. Und je älter die Anlage ist, desto abenteuerlicher wird das Konstrukt. Das erinnert dann an eine verwinkelte Altstadt. Da verliert man auch leicht den Überblick über das Labyrinth.

Greenpeace Online: Waren das die einzigen großen Probleme?

Heinz Smital: Nein, in dem Report stecken noch weitere Vorfälle. Auch sie werfen grundlegende Fragen auf.

Greenpeace Online: Welches Fazit ziehst du daraus?

Heinz Smital: Die Atomanlagen gehören abgeschaltet. Je älter sie sind, desto schneller müssen sie endgültig aus dem Verkehr gezogen werden.

Greenpeace Online: Vielen Dank für das Gespräch, Heinz!

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